SENDETERMIN So, 26.11.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Das Leben wortwörtlich

Das Leben wortwörtlich | Video verfügbar bis 26.11.2018

Der eine ist einer der bedeutendsten und umstrittensten Schriftsteller der Bundesrepublik, der andere ein bekannter Journalist und Herausgeber: Martin Walser und Jakob Augstein. Erst 2009 wurde öffentlich, dass sie Vater und Sohn sind, es war eine Sensation. Bis dahin galt Jakob als der Sohn von Rudolf Augstein, seine Mutter ist die frühere Augstein-Ehefrau Maria Carlsson.

Eine literarische Familienzusammenführung

Erst 2005 hatten sich Walser und Jakob Augstein persönlich kennengelernt, jetzt bringen sie ein gemeinsames Gesprächsbuch heraus: "Das Leben wortwörtlich". Private Details von Vater und Sohn bleiben aber unausgesprochen.

Jakob Augstein: "Ich glaube, der Leser kann das zwischen den Zeilen finden. Wenn wir jetzt anfangen, das einfach so auszusprechen, wird es entweder zu intim oder zu juristisch oder es wird total platt. Jedenfalls wenn ich das mache. Aber vielleicht hast du da ne total tolle Lösung?"

Martin Walser: "Ich hab' eine andere Wahrnehmung, ich sage: Indiskretion ist eine Frage des Niveaus der Formulierung."

Ein gemeinsamer Blick in die Vergangenheit

Der Schriftsteller  Martin Walser erzählt von den wichtigsten Stationen seines Lebens: Die Jugend im Nationalsozialismus, die ersten Erfolge als Schriftsteller, das schwierige Verhältnis zu Marcel Reich-Ranicki und die umstrittene Rede über Auschwitz in der Frankfurter Paulskirche. Die Angriffe von damals treffen Walser noch heute.

Martin Walser: "Damit kann man nicht umgehen. Ich habe das nie begriffen. Mit meiner ganzen Veröffentlichungsgeschichte vom Auschwitz-Prozess an, meine Aufsätze und so weiter, und so weiter."

Jakob Augstein: "In seinem Fall ist es ganz besonders absurd. Ich habe das sehr gründlich verfolgt, wie Sie sich vorstellen können. Und man hat den Leuten, die über ihn da geschrieben haben angemerkt, dass sie seine Texte gar nicht kannten. Das ist schon irre. Die haben einfach 30 Jahre Beschäftigung mit diesem Thema ausgeblendet."

Dabei wollte Walser nie eine moralische Instanz sein. Ihm geht es um das Schreiben - über Liebe, Tod und Einsamkeit - und das Glückserlebnis mit Papier und Stift.  Man muss das Leben in Roman verwandeln, sonst hält man es nicht aus: Noch so ein, am Ende tröstlicher, Walser-Satz. Vier Töchter wuchsen mit ihm auf. Dass es noch Jakob gab, den Sohn, ahnte auch er nur. Und schwieg, als er’s wusste. Und so geht es am Ende auch um ihre besondere Geschichte als Vater und Sohn.

Buchtipp
Martin Walser/Jakob Augstein: Das Leben wortwörtlich
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Rowohlt
21. November 2017
ISBN: 978-3498006808
Preis: 19,95 Euro

(Beitrag: Andreas Lueg)

Stand: 26.11.2017 19:37 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.