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Seit fünf Monaten hält sich Julian Assange in Ecuadors Botschaft in London auf.
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Wir sind auf dem Weg zu Amerikas Staatsfeind. 24 Stunden am Tag wird er überwacht - in der ecuadorianischen Botschaft in London. Seine Freiheit endet exakt an der Eingangstür der Botschaft. Für ein exklusives Interview dürfen wir rein. Wir werden mit ihm nicht über sein Schicksal sprechen, sondern über unsere Freiheit, unsere Demokratie. Denn gerade hat Julian Assange mit drei Internetaktivisten ein Buch geschrieben. Ihr Urteil: Die Macht geht nicht mehr vom Volke aus, das Internet hat sich in eine riesige Überwachungsmaschine verwandelt.
Info-Box: "Cypherpunks - Freedom and the Future of the Internet"
Julian Assange mit Jacob Appelbaum, Andy Müller-Maguhn und Jérémie Zimmermann
OR Books, November 2012
ISBN: 978-1-939293-00-8
Assange und seine Mitstreiter diskutieren anhand vieler Beispiele und publik gewordener Skandale, wie die digitale Überwachung von der Ausnahme zur Regel wurde.
Noch nie war es so leicht, ein gesamtes Volk zu überwachen. Die Branche, die sich auf diskret gehaltenen Messen trifft, boomt. Hochrechnungen zufolge lassen sich für schlappe 30 Millionen Euro sämtliche deutsche Telefongespräche eines Jahres speichern. Also jedes gesprochene Wort.
In Werbebroschüren spricht die Branche Klartext. Eine Firma wirbt offen für ihr Produkt: "Identifiziert werden" können damit "politische Oppositionelle". Kein bloßes Werbeversprechen. In Ägypten schnüffelte der Staat seiner Opposition im Netz hinterher. Bürger stürmen die Zentrale der ägyptischen Staatssicherheit und finden dieses Angebot einer Überwachungsfirma: "Installation, Schulung und zwei Jahre Wartung für 287.137 Euro". Technik, die auch in Syrien Macht verleiht. Hier schaltete Assad diese Woche das Internet ab.
Auch wir hinterlassen überall Spuren: Zahlungsverkehr, Emails, Internettelefonie. Assange warnt vor großen Playern wie Google, Apple oder Facebook. Unsere Daten seien längst nicht mehr nur das Kapital solcher privaten Firmen. Auch Regierungen bedienen sich.
Für Assange steht fest: Der Staat verschleiert oft seine Daten-Interessen vor dem Bürger. Neue Bestimmungen werden mit ganz großen Zielen gerechtfertigt, denen jeder zustimmen kann: dem Kampf gegen Terror oder Kriminalität:
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Bildunterschrift:
In seinem Buch "Cypherpunks" warnt Julian Assange vor der staatlichen Überwachung im Internet.
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Assange sieht nur einen Weg: Wenn man schon das Datensammeln von Wirtschaft und Staat nicht verhindern kann, muss man seine eigenen Datenspuren eben verwischen. Das Ziel: anonymes Surfen durch Kryptografie, Verschlüsselung. Dafür gibt es schon jetzt viele kostenlose Anbieter im Netz.
Viele von Assanges Antworten sind radikal, sicher auch wegen seiner radikalen Lebensgeschichte. Aber er stellt die richtige Frage: Kontrolliert eigentlich noch irgendjemand da draußen die Kontrolleure?
(Beitrag: Jasmin Klofta und Florian Müller)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 02.12.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.