SENDETERMIN So, 31.01.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Der Kampf der Suffragetten

Als Frauen für ihre Rechte in den Untergrund gingen

Plakat zum Kinofilm "Suffragette"
Starbesetzung mit Helena Bonham Carter, Carey Mulligan und Meryl Streep (l.-r.)

Noch ist sie unpolitisch, tut, was man ihr sagt: Maud, eine junge Wäscherin in London. Doch dann geschieht etwas, was ihr Leben für immer verändern wird. Maude gerät mitten in den Aufstand derjenigen Frauen, die in England für ihre Rechte kämpfen. Die Sufragetten werfen Steine in Schaufenster und fordern lautstark ihr Wahlrecht ein. "Maude ist schockiert von der Gewalt", sagt Regisseurin Sarah Gavron über die Protagonistin ihres Films 'Suffragette'. " Und das zu Recht: Die Suffragetten verübten ja sogar Bomben-Anschläge."

"Es war an der Zeit, diese Frauen wieder auferstehen zu lassen"

Sechs Jahre lang hat Gavron für ihr Drama über die Frauenrechtlerinnen recherchiert. Sie hat unveröffentlichte Dokumente, Briefe und Tagebücher gelesen, mit Angehörigen gesprochen, Fotos und Filme gesichtet. "Darüber hatte bisher noch niemand einen Film gemacht, dabei scheint es die wichtigste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts gewesen zu sein", so Gavron. "Es war an der Zeit, diese Frauen wieder auferstehen zu lassen, die den Lauf der Geschichte geändert haben. Und ich merkte, es gibt so viele Ereignisse und Themen in dem Film, die bis heute aktuell sind."

Maud, gespielt von Carey Mulligan, schuftet seit ihrer frühen Kindheit für einen Hungerlohn. Dann bekommt sie die Chance im Parlament von ihren Arbeitsbedingungen zu berichten. Im Film schildert sie, wie sie sich als Wäscherin tagtäglich die Finger quetscht, die Haut verbrennt und Kopfschmerzen von den Chemikalien bekommt – für eine Bezahlung von 13 Schilling pro Woche, während Männer 19 Schilling für die gleiche Arbeit verdienen.

Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit

Ihre Geschichte basiere auf einer wahren historischen Begebenheit, betont die Regisseurin. Die Arbeiterinnen zogen damals vor das Parlament in der Hoffnung, das Gesetz würde geändert, um ihnen das Wahlrecht zu ermöglichen.

Anstatt Ihnen Rechte zu gewähren, spionierte die britische Regierung die Arbeiterinnen aus – in einer groß angelegten Überwachungsaktion. Die Recherche habe ihr die Augen geöffnet, erzählt Gavron, und ihr gezeigt, durch welche Extremsituationen die Sufragetten damals gegangen seien. "Kaum jemand weiß, dass sie im Hungerstreik waren, zwangsernährt wurden", so die Filmemacherin. "Dass sie ihre Arbeit, ihr zu Hause und ihre Familien  verloren haben. Dass sie großer Brutalität durch die Polizei ausgesetzt waren – für mich das Schockierendste überhaupt."

Jahrzehnte lang blieb der Protest der Suffragetten für das Frauenwahlrecht friedlich. Dann radikalisierte sich die Bewegung, Emmeline Pankhurst wurde zur ihrer charismatische Anführerin. Sarah Gavron sieht in Pankhurst eine Heldin, eine Frau, die sich nicht an Konventionen gehalten habe, die keine Angst hatte und viele Jahre kämpfte, um den Status Quo zu verändern.

Der Kampf zahlt sich aus

Schließlich, im Jahr 1928, zahlt sich der lange Kampf der Suffragetten endlich aus: Allen Engländerinnen wird das allgemeine Wahlrecht zugesprochen. Die Gleichberechtigung der Frauen ist ein zentrales Thema bei Sarah Gavron. Selbst in der westlichen Gesellschaft hält sie die Rechte der Frauen noch für zerbrechlich – in anderen Teilen der Welt für quasi nicht existent. "In Saudi Arabien dürfen Frauen gerade erst an Wahlen teilnehmen. Aber sie dürfen nicht selbst mit dem Auto zur Wahl fahren und es ist der Mann, der entscheidet wen sie wählen. Sie sind also eigentlich machtlos. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns im Kampf um die Gleichberechtigung. "

Sarah Gavron hat mit "Sufragette" den historischen Frauenrechtlerinnen ein überzeugendes filmisches Denkmal gesetzt und erinnert daran, dass Frauenrechte weltweit längst noch keine Selbstverständlichkeit sind.

Autorin: Carola Wittrock

"Suffragette. Taten statt Worte" (GB 2015)
Regie: Sarah Gavron
Mit: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff, Meryl Streep, Ben Whishaw, Romola Garai u.a.
Länge: 106 Minuten
Kinostart am 4. Februar 2016

Stand: 03.02.2016 14:37 Uhr

Sendetermin

So, 31.01.16 | 23:05 Uhr
Das Erste