SENDETERMIN So, 17.09.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Bühnendebüt vor 50 Jahren: Was macht eigentlich Cat Stevens?

50 Jahre auf der Bühne: Cat Stevens | Video verfügbar bis 17.09.2018

London, Oxford Street, die Joseph Fine Art Gallery. In diesem Haus ist Cat Sevens aufgewachsen. Die Galerie war damals das Restaurant seiner Eltern, hier schrieb er seine ersten Songs. Vor genau 50Jahren begann seine Karriere als Sänger. Ein guter Anlass für ein neues Album. Und so hat Cat Stevens ein paar Freunde und Weggefährten zu einem Mini-Auftritt eingeladen, um es vorzustellen.

Das neue Album – eine Wiederentdeckung

"Blackness Of The Night" hat er bereits als Teenager gesungen, sein erster Protestsong, über eine Welt, die nicht so ist, wie sie sein sollte. Neben ein paar neuen Liedern ist das Album "The Laughing Apple" vor allem eine Wiederbegegnung des 69-jährigen mit dem Cat Stevens von vor 50 Jahren. Er selbst hat sie neu entdeckt:

"Ich habe zurückgeschaut auf meine ersten Songs von 1967 und entdeckte darunter einige Perlen. Damals waren sie musikalisch überfrachtet. Und ich dachte, ich befreie sie von dem Ballast, singe sie so einfach, wie sie es nach meinem Gefühl sein sollten."

Aus dem Pop-Star wird Yusuf Islam

Cat Stevens, 1972
Cat Stevens, 1972

Cat Stevens am Anfang, eine Teenager-Sensation, begabt wie nur wenige. Mit 18 Jahren hat er seinen ersten Hit, mit 19 erkrankt er schwer an Tuberkulose. Ein Jahr lang ans Bett gefesselt schreibt er über 40 Songs. Als er auf die Bühne zurückkehrt, trägt er einen Vollbart und singt hypnotisierende Hymnen, wie "Morning Has Broken" oder "Peace Train", über den Friedenszug, auf den alle aufspringen sollen zur Reise in eine bessere Welt.

Er will die Welt nicht nur zu einem besseren Ort machen, er will sie auch verstehen. Wie in seinen Liedern ist er auf der Suche nach einem Sinn und nach einer Religion, die ihm dabei hilft. Antworten findet er weder in der Bibel noch in Tarot-Karten oder im Buddhismus.

"Man findet keine Wahrheit, wenn man die Dinge nur von einer Seite betrachtet"

Cat Stevens bei einem Konzert mit dem Chor einer Koranschule in Sarajevo, 1997
Cat Stevens bei einem Konzert mit dem Chor einer Koranschule in Sarajevo, 1997

Erst ein Koran, aus der Hand seines Bruders eröffnet ihm eine neue Lebensperspektive. 1978, mit 29 Jahren, beendet er überraschend seine Musikerkarriere. Aus Cat Stevens wird Yusuf Islam. Seine Verwandlung zum Moslem wird von vielen mit Skepsis betrachtet  – bis heute: "Es ist ein großer Fehler, wenn du über etwas urteilst, dass du eigentlich nur vom Hörensagen kennst, aber nicht wirklich verstehst. Man findet keine Wahrheit, wenn man die Dinge nur von einer Seite betrachtet. Der Song 'Don’t Blame Them' – 'Beschuldige sie nicht' ist für mich der wichtigste auf dem neuen Album. Er handelt davon, dass jeder etwas mehr auf sich selbst schauen sollte, als die Schuld nur bei anderen zu suchen."

Cat Stevens nach dem Tsunami von 2005 in Banda Aceh, Indonesien, wo er um mehr Hilfen wirbt.
Cat Stevens nach dem Tsunami von 2005 in Banda Aceh, Indonesien, wo er um mehr Hilfen wirbt.

Yusuf versteigert damals seine Gitarren, heiratet, zeugt sechs Kinder gründet drei  islamische Schulen in London. In den Neunzigern engagiert er sich für Hilfsprojekte unter dem Dach der Vereinten Nationen. Getroffen vom Ansehensverlust seiner Religion durch die Terroranschläge wird er zum Großspender für deren Opfer. Und er verteidigt sie gegen den Wahnsinn ihrer "heiligen Krieger". 

"Vieles, was wir heute am Islam sehen, ist ein extrem vergrößerter Ausschnitt eines Bruchteils dessen, was der Islam ist. Das hat dazu geführt, dass man den Islam sehr argwöhnisch betrachtet und fast jeder, sobald er eine verschleierte Person sieht, denkt:  Oh, sollte ich da jetzt lieber aufpassen? Schauen wir doch, wer unter den Opfern der Terroranschläge war: Viele darunter waren Muslime. Menschen, die so etwas tun, sind verrückt. Sie verzerren die Prinzipien des Islam."

"Ich kann ein Brückenbauer sein kann"

Cat Stevens heute
Cat Stevens heute

Sein neues Album wäre ein guter Anlass, um über sein neues Album zu reden. Doch obwohl er seit 2006, nach fast drei Jahrzehnten Abstinenz, wieder Musik macht, wird er vor allem und immer wieder zu seiner Religion befragt. Er hat sich die Rolle nicht ausgesucht, aber er hat sie angenommen: ein Mittler zu sein.

"Ich habe gemerkt, dass ich eine Art Brückenbauer sein kann – zwischen dem Westen und dem Islam. Dabei meine ich die Mitte des Islams, in der eine ganze Menge Muslime leben. Ich habe den Song 'Peace Train' geschrieben. Alles, was ich fühle und denke, steckt in diesem Lied. Es steht noch immer für eines meiner größten Ziele."

"The Laughing Apple" – Der warme Sound der Sechziger

"The Laughing Apple" ist jetzt erschienen
"The Laughing Apple" ist jetzt erschienen

"See What Love Did To Me" singt Yusuf / Cat Stevens heute. Irgendwann hat er herausgefunden, dass der Eine ohne den Anderen nicht auskommt. Der Schrägstrich ist sozusagen sein persönliches Bindeglied zwischen Orient und Okzident. Inzwischen ist Großvater von acht Enkeln.

Und sein neues Album klingt so, als hätte er es für sie gemacht. Er muss sich nicht noch einmal neu erfinden. Wie all die alten Helden der Popmusik muss er etwas Neues produzieren, damit man sich wieder an die alten Songs erinnert. Das ist ihm gelungen.

Autor: Lutz Pehnert

CD-Tipp
"The Laughing Apple"
Universal Music

Stellungnahme der Redaktion
Zu den Nutzerkommentaren bzgl. der Äußerungen von Yusuf Islam/Cat Stevens zu Salman Rushdie nimmt die ttt-Redaktion des MDR wie folgt Stellung:

Dass es die Äußerungen von Yusuf Islam/Cat Stevens 1989 in einer englischen Fernsehtalkshow gegeben hat, in der er sich zu der von Ajatollah Chomeini verhängten Fatwa über Salman Rushdie äußerte, und damit umgehend in die Schlagzeilen geriet, wie zuerst in der englischen "Sun", die titelte "Cat sagt: Tötet Rushdie!“, ist richtig. 
Genauso richtig ist, dass Yusuf Islam/Cat Stevens diese Äußerungen umgehend widerrief und in all den Jahren danach, in denen er immer wieder darauf angesprochen wurde, sich ebenfalls davon distanzierte und erklärte, wie in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" am 28.05.2004: "Ich habe die Fatwa nie unterstützt. Nie!"
Als "ttt" vor sechs Jahren über das Comeback von Yusuf Islam als Cat Stevens mit dem Album "Roadsinger" berichtete, wurde dieser Vorfall ebenfalls thematisiert und zugleich auf seine Rolle als Mittler zwischen Islam und westlicher Welt hingewiesen – die vielleicht nie ganz widerspruchsfrei sein kann. 
In unserem aktuellen "ttt"-Beitrag ging es zu allererst um sein neues Album. Da Yusuf/Cat Stevens aber nun dieser prominente Vertreter und auch Fürsprecher seiner Religion ist, haben wir diese Rolle natürlich auch thematisiert. Dabei ging es uns nicht darum, das Für und Wider der Aussagen von 1989 noch einmal zu behandeln, sondern angesichts der Terroranschläge, auch in seiner Heimatstadt London, seine heutige Haltung zum Islam und zu dem Wahnsinn, der im Namen des Islam geschieht, zu erfahren.
Dazu hat er sich geäußert. Wir haben ihn bei unserem Besuch in London nicht als einen radikalen Scharfmacher oder irgendwie gearteten Fundamentalisten erlebt.

 

Stand: 19.09.2017 14:00 Uhr

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