SENDETERMIN Mo, 14.03.16 | 00:00 Uhr | Das Erste

"Panikherz"

Der neue Roman von Benjamin von Stuckrad-Barre

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Panikherz: Der neue Roman von Benjamin von Stuckrad-Barre | Video verfügbar bis 13.03.2017

Ein Überlebender. Ende des vergangenen Jahrtausends war Benjamin von Stuckrad-Barre angehender Superstar und – Drogenkonsument. Eine Art König Midas der deutschen Pop-Literatur. Das Leben ein Traum. Doch stets und ständig hörte er in seinem Kopf auch die Glocken des elterlichen Pastorenhaushalts. "Ich versuche Realität wirklich so gut es geht zu vermeiden", sagt Stuckrad-Barre. "Die Rückseite davon ist natürlich, dass man denkt: Ja und gleich kommt die Mama rein, macht das Licht an sagt: 'Also wer soll denn das hier sauber machen?' – Berechtigte Frage!"

"Von Anfang an im Rückwärtsgefecht"

Benjamin von Stuckrad-Barre
Benjamin von Stuckrad-Barre

Abgestürzt; jahrelang. Jetzt endlich, zehn Jahre danach, hat Stuckrad-Barre darüber schreiben können. War zu viel von allem. Es lief wie schlecht erfunden: Benjamin, gerade Abitur, ist Fan von Küppersbusch und Harald Schmidt. Klar lernt er sie kennen, arbeitet für sie. Schreibt ein Buch, noch eins und noch eins. Alles Bestseller. Rampenlicht. Pose statt Haltung. Dauerironie. Oft brillant formuliert. Stuckrad-Barre ist Anfang zwanzig. Endlich berühmt. "Ich muss berühmt werden habe ich nicht gedacht. Nein. Ich habe immer eher so das Verhinderte gedacht: 'Schade, dass ich nicht berühmt geworden sein werde.' Also so war eigentlich immer eher mein Blick auf die Zukunft. Eigentlich von Anfang an im Rückwärtsgefecht und den Schaden und das Nichtgeglückte verwalten. Irgendwelche positiven Aufbruchspläne gab es da nie."

Der Rausch und die Bulimie-Attacken

Benjamin von Stuckrad-Barre vor einer Glastür
Benjamin von Stuckrad-Barre

"Panikherz" ist Stuckrad-Barres Suchtbilanz. Der Literaturdarling als Gestalt des Jammers. Mutig ist das und – eitel. Wie Stuckrad-Barre in Opus-Magnum-Ausführlichkeit von sich berichtet. Sein Rausch. Sein Sumpf. Seine Bulimie-Attacken. "Also für mich war es wirklich beinahe todbringend. Deshalb würde ich das jetzt im engeren Sinne meinem Sohn zum Beispiel nicht empfehlen: 'Das musst du unbedingt machen, ist eine wirklich tolle Erfahrung, lernst tolle Menschen kennen und so.' Ich wollte das ausprobieren und da hat das irgendwann mein Leben bestimmt und komplett zerstört. Wenn die Drogenabhängigkeit irgendwann ernst macht und man mit ihr ernst macht, dann geht es in der Regel so lang, bis es nicht mehr weiter geht."

Udo Lindenberg als Retter in der Not

Benjamin von Stuckrad-Barre und Udo Lindenberg
Benjamin von Stuckrad-Barre und Udo Lindenberg

Zweiter Protagonist in "Panikherz" ist Udo Lindenberg. Stuckrad-Barres große Liebe. Erzählt im dialektischen Dreischritt: Früher Fan, zynische Distanzierung, schließlich, in tiefster Not, Versöhnung. Der erste Gast in Stuckrad-Barres Fernsehsendung. Udo ist Benjamin alles: Retter, Held, Idol. "Es wirklich geschafft zu haben, Udo Lindenberg zu sein. Also: sehr früh eine Figur entworfen zu haben – gegen alle Wahrscheinlichkeit. Und sich der angeglichen zu haben. So dass er zwischendurch auch in Kauf genommen hat, einfach 20 Jahre Witzfigur zu sein – die Parodie seiner selbst. Und der Triumph darüber – als Comicfigur. Das ist das Größte."

Ein Buch voller Bewunderungen

Benjamin von Stuckrad-Barre lehnt über einer Brüstung
Benjamin von Stuckrad-Barre

Das ist das Überraschende an diesem Buch, das Schönste: wie vorbehaltlos Stuckrad-Barre bewundern kann. Lindenberg, Bret Easton Ellis, Helmut Dietl – er bestaunt sie mit großen Kinderaugen. Einen Augenblick lang ist der ewige Narzisst nie da gewesen. "Der Selbsthass ist bei mir so stark ausgepegelt, dass ich mich mit dem Wort Narzisst auch nur zur Hälfte gemeint fühle. Aber das sind dann alles so – dann noch mit Isolde Ohlbaum: 'Werfen Sie mal einen Stein ins Wasser – ganz natürlich.' Und irgendwie sagen: 'Ja, natürlich ist man auch immer...' – Das ist alle Gewäsch! Interessiert mich nicht! Ist totaler Müll! – Schreib einen Text und dann halt’s Maul!"

Stuckrad-Barre hat noch immer den Punch

Ja, ja. Er wär so gern ein harter Bursche. Benjamin von Stuckrad-Barre hat ein etwas langes Buch geschrieben. Mit klugen Erkenntnissen. Er hat immer noch den Punch. Und manchmal sogar Seele. Wichtiger als für das Publikum ist "Panikherz" für ihn. Es musste raus. Angekommen ist er noch längst nicht.

(Autor: Lars Friedrich)

LITERATUR

Benjamin von Stuckrad-Barre:
"Panikherz"
Kiepenheuer & Witsch

Stand: 13.03.2016 21:00 Uhr

Sendetermin

Mo, 14.03.16 | 00:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Bayerischen Rundfunk produziert.