SENDETERMIN So, 24.09.17 | 23:10 Uhr | Das Erste

Mit Weltschmerz zum Erfolg – Zum Tod von Soul-Star Charles Bradley

Charles Bradley
Nach einer schweren Krebserkrankung ist der US-amerikanische Sänger Charles Bradley im Alter von 68 Jahren gestorben.

Ein Mann, der die ganze Welt umarmen will. Ein Leben, das von Obdachlosigkeit, Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA erzählt. Eine Stimme, die den ganzen Schmerz herausschreit. Eine Karriere, die unglaublich ist: vom James Brown-Imitator zum späten Weltruhm mit Mitte sechzig. Jetzt ist Charles Bradley gestorben - und wird nie wieder sein Publikum persönlich umarmen, was er bei jedem seiner Konzerte wirklich tat.

Liebe war seine Botschaft

Liebe war seine Botschaft, Liebe war sein Auftrag, Liebe war sein Motor. Klingt kitschig, war es aber nicht. Nicht bei ihm: Charles Bradley. "Ich liebe die Menschen. Ich kann es nicht lassen. Ich kann mich auch nicht mehr ändern, in meinem Alter. Und wenn ich sehe, dass die Menschen lieben, was ich tue, versuche ich, mich intensiv darauf einzulassen, weil ich diese Liebe spüre", sagte er einmal. Und genau davon sang er auch: "I try to be a righteous man, to get love all over the world."

Bradley forderte das Ende der Diskriminierung Schwarzer

Bradley war ein Phänomen: positiv und warmherzig, nicht verbittert oder menschenfeindlich – und das bei so einer Biografie: Er wuchs in prekären Verhältnissen auf, bei den Großeltern. Die Mutter lernte er erst spät, den Vater nie kennen. Er schlug sich ein Leben lang durch – auf der Straße, dann als Koch. In seiner Kindheit gab es noch die Rassentrennung. Und seitdem hat sich in den USA nicht viel getan, sagte er. Er war politisch und forderte das Ende der Diskriminierung.

"Ich war immer ein Einzelgänger. Schon mit 14.", erzählte er 2016 im Interview. "Ich war obdachlos und habe mir zum Schlafen einen Platz ganz für mich, in den Büschen gesucht. Damals schon wurde ich als Schwarzer regelmäßig von der Polizei kontrolliert und schikaniert. Zum Beispiel in der U-Bahn."

Was er besang, hatte er selbst erlebt

Warum ist es so schwer, es in den USA zu schaffen? Was er besang, hatte er alles selbst erlebt. Einsamkeit, Verlust, Trauer. Authentische Selbstentblößung. "Ich will, dass die Welt weiß, wer ich bin und wie ich bin. Ich habe die Liebe gewählt. Mein Glaube an ein Leben nach dem Tod hat mich nicht aufgeben lassen. Denn ich war in der Hölle. Ich habe so viel gesehen, wenn ich Ihnen erzählen würde, was dieser Körper alles durchmachen musste, würden Sie sagen, ich müsste tot sein. Aber ich halte durch."

Mit 68 an Krebs gestorben

Bis gestern, da ist der Schmerzensmann des Soul an Krebs gestorben. Mit 68. Seine Geschichte ist auch eine von Ausdauer und Zuversicht. Er war schon 62, als sein erstes Album erschien. Damals wohnte er in einer schäbigen Sozialwohnung und pflegte seine Mutter, die er erst spät wiedergefunden hatte. "Könnte ich doch die Zeit zurückdrehen", sang Bradley.

"Wenn du singst, dann sing aus vollem Herzen, hat meine Mutter gesagt. Denn das macht die Welt schöner. Und das brauchen wir." Oh ja, seine Musik hat die Welt schöner gemacht.

(Beitrag: Natascha Geier)

Stand: 24.09.2017 18:02 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.