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Hollywoods Antwort auf Trump – Meryl Streep und Tom Hanks im Film "Die Verlegerin"

PlayMeryl Streep (r.) und Tom Hanks sitzen an einem Tisch im Restauerant. Szene aus "Die Verlegerin".
Hollywoods Antwort auf Trump – Meryl Streep und Tom Hanks im Film "Die Verlegerin" | Video verfügbar bis 04.03.2018 | Bild: Universal Pictures Germany

Es geht um die Freiheit der Presse, um die Gleichberechtigung der Frauen und um die Unabhängigkeit der Justiz. Der Spielfilm "Die Verlegerin" behandelt große Themen der heutigen USA, man kann ihn als Hollywoods Kommentar zu Trump und "Fake News" sehen. Dabei ist die Geschichte, die der Film erzählt, über 45 Jahre alt.

Whistleblower spielt "Pentagon Papers" an die Presse

1971 gibt ein Whistleblower eine geheime Studie des Verteidigungsministeriums an die Presse, die sogenannten Pentagon Papers. Sie belegen, dass die Strategie der US-Regierung im Vietnam-Krieg gescheitert, der Krieg dort ein totales Desaster ist und die Bevölkerung systematisch darüber belogen wird. Verlegerin Katherine Graham, im Film gespielt von der wunderbaren Meryl Streep, muss entscheiden, ob ihre Washington Post Teile der Papiere veröffentlicht. Obwohl sie befürchten muss, wegen Geheimnisverrat vor Gericht zu landen.

"Das war ein heikler Moment in der amerikanischen Geschichte", sagt Regisseur Steven Spielberg. "Die Nixon-Regierung wollte die Presse mundtot machen. Wollte mit Hilfe der Justiz verhindern, dass die Wahrheit gedruckt wird. Ich finde das extrem fesselnd und bis heute relevant – auch in Bezug auf das, was heute so geschrieben wird."

Brave Upper-Class-Lady legt sich mit Regierung an

Drucken oder nicht! Das muss die Verlegerin der Washington Post entscheiden. Nie hätte die brave Upper-Class-Lady gedacht, dass sie sich einmal mit der Regierung anlegen würde. Großgeworden als Tochter aus gutem Hause, verläuft ihr Leben erst einmal so, wie es sich für ein Mädchen damals gehört. Es war eben eine Zeit, in der man von Frauen – zumal Frauen ihres Standes -  nicht besonders viel erwartete. Sie waren da, um Ehemann und Kinder glücklich zu machen, das war's.

"Es war eben eine Zeit, in der man von Frauen – zumal Frauen ihres Standes – nicht besonders viel erwartete. Sie waren da, um Ehemann und Kinder glücklich zu machen, das war's", sagt Hauptdarstellerin Meryl Streep.

"Die Verlegerin" ist auch eine Emanzipationsgeschichte

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ist sie von einem Tag auf den anderen Chefin einer Zeitung. Ausgerechnet jetzt wird der Börsengang vorbereitet, sie steht unter Druck. Meryl Streep spielt diese Frau zum Niederknien.

Das sei auch eine große Emanzipationsgeschichte, sagt Spielberg. "Darüber, wie eine Frau ihre eigene Stimme findet. Sie war der Boss, aber ihre männlichen Angestellten haben anfangs durch sie hindurch gesehen zu den Männern auf der anderen Seite des Tisches. Sie war quasi unsichtbar. Und ich finde, auch das ist heute noch relevant."

Die Presse als vierte Gewalt im Staat

Sie druckt trotzdem. Obwohl ein Gericht der New York Times, die zuerst Auszüge veröffentlichte, genau das verboten hatte. Nun bringt die Post die "Pentagon Papers", und große US-Zeitungen ziehen solidarisch nach. Nixon tobt. Und auch heute tut sich im Weißen Haus wieder ein Präsident extrem schwer damit, die Presse als vierte Gewalt im Staate zu begreifen.

"Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht das Recht auf eigene Fakten", so Tom Hanks. "Und was die Journalisten der Post getan haben, ist, die Fakten zu recherchieren, die Wahrheit herauszufinden. Und das ist in der Regel das Letzte, woran die Mächtigen ein Interesse haben."

Presse ist nicht für die Regierung da, sondern für die Öffentlichkeit

Der vermeintliche Geheimnisverrat wird ein historischer Coup und der Anfang vom Ende der Nixon-Ära. Der Widerstand gegen den Vietnamkrieg wächst, und die Journalisten der Washington Post werden freigesprochen. Die Presse, so die Richter, sei nicht für die Regierung da, sondern um die Öffentlichkeit informieren. Ein spannender Film, genau zur rechten Zeit.

Tom Hanks: "Es steht in unserer Verfassung: Wir haben eine freie Presse!"

Meryl Streep: "Es gibt Menschen, die bestreiten, dass es belegbare Fakten gibt. Stattdessen tischen sie uns alternative Fakten auf. Es gibt also Fakten und„alternative Fakten. Suchen Sie sich einfach aus, was Ihnen besser in den Kram passt. Das ist alles gerade sehr gefährlich, denn so arbeiten Autokraten."

Steven Spielberg: "Mein Film ist eine Art Hymne auf die freie Presse. Ein Liebesgedicht an die Medien der Welt."

(Beitrag: Claudia Wallbrecht)

Kino-Tipp
Die Verlegerin
Drama mit Meryl Streep und Tom Hanks
Regie: Steven Spielberg
USA 2017
Länge: 117 Min.
FSK: 6 Jahre

Ab 22. Februar im Kino

Buch-Tipp
Die Verlegerin
Wie die Chefin der "Washington Post" Amerika veränderte
Von Katharine Graham
Rowohlt (22.02.2018)
ISBN: 978-3-644-40543-1
Preis: 14,99 Euro

Stand: 11.02.2018 20:55 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
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