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Das Ende der Redefreiheit? - Die Dokumentation "Free Speech, Fear Free"

Das Ende der Redefreiheit? - Die Dokumentation "Free Speech, Fear Free" | Video verfügbar bis 01.07.2018

Tarquin  Rampsey gehört zu einer Generation, die mit Terror und immer mehr Sicherheitsgesetzen groß geworden ist. Mit gerade einmal 15 fragte er sich: Was bedeutet heute Meinungsfreiheit? Darf man im Westen wirklich noch alles sagen? Naiv, mutig und neugierig hat er über fünf Jahre lang einen Film gemacht: "Free Speech, Fear Free". Er beschäftigt sich mit dem tatsächlichen Status Quo der Redefreiheit im Hinblick auf NSA-Überwachung, neue Gesetzgebungen und den unterschiedlichen nationalen Standards zu Privatsphäre-Einstellungen im Netz. In Gesprächen mit Hackern, Aktivisten und Kritikern zeigt er, dass die Redefreiheit auch in demokratischen Ländern immer häufiger in Gefahr ist - nicht nur für Whistleblower, sondern für jeden von uns. Seine größte Leistung: Er hat es selbst bis zu Julian Assange geschafft, der abgeschottet im Botschaftsasyl lebt.

Assange über die Meinungsfreiheit:

»Die Meinungsfreiheit ist in Demokratien das fundamentale Grundrecht, das hinter allem steht: Hinter jeder gesellschaftlichen Struktur, jeder Idee, jedem Gesetz, jeder Verfassung. Zerstört man diese Grundlage, zerstört man auch alles andere.«

Als CIA-Agent hatte John Kiriakou das geheime Folterprogramm des Geheimdienstes öffentlich gemacht, saß dafür im Gefängnis. Dann Hausarrest, tägliche Überwachung. Auch mit ihn konnte Tarquin Ramsay sprechen.

Jack Kiriakou, ehemaliger CIA-Agent und Whistleblower

»Die Menschen glauben tatsächlich noch an die Wahrung ihrer Grundrechte – aber nur, weil sie noch nichts gesagt haben, was ihrer Regierung missfällt.«

Droht ein Zeitalter der Überwachung?

Nicht nur Whistleblower werden observiert. Sondern auch einfache Teenager, die mit ihnen sprechen. Rampsey hatte das Gefühl, dass er während seiner Recherche am Bahnhof in London von einem Mann verfolgt wurde. Tarquin befürchtet: im Namen der Sicherheit wird unsere Freiheit insgesamt einschränkt. In Großbritannien können die Behörden schon die Kommunikation von jedem Einzelnen ein Jahr lang speichern. In ganz Europa wird der Datenschutz ausgehöhlt - es drohe ein Zeitalter der Überwachung, glaubt eine Vertraute von Edward Snowden.

Sarah Harrison, Britische Journalistin im Exil:

»Jede Google-Suche kann überwacht werden. Nehmen wir an, Ihr Kind macht ein Schulprojekt über Muslime. Von Ihrer IP-Adresse laufen viele Google-Suchen, die man als Interesse an Terrorismus interpretieren könnte. Und plötzlich werden Sie zu einer Zielperson.«

Wenn man weiß, dass man beobachtet wird, ist man einfach vorsichtiger. Man sagt dann nicht alles, was man möchte. Es ist wie eine Schere im Kopf. Klingt abstrakt, nach Verschwörungstheorie. Aber wer jetzt aufwächst, für den können diese Scheren längst Realität sein, das zeigt "Free Speech" eindrücklich. Für die junge Generation geht das Selbstverständliche verloren: die freie Meinungsäußerung. Es könnte ja etwas Verdächtiges dabei sein.

(Beitrag: Maryam Bonakdar)

Stand: 22.05.2017 13:14 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.