SENDETERMIN So, 04.12.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Mick Jagger exklusiv im "ttt"-Interview

Die Rolling Stones und ihr neues Album "Blue & Lonesome"

Mick Jagger
Mick Jagger

Er gibt nur eines und wir haben es bekommen: das Interview mit Mick Jagger. Nach wochenlangem Gezerre, kurzfristigen Absagen auf gepackten Koffern, geplatzten Terminen, spricht Jagger mit "ttt". Endlich. Über sich und das neue Album der Rolling Stones, das vielleicht ihr letztes sein wird: "Blue & Lonesome". Im Zuge einer rauschhaften Spontan-Session haben die Stones in nur drei Tagen dieses Album aufgenommen.

Es führt sie zurück zu ihren Wurzeln in den 60ern, zu ihren wichtigsten Inspirationsquellen in dieser Zeit, zu den Vertretern des Chicago Blues, wie Howlin' Wolf, Jimmy Reed und Little Walter. Sie haben zwölf weniger bekannte Songs dieser Legenden aufgenommen. Es ist ihr erstes Studioalbum seit elf Jahren und ihr bestes seit sehr, sehr langer Zeit. Tolle Gitarren-Rangeleien von Keith Richards und Ron Wood. Herrliches Gerumpel vom großen Schlagzeug-Stoiker Charlie Watts. Und Jagger? In Topform und göttlich an der Mundharmonika. Denkmalpflege – supercool.

Zum ersten Mal Kuba

Doch zuerst ein kurzer Rückblick: Im Frühjahr 2016 findet das Ereignis statt, für die Kubaner und für die Stones. Das größte Konzert aller Zeiten, die Stones zum ersten Mal in Havanna, mit ihren Welthits, die hier so lange verboten waren, gratis und live! "Wenn du ein Konzert in Kuba gibst", verrät Mick Jagger, "also erst mal: Es sind wahnsinnig viele Leute. Und dann muss dir klar sein, warte mal, diese Leute haben uns noch nie gesehen, wahrscheinlich fast alle. Also ist der Eindruck, den du machst, wirklich wichtig. Aber dir ist auch klar, dass ihnen das nicht so vertraut ist. Also du weißt nicht, wie sie reagieren werden."

Überraschung: Eine Million Kubaner reagieren wie die Fans überall auf der Welt: Nach 54 Jahren Rolling Stones! Auch wenn es das erste Mal ist: Ekstase. Selbst Mick Jaggers Hüftschwung hat noch die alten Ausmaße. Wo kommt dieser spezielle Jagger-Move eigentlich her? Da sagt er einfach: "Ich kann diese Frage nicht beantworten."

"Wir hatten Glück"

Jetzt haben sie das erste Studioalbum seit elf Jahren herausgebracht: "Blue & Lonesome". Blues-Coverversionen – aus dem Handgelenk geschüttelt. Eigentlich sollten es neue Songs werden, aber dann spielten sie zur Entspannung Blues.

Audienz bei Sir Mick. Exklusiv in London. Super drauf. Gleich groß gefragt: Hält er sich für ein Genie? "Natürlich nicht! Alles was Du tun kannst, ist hart arbeiten an dem bisschen Energie und Talent, das du hast. Und manchmal hast du wirklich Glück, wie bei diesem Album, das wir gar nicht geplant hatten – ja, das ist ein gutes Beispiel von Glück, weil wir gar nicht vorhatten, ein Bluesalbum aufzunehmen. Aber wir hatten Glück, wir haben weitergemacht. Wir hätten ja unterbrechen und aufhören können, haben wir aber nicht!"

Jagger demütig, auch das ist neu. Die Stones verneigen sich vor ihren Vorbildern, den großen schwarzen Männer des Chicago Blues: "Normalerweise", erzählt Jagger, "wenn ich Blues singe oder Mundharmonika spiele, dann dauert das zehn Minuten. Ich muss ja wechseln von einem Musikstil zu … okay, jetzt mache ich Blues für die nächsten fünf Minuten und dann spiele ich schon wieder Gitarre. Aber das war wirklich interessant, weil ich drei Tage lang nichts anderes als Blues gespielt habe. So lang habe ich das noch nie gemacht. So bin ich wirklich reingekommen."

Blues in der DNA

Jagger auf der Mundharmonika. Wie früher! Die Stones haben mit Blues in winzigen Londoner Clubs angefangen. Jetzt gehen sie zurück zu der Zeit vor dem ersten Plattenvertrag, da waren sie noch nicht volljährig und spielten Chicago Blues. Es ist ihre DNA: "Als ich so 13 Jahre alt war, sah ich zum ersten Mal Bluessänger im Fernsehen", so Jagger. "Big Bill Broonzy kamen nach England. Die Popmusik zu der Zeit war sehr süßlich. Das war immer so: Junge-trifft-Mädchen, Teenagermusik. Diese Musik war da viel drängender und hatte mehr Tiefe. Und so wurde ich ein bisschen ein nerdiger Blues-Spezialist."

Es ging immer um die Energie für die nächsten Sekunden. Über fünf Jahrzehnte haben sie damit Platten verkauft, Stadien gefüllt, eine Marke geschaffen. Wie sieht er sein Lebenswerk heute? "Die Meisten machen richtig gute Arbeit und dann läuft es mal nicht so toll", sagt er. "Dann werden sie vielleicht von irgendwas inspiriert und sie kommen zurück, machen etwas, das wieder interessant ist, aber ganz anders und in einem anderen Stil. Aber du wirst niemanden finden, der wirklich alles von sich hasst oder alles ganz toll findet."

Mick Jagger als Bluessänger: grandios. Sollte diese wie durch eine Blechbüchse gehustete Essenz ihre letzte Platte sein: Es wäre wunderbar.

"Und jetzt ist Weihnachten!", beendet Jagger unser Interview lächelnd.

Bericht: Andreas Krieger

The Rolling Stones "Blue & Lonesome"
Label: Polydor, Länge: 42:36
VÖ: 2. Dezember 2016

Stand: 06.12.2016 13:40 Uhr

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Produktion

Diese Sendung wurde vom
Hessischen Rundfunk produziert.