SENDETERMIN Mo, 14.03.16 | 00:00 Uhr | Das Erste

Mitten in Deutschland: NSU

Playttt
Das Filmprojekt der ARD zur Anschlagsserie des NSU | Video verfügbar bis 13.03.2017

Mit drei Spielfilmen und einer Dokumentation macht Das Erste nachvollziehbar wie es zu der beispiellosen Anschlagsserie des NSU kommen konnte. Der erste Film zeigt die Radikalisierung der Täter, der zweite die Leiden der Opfer, der dritte die Sicht der Ermittler. Die Dokumentation "Der NSU-Komplex" rekonstruiert das Versagen der Ermittlungsbehörden. "ttt" stellt das ambitionierte, außergewöhnliche Projekt vor.

Ermittler sehen den rechten Terror nicht

Mehrere Personen an einem Tisch
Szene aus "Der NSU-Komplex"

Es ist auch heute noch unfassbar: Rechtsradikale Mörder ziehen jahrelang unerkannt durch Deutschland und bringen zehn Menschen um. Und die Behörden suchen die Schuld bei den Opfern. Es zerreißt einem das Herz. Regisseur Züli Aladag zeigt in seinem Film "Die Opfer – Vergesst mich nicht" eindrucksvoll, was die Familien der Opfer durchmachen mussten. Zehn Menschen mussten sterben, weil die Ermittler das Offensichtliche nicht sehen wollten: Dass es in Deutschland mörderischen rechten Terror gibt.

Gefährliche Grundüberzeugungen

Stefan Aust
Stefan Aust

"Diese Art von Terrorismus hat ja immer damit zu tun, und dass ist das Schreckliche, dass es eine ziemlich große Massenbewegung gibt von Leuten, die diese politische Grundüberzeugung teilen", sagt Stefan Aust, der als Autor die Dokumentation "Der NSU-Komplex – Die Rekonstruktion einer beispiellosen Jagd" erarbeitet hat. "Das ist damals Anfang der Neunziger Jahre in Deutschland so gewesen. Das ist jetzt auch wieder ganz ähnlich."

Politische Radikalisierung im Plattenbauviertel

Plattenbauviertel Winzlera in Jena
Das Plattenbauviertel Winzlera in Jena

Nach der Wende eskaliert die Gewalt gegen Flüchtlinge, in Rostock-Lichtenhagen, Solingen, Hoyerswerda. Neo-Nazis aus dem Westen bauen gezielt im Osten rechtsradikale Netzwerke auf. In Jena-Winzerla fangen Jugendliche wie Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an, sich politisch zu radikalisieren. Sie schmieren Hakenkreuze, schlagen Menschen zusammen, legen Bombenattrappen. Hass und Gewalt finden sie geil.

Eine Generation, die allein gelassen wurde

Christian Schwochow
Christian Schwochow

"Ich glaube, man kann die Geschichte von Beate Zschäpe und dem NSU nicht ohne die Wende erzählen", sagt Christian Schwochow, Regisseur des Filmes "Die Täter – Heute ist nicht alle Tage". "Beate Zschäpe war zum Zeitpunkt des Mauerfalls 14 Jahre alt. Und ich habe das Gefühl, dass das eine Generation war, die irgendwie ganz allein gelassen wurde. Die mussten mit unglaublich vielen Schwierigkeiten kämpfen. Alles wurde neu bewertet. Und um die hat sich nicht so richtig jemand gekümmert."

Wie entsteht eine Terror-Gemeinschaft?

Polizei-Fotos von Uwe Mundlos
Uwe Mundlos wurde in den 1990er Jahren mehrfach von der Thüringer Polizei fotografiert und erkennungsdienstlich behandelt.

Plötzlich gibt es alles. Plötzlich ist alles möglich. Christian Schwochow gelingt in seinem Film die Gratwanderung, die späteren Terroristen als Menschen ernst zu nehmen. "Mich ärgert diese Haltung: Das hat alles nichts mit mir zu tun, das sind irgendwelche Durchgeknallte, die Amok gelaufen sind", sagt Schwochow. "Ich glaube nicht, dass das so war. Sondern ich habe den Film gemacht, um zu verstehen und irgendwie sinnlich erfahrbar zu machen wie funktioniert so eine Dynamik in der Gruppe, wie entsteht so eine Gemeinschaft, wie entsteht eine Ersatzfamilie. Wie entsteht ein Rausch."

Brennende Flüchtlingsheime

Szene aus "Der NSU-Komplex"
Szene aus "Der NSU-Komplex"

Diese Filme machen nachdrücklich klar, dass es eine Verbindung gibt zwischen dem Terror des NSU damals und dem Entstehen der Neuen Rechten heute. "Ich glaube, dass die Gefahr keinesfalls geringer ist als Anfang der Neunziger Jahre", sagt Stefan Aust. "Diese Gruppierungen sind wirklich militant, gefährlich, die stecken Flüchtlingsheime an. Allein im letzten Jahr gab es 900 Anschläge auf Flüchtlingsheime. Das ist eine wahnwitzig große Zahl."

Wie Menschen zu Mördern werden

Mitten aus dem Leben gerissen. Willkürlich hingerichtet. Es sind die Opfer, die uns zeigen, wie es um Deutschland steht. Heute wissen wir, dass es ein großes Umfeld gab, das die Ideologie der Täter teilte. Dieses Umfeld gibt es heute noch. Die Filme des ARD-Schwerpunkts zeigen eindrucksvoll, wie diese Ideologie aus Menschen Mörder macht.

(Autor: Joachim Gaertner)

SENDETERMINE

"Die Täter – Heute ist nicht alle Tage"
Mi, 30.03.16 | 20:15 Uhr Das Erste

"Die Opfer - Vergesst mich nicht"
Mo, 04.04.16 | 20:15 Uhr | Das Erste

"Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch"
Mi, 06.04.16 | 20:15 Uhr | Das Erste

"Der NSU-Komplex – Die Jagd auf die Terroristen"
Mi, 06.04.16 | 21:45 Uhr | Das Erste

Stand: 14.03.2016 08:13 Uhr

Sendetermin

Mo, 14.03.16 | 00:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Bayerischen Rundfunk produziert.