SENDETERMIN So, 06.12.15 | 23:35 Uhr | Das Erste

Über die Macht einer Kino-Saga – Das Phänomen "Star Wars"

Der Millenium-Falke fliegt durch Gebäudetrümmer.
Kommt am 17. Dezember ins Kino: "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht"

"Das Erwachen der Macht" ist der Untertitel der neuesten, siebten "Star Wars"-Episode. In der Tat ist "Star Wars" längst zu einer gewaltigen Macht angewachsen, einem Imperium auf dem Film- und Merchandising-Markt. Aber warum funktioniert diese Heldensaga seit beinahe 40 Jahren so gnadenlos gut beim Publikum? Liegt es nur an den Abenteuergeschichten, die raffiniert auf klassischen Mythen basieren, aber immer auch den Zeitgeist bedienen? Oder eher an der ausgeklügelten Marketing-Maschinerie und einem Universum an Merchandising-Artikeln, an dem heutzutage kein Kind mehr vorbeikommt?

Star Wars – Ein unendliches Vermarktungs-Universum

Lichtschwerter, Raumschiffe und Explosionen, niedliche Roboter und alte Helden – bei "Star Wars VII" sieht man erst einmal die üblichen Zutaten. "Mit Episode 7 kommt wirklich ein Monster", sagt Matthias Völcker, Fanforscher an der Universität Göttingen. "Das sieht man nicht nur an dem Vorverkauf, sondern auch daran, wie viele Leute sich bewusst sind, dass dieser Film kommt. Das ist nicht selbstverständlich. Diese ganze Dauerbombardierung scheint zu funktionieren."

Und überall auf den Gabentischen wird es zischen: ausgefeilte Star-Wars-Produkte wie von Lego oder als Videospiel. Ein unendliches Vermarktungs-Universum – 20 Milliarden Dollar setzte Star Wars so schon um. Mit einem Kampf von Gut gegen Böse, der selbst Philosophen inspiriert. "In einem gewissen Sinne kann man das Populärkultur nennen", sagt die Kulturjournalistin Catherine Newmark. "Aber gleichzeitig ist natürlich das, was aus Hollywood kommt, immer auch ein sehr präzises Abbild einer gewissen Mentalität, einer Geistesgeschichte, auch einer politischen Geschichte. Filme sind in dem Sinne wirklich auch ein wunderbares Material, um so etwas wie die Tiefenpsychologie einer Kultur, einer Gesellschaft, einer politischen Aktualität zu finden."

Die Saga zeigte von Anfang an menschliche Ur-Konflikte

So konnte man in Star Wars etwa "Kalten Krieg" oder "Vietnam" erkennen. Die Saga zeigte aber auch von Anfang an menschliche Ur-Konflikte. In Form der Heldenreise, ein klassisches Erzählmuster über das Erwachsenwerden. George Lucas goss schon die ersten Filme um Luke Skywalker in diese Grundform vieler Mythen: "Zum klassischen Helden, zum Halbgott gehören seltsame Umstände seiner Kindheit, vielleicht auch seiner Zeugung", sagt Linus Hauser, Theologe an der Universität Gießen. "Von einer Sklavin dann im Binsenkörbchen wie Moses ausgesetzt."

Wie Moses kennt auch Luke Skywalker seinen Vater nicht. "Und dann kommt es zum entscheidenden Kampf zum Erwachsenwerden, nämlich die Konfrontation mit dem Vater", so Hauser. Wie etwa bei Ödipus verlangt das Schicksal, den eigenen, ihm anfangs unbekannten Vater zu besiegen. "Lucas greift uralte Muster auf, und wir fühlen uns in denen geborgen, weil unsere Tradition jüdisch-christlich geprägt ist."

Star Wars – Eine Versöhnung von Technologie und Spiritualität

Klassische Heldenkämpfe, gepaart mit Sinnsuche. Star Wars ist bekanntlich keine gottlose High-Tech-Welt. Bei allem Geballer herrscht hier eine ominöse, esoterisch anmutende Urkraft: "Die Macht". Diese Macht, die jetzt wieder neu gesucht werden wird, hatte im ersten Star-Wars-Film ihre sinnstiftende Manifestation: "Die Macht ist es, die dem Jedi seine Stärke gibt", sagt Obi Wan Kenobi zu Luke. "Es ist ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen. Es umgibt uns, es durchdringt uns, es hält die Galaxis zusammen."

"Das kann man natürlich spätkapitalistische Supermarkt-Spiritualität nennen, aber man kann auch sagen: Das ist ein Phänomen, das in der Luft lag", sagt Catherine Newmark. "In dem Sinne kann man sagen, das Star Wars etwas liefert, nämlich eine Versöhnung von Technologie und Spiritualität, was eine der großen Fragen unserer Zeit ist. Also wie können wir in unserer immer technischeren Welt trotzdem noch etwas Spirituelles behalten?"

Konzept einer Macht, die nicht belehrend auftritt

Die planetenweite Fangemeinschaft liebt all diese Ingredienzien, das Konzept einer Macht, die nicht belehrend auftritt. Die Heldengeschichte mit nachvollziehbaren Gut-Böse-Strukturen. Mit über 300 Romanen, TV-Serien und den Filmen ist ein riesiges Identifizierungsuniversum entstanden, das man leben und erleben kann. "Da können Lebenskrisen drum herum sein, es können Probleme auf der Arbeit, in der Familie sein – in Star Wars haben die Fans eine Welt gefunden, die stabil ist", sagt Fanforscher Völcker. "Die sich zwar auch ständig entwickelt, aber es ist eine Welt, die ständig verfügbar ist, in die man auch eintauchen kann, und an der man teilhaben kann."

Und "Star Wars VII" soll diesen Kosmos mit Macht erweitern und natürlich auch die Gewinne erhöhen. Was die ersten Filmsternschnuppen verraten: Ein böses Imperium ist zerfallen, Chaos herrscht, wie an den Brandherden unserer Tage. Aber im Grunde sind es die Kämpfe, die leider schon immer herrschen. Man muss das alles nicht mögen – aber wenn man sich von so etwas schon überwältigen lassen will, dann bitte im Kino.

(Beitrag: Thorsten Mack)

Kino-Tipp
"Star Wars VII - Das Erwachen der Macht"
Regie: J.J. Abrams
Mit: Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Daisy Ridley, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong'o und anderen

Kinostart: 17. Dezember 2015

Stand: 07.12.2015 13:30 Uhr

Sendetermin

So, 06.12.15 | 23:35 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.