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Der Film "Einsteins Nichten"

Der Film "Einsteins Nichten" | Video verfügbar bis 13.08.2018

In dem Doku-Film "Einsteins Nichten" erzählt der Regisseur Friedemann Fromm die Geschichte von Einsteins Großnichten, die im Zweiten Weltkrieg mitansehen müssen, wie Einsteins Cousin und dessen Familie getötet werden. Friedemann Fromm begleitet Einsteins Nichten, die mittlerweile fast 90 jährigen Zwillingsschwestern Lorenza und Paola in die Toskana, wo die Familie damals lebte. Eine bewegende Geschichte.

Die tragische Geschite von Einsteins Nichten

Als sie das Tor erreichen, nehmen sie sich an der Hand. "Halten wir einander fest", sagt die eine – "Mir ist schwindlig", die andere. Lorenza und Paola Mazzetti. Zwillingsschwestern. Zum ersten Mal seit über 70 Jahren gehen sie diesen Weg. Zum ersten Mal seit der Ort ihres Kindheitsglücks zum Ort ihres Unglücks wurde. Seit die Nazis in ihrem Haus ihre Familie ausgelöscht haben. Sie kamen her, weil sie einem Film über ihr Schicksal zugestimmt haben. Doch jetzt zögern sie, hineinzugehen.

Robert Einstein hatte die Zwillinge adoptiert

Regisseur Friedemann Fromm
Regisseur Friedemann Fromm

Das Haus gehörte Robert Einstein, dem Cousin von Albert. Der Name Einstein war den Nazis verhasst: Der jüdische, pazifistische Nobelpreisträger galt ihnen als "Feind der deutschen Nation". Lori und Paola sind die Adoptivkinder dieses Robert Einstein – ihre Mutter war bei der Geburt gestorben, ihr Vater hatte nicht die Kraft, sie allein großzuziehen. Im Haus in der Toskana verbringen sie die glücklichsten Jahre ihrer Kindheit – bis zum 3. August 1944: Als der Krieg schon fast zu Ende ist, die Deutschen bereits auf dem Rückzug. "Zu dieser Zeit also kam nochmal eine Einheit, von der bis heute strittig ist, wer das war, die ganz gezielt auf der Suche nach Robert Einstein war. Ich vermute – zu der Zeit hat  Albert Einstein Aufrufe im italienischen Radio zum Widerstand gesendet – dass das damit zusammenhängt: Dass die Deutschen einen Faustpfand wollten.", so der Regisseur Friedemann Fromm.

Lorenza und Paola überleben

Doch Robert Einstein, vorgewarnt, hatte sich im Wald versteckt. In Spielszenen zeigt der Film, was nun geschah: Wie das Wehrmachtskommando die Bewohner zusammentrieb. Wie die Ehefrau und die beiden leiblichen Töchter Robert Einsteins erschossen wurden. Nur Lorenza und Paola blieben verschont: Weil sie nicht Einstein hießen, weil ihre Adoptivmutter beteuerte, dass sie keine Juden wären. Jetzt wagen sie sich zum ersten Mal wieder in dieses Haus. Die Kraft und der Lebensmut dieser beiden Frauen machen den Film zum  bewegenden Ereignis: Wenn sie die Treppe zu dem Zimmer hinaufgehen, in das sie damals – zunächst noch alle gemeinsam – eingesperrt wurden. Bis dann eine nach der anderen abgeholt wurde: Erst die Schwestern, Luce und Cicci, dann die Mutter. Als es still wurde, als alles vorbei war, draußen schon Abend, suchten sie unten nach den anderen. Sie fanden sie im Salon, tot.

Die Täter des Verbrechens wurden nie verurteilt

Lorenza und Paola Mazzetti
Lorenza und Paola Mazzetti

Wie kann man weiterleben, wenn einem das widerfährt? Robert Einstein, der Vater, nahm sich ein Jahr später das Leben. Lorenza und Paola sind heute 89 Jahre alt. Man muss versuchen, zu vergessen, sagen sie. Und darum wissen, dass es nicht geht. Die Täter dieses furchtbaren Verbrechens wurden nie verurteilt. Und doch sind Lorenza und Paola am Ende dieses Films dankbar, zurückgekehrt zu sein. Für Lorenza Mazzetti war es so: "Ich sehe mein Leben als eine kontinuierliche Flucht vor dem Tod. Jetzt nutzt das aber nicht aus und werft mich die Treppe hinunter! Gebt mir lieber die Hand und helft mir."

Autor: Tim Evers

Stand: 13.08.2017 22:17 Uhr

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