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Bildunterschrift:
Blick auf Venedig
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Venedig gilt noch immer als die schönste Stadt der Welt: Traum der Verliebten, Pflichtprogramm der Kulturbeflissenen, Sehnsuchtsziel des internationalen Tourismus. Doch es gibt ein groteskes Missverhältnis zwischen der Einmaligkeit der Lagunenstadt und dem Massentourismus. Während jährlich 20 Millionen Touristen in Venedig einfallen, sinkt die Zahl der Einwohner rapide: derzeit sind es nur noch 58.000 - so viele wie zur Zeit der großen Pest. Die Stadt wird zu einem gespenstischen Disneyland und die städtische Infrastruktur zerfällt: Die architektonische Substanz zerbröselt, auch unter dem Einfluss der gigantischen Kreuzfahrtschiffe, die Immobilienpreise steigen ins Unermessliche.
Der Dokumentarfilm "Das Venedig-Prinzip" von Andreas Pichler erzählt in eindrucksvollen Bildern vom drohenden Untergang der Lagunenstadt. Großartige Protagonisten kommentieren das mit Witz, Verstand und oft grimmigem Sarkasmus.
ttt hat den Regisseur Andreas Pichler in Bozen getroffen und mit ihm über sein Venedig-Requiem gesprochen, das am 6. Dezember in die deutschen Kinos kommt.
Bericht: Rudolf Schmitz
Text des Beitrags:
Venedig ist immer noch die schönste Stadt der Welt. Doch irgendwas läuft hier gewaltig schief. Massentourismus. Jeden Tag strömen 60.000 Menschen in die Stadt. So viele, wie Venedig Einwohner hat. Verglichen damit ist das jährliche Hochwasser fast schon eine Lappalie.
Giorgio Gross: „Wo wollt Ihr nur alle pinkeln? Ihr lasst den Pegel steigen und statt Hochwasser haben wir dann Hochpisse“.Böser Sarkasmus. Einwohner, wie der alte Gondoliere Giorgio Gross kennen ihr Venedig nicht wieder: „Früher kamen die Leute nach Venedig, blieben vierzehn Tage und erholten sich. Heute fliegt man schnell her, sieht sich kurz um und fährt wieder heim“.
Signora Gross: „Er war der bekannteste Gondoliere von Venedig. So berühmt, dass mich alle Mädchen beneideten“.
Venedig-Filme der fünfziger Jahre. Sie erzählen seine Geschichte: eines Gondoliere, der die Herzen der Frauen zum Schmelzen brachte.
Immobilienpreise explodieren
Doch die Zeiten haben sich geändert. Denn immer mehr Venezianer verlassen Venedig. Sie können die Mieten nicht mehr zahlen. Flavio Scaggiante – er macht Umzüge: „Noch eine Familie, die wegzieht“. Doch auch Flavio selbst muss jetzt aufs Festland ziehen. Denn die Immobilienpreise explodieren. Mindestens 10.000 Euro pro Quadratmeter, erzählt der Makler Pietro Codati. Obwohl die Bauten marode sind und zerfallen.
Pietro fühlt sich inzwischen wie ein Betrüger. Sein Beruf macht ihn ganz krank: „Ja, das ist die Wahrheit“.
Widerstand gegen den Ausverkauf
Natürlich regt sich Widerstand gegen diesen Ausverkauf einer Stadt. Auch davon erzählt der Film.
Andreas Pichler, Regisseur: „Es ist leider immer so in Italien, dass es brodelt, brodelt. Bevor der Vulkan nicht ausbricht, passiert nichts“.
Die Journalistin Tudy Sammartini. Sie ist gründlich ernüchtert: „Zum Markusplatz gehe ich nachts, um zwei, wenn es dort endlich leer ist. Sonst sind dort die Barbaren“. Wenn sie die gigantischen Kreuzfahrtschiffe sieht, kommt ihr die Galle hoch: „Die Totale Verarschung. Ein einziger Sauhaufen“.
Andreas Pichler, Regisseur : „Wenn wirklich mal das passiert, was viele Venezianer befürchten, dass mal eines der großen Schiffe wirklich in den Markusplatz rein rauscht, dann könnte sich wirklich vielleicht etwas Grundlegendes ändern“.
„Das Venedig-Prinzip“. Ein poetischer, ein illusionsloser, ein großartiger Dokumentarfilm. Der nach dem verlorenen Herzen dieser Stadt sucht.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 25.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.