SENDETERMIN So, 25.09.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Zwischen Techno und Gefängnis – Der Dokumentarfilm "Raving Iran"

Junge Menschen liegen mit Musikequipment in der Wüste.
Der Film "Raving Iran" kommt am 29. September ins Kino.

Sie sind die Stars der Techno-Szene in Teheran. Wenn Anoosh und Arash illegal auflegen, rebellieren sie für einen Moment gegen das repressive System, in dem bereits das Hören westlicher Musik zu Gefängnis und drakonischen Strafen führen kann. Der Preis für die Raves ist hoch: Ständig können die beiden entdeckt, die geheimen Partys von der Polizei gesprengt werden, auch wenn sie fernab von allem in der Wüste stattfinden. Und so stellt sich für die beiden DJs immer dringlicher die Frage, wie man in einem Land überleben, seiner Leidenschaft nachgehen und überhaupt sich entfalten kann, wenn alles streng überwacht wird.

Bleiben oder gehen? Und wie sähe das Gehen überhaupt aus? Der Dokumentarfilm "Raving Iran" begleitet Anoosh und Arash durch ihren Alltag im Iran, zeigt die Restriktionen und ständigen Kontrollen – und wie sie umgangen werden können. Selten hat man so einen dichten, authentischen Blick auf das tägliche Leben in der islamischen Republik bekommen.

Filmen mit versteckter Kamera

Zwei junge Männer stehen am Rande einer Stadt.
Anoosh und Arash machen House-Musik. Ihre ganze Szene ist im Iran illegal. Dass sie einfach nur ihr Leben leben wollen, sieht der Staat als Rebellion.

Regisseurin des Films ist Susanne Regina Meures. "Die städtische junge Generation ist durchaus sehr westlich orientiert", erzählt sie. "Sie haben sehr viele Wege gefunden, am westlichen Leben, an westlichen Medien Teil zu haben. Sie nutzen zum Beispiel VPNs. Das sind externe Server, wo sie die ganzen zensierten Webseiten umgehen können." Natürlich wurde vieles heimlich gedreht, das Material außer Landes geschmuggelt. "Die Szenen, die wir mit versteckter Kamera gedreht haben, habe ich im Grunde vorbeireitet. Aber im Endeffekt waren nur die beiden Protagonisten unterwegs. Also insbesondere die Szene im Ministerium, die haben wir minutiös vorbereitet. Weil wir nur eine Chance hatten. Wir konnten da ja nur einmal auflaufen und wirklich drehen."

Anoosh: "Wir bräuchten eine Bewilligung für Live-Auftritte."
Amtsfrau: "Die Vorschriften sind folgende: keine expliziten Darstellungen von Frauen oder andere illegale Sachen. Kein Make-Up bei Frauen. Nichts Westliches. Frauen nur im Hintergrund."
Arash: "Wie sieht es mit Gesichtsschmuck aus? Unsere Sängerin trägt Piercings."
Amtsfrau: "Sind sie noch ganz bei Trost? Da kann sie direkt zur Sittenpolizei."
Amtsmann: "Ich denke, das reicht jetzt."

Der Antrag: abgelehnt. Die Musiker brennen ihre CDs illegal. Wie verkauft man die? Sie bekommen Tipps, man hilft sich, hinter vorgehaltener Hand. "Das ist so ein Parallelleben, von dem wir nicht viel mitbekommen", erzählt die Regisseurin. "Es passiert alles hinter verschlossenen Türen, wo der Staat auch nicht hinkommen kann. Und deswegen haben sie natürlich auch in dem Sinne ihre Freiräume, die natürlich durch unsere Augen sehr limitiert sind."

"Das Problem des Staates ist die Willkür"

Heimliche Partys, ständige Gefahr. Susanne Meures hat ihre Kontakte über soziale Netzwerke gefunden, wo jeder nur mit Pseudonym verkehrt. Wie alle Beteiligten hätte sie ständig verhaftet werden können. "Ich glaube, das Problem des Staates ist die Willkür", sagt sie. "Du weißt es einfach nicht. Es kann einfach alles passieren. Vielleicht kommt die Polizei vorbei, und du gibst ihnen Geld, und sie gehen wieder. Das passiert recht häufig. Oder man landet im Gefängnis."

Arash und Anoosh entdecken ein Rave-Festival in Zürich und bewerben sich als DJs. Da wollen sie hin, da gehören sie hin. Und tatsächlich bekommen sie ein Visum für die Schweiz. "Raving Iran" zeigt ihren komplizierten, gefährlichen Weg dorthin. Inzwischen leben sie in Europa. Sie haben ihr Land verlassen, um musizieren zu können – ohne Ausssicht auf Rückkehr. Was für ein Mut, es trotzdem zu machen.

(Beitrag: Thorsten Mack)

Filmtipp
Raving Iran
Dokumentarfilm von Susanne Regina Meures
Länge: 84 Min.

Ab 29. September im Kino

Stand: 26.09.2016 09:35 Uhr

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Produktion

Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.