SENDETERMIN So, 26.06.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Brexit, Beethoven & die Beatles

Der große britische Cellist Steven Isserlis zu Gast in Deutschland

PlaySteven Isserlis
Der große britische Cellist Steven Isserlis in Deutschland | Video verfügbar bis 26.06.2021

Er hat das komische Talent eines Clowns und die Haarpracht eines Rockstars. Außerdem ist er ein Weltklasse-Solist sogenannter "ernster" Musik: der britische Cellist Steven Isserlis. Zwischen zwei Auftritten im Berliner Konzerthaus ist er unterwegs mit seinem Stradivari-Cello. Acht Kilogramm Dauergewicht: "Die einzigen Muskeln, die bei mir wirklich trainiert sind: meine Cello-Tragemuskeln! Ich habe das Cello gern nah bei mir. Im Hotel steht es dort, wo ich schlafe."

Isserlis und das Cello – eine geniale Verbindung. Zurzeit spielt Steven Isserlis in Deutschland. Hier hat er berühmte Verwandte: Den Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy zum Beispiel. Und dann gibt es da noch einen Promi in seiner Familie: Karl Marx! Wirkt sich das aus? "Ich sehe mich als linken Musiker: ich bin im Orchester sehr für den Dialog zwischen gleichberechtigten Stimmen. Vielleicht ist das die Karl-Marx-Seite meiner Familie?"

Robert Schumann ist Isserlis’ Held

Schumanns Cellokonzert in "a-moll" – gerade hat es Isserlis mit dem Berliner Konzerthausorchester gespielt. Robert Schumann ist Isserlis’ Held: "Seine Musik bringt uns an Orte, an die uns keine andere Musik bringt. Er träumt in Musik." Robert Schumann war ein tragischer Romantiker, Überflieger und Jahrhundertgenie. Sein 1850 geschriebenes Cellokonzert wurde zu Lebzeiten nie aufgeführt – Schumann versank am Ende seines Lebens im Wahnsinn. Isserlis spürt Schumanns Abgründen nach: "Kurz bevor er in die geschlossene Anstalt kam, wachte er nachts auf, konnte nicht schlafen. Er überarbeitete die Partitur des Cellokonzerts, er wollte seine Dämonen loswerden – aber die Dämonen sind da: in diesen aggressiven Triolen. Die Musik spiegelt diese Krise, und dann fehlt das Cello: fleht darum, zum Traum, zur Liebe zurück zu kehren."

"Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf"

Steven Isserlis ist ein begnadeter Musiker und ein begnadeter Erzähler. In seinen Meisterkursen in Salzburg oder Prussia Cove inspiriert er junge Musiker. Und: um die Klassik auch den Kleinsten schmackhaft zu machen hat er Kinderbücher geschrieben. Mit Fragen wie "Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf" lockt er sie zur Musik. Sein neuestes Buch folgt seinem "Helden" Robert Schumann: Dessen Ratschläge für junge Musiker möchte Isserlis auf allen Wegen nahe bringen: "Ich arbeite wie ein Schauspieler. Versuche, die Rolle, die für das Cello in den Noten steht, anzunehmen. Warum hat Schumann das geschrieben, warum Beethoven jenes? Man muss sich in ihre Köpfe reindenken, eine Rolle spielen."

Steven Isserlis: Zum Schluss spielt der Brite für uns dann noch Bach. Nachdenklich und verstimmt ist er. Weil er nun gegen seinen Willen aus der EU austreten soll: "Total idiotisch, die EU zu verlassen! Gewonnen haben nun alte Rassisten, die mit ihren Vorurteilen das Leben der jungen Generation Großbritanniens ruinieren!"

Bericht: Brigitte Kleine

Stand: 27.06.2016 09:30 Uhr

6 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird sobald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

So, 26.06.16 | 23:05 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Hessischen Rundfunk produziert.