SENDETERMIN So, 14.02.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies

PlayGemälde von Hieronymus Bosch
Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies | Video verfügbar bis 14.02.2017

Im friedlichen ’s-Hertogenbosch sind jetzt die Teufel los, denn die Figuren des Teufelsmalers sind zurück. Zum 500. Todestag von Hieronymus Bosch werden die "Visionen eines Genies" mit einer spektakulären Ausstellung gefeiert. Und wieder stellt sich die alte Frage: Woher hatte dieser Maler seine Visionen? Nahm er Drogen? Hatte er Angstphantasien? War er ein Ketzer oder religiöser Fanatiker? Ein Apokalyptiker im modernen Sinne?

’s-Hertogenbosch in Holland
’s-Hertogenbosch in Holland

Matthijs Ilsink, Bosch Research and Conservation Project: "Es gibt nichts Ungewöhnliches in den Archivdokumenten über ihn. Er war ein führendes geschworenes Mitglied in seiner Bruderschaft 'Unserer Lieben Frau' wie andere wohlhabende Personen in der Stadt auch. Diese Seite, und wie er zu dieser unglaublichen Kreativität und der innovativen Bildwelt gekommen ist, das bleibt noch ein Rätsel."

Es gleicht einem Wunder, dass so viele Museen mit Bosch-Bildern ihre Werke nach ’s-Hertogenbosch ausgeliehen haben. Unter anderem ist die Parabel mit "Dem Tod und dem Geizigen" aus New York zu sehen. Das Bild zeigt den Seelenkampf zwischen Gott und Geld, ein typisches Beispiel für die moralischen Appelle des Hieronymus Bosch.

So viel Bosch an einem Ort gab es noch nie

Bosch lebt!
Bosch lebt!

Um die Meisterwerke aus der ganzen Welt in Boschs Heimat ausstellen zu können, boten die Niederländer den großen Museen und Sammlern einen Deal an, dem sie nicht widerstehen konnten: Im Rahmen des großen Forschungsprogramms, des Bosch Research and Conservation Project, sollten alle Bosch-Werke nach neuesten Möglichkeiten untersucht und teils restauriert werden.

Matthijs Ilsink, Kurator: "Wir haben unser Bestes gegeben, um wirklich in die Tiefe der Objekte, der Gemälde und Zeichnungen zu gelangen, um mehr über Bosch zu erfahren. Die Summe von all diesem neuen Wissen war es, das dieses Projekt so erfolgreich machte – und das hat dann all die Museen überzeugt."

Matthijs Ilsink, Bosch Research and Conservation Project
Matthijs Ilsink, Bosch Research and Conservation Project

Die Ausstellung zeigt, wie facettenreich Boschs Werk ist. Feinste Landschaft konnte er zwar auch, aufregender sind die versteckten Monster. Und: Der Maler Hieronymus 'betet' und 'predigt' auch – gegen jedwede Todsünde, gegen Wollust und Völlerei, Geiz oder Verschwendung, gegen religiöse Irrwege, so zum Beispiel im berühmten "Narrenschiff", das normalerweise im Louvre zu sehen ist.

Matthijs Ilsink, Kurator: "Bosch dachte über neue Formen nach. Seine Bilder sind Spiegel zur Selbstreflexion, der Betrachter soll darüber nachdenken, wie man sich im Leben verhalten soll, wie man die richtigen Dinge tut und die richtigen Entscheidungen fällt. Aber Bosch zeigt auch, was geschieht, wenn man die falschen Entscheidungen fällt. Es kam ihm sehr darauf an, die dunklen Seiten der Menschheit zu zeigen."

Ein Apokalyptiker im modernen Sinne

Das letzte Weltgericht straft alle, nur wenige werden gerettet – eine Domäne von Bosch und Werkstatt. Beste Adressen bestellten solche Bilder, deren Markenzeichen die überbordende Phantasie ist. Der größte Ehrgeiz des Meisters galt den Strafen für die Feinde Christi. Er hält den Betrachtern einen Spiegel vor und sie müssen selbst entscheiden, gehen sie diesen oder jenen Weg. Das ist dann keine Predigt, sondern klingt modern.

Matthijs Ilsink, Kurator: "Gemälde wie zum Beispiel der 'Heuwagen' aus dem Prado in Madrid – das handelt von der Gier, das verbindet sich sehr leicht mit der Gegenwart, mit so vielem – nehmen Sie die Bankenwelt."

Den "Garten der Lüste" gab das Madrider Prado-Museum nicht her, aber den "Heuwagen". Die Jagd nach dem wertlosen Heu als Bild der Gier des Menschen nach den irdischen statt der himmlischen Güter– der Weg führt in die Hölle.

Das Genie Bosch: Leben in produktiver Isolation

Der König!
Der König!

Das Heuwagen-Gemälde und anderes, das früher Mitarbeitern und Nachfolgern zugeschrieben wurde, versteht die Jubiläumsausstellung wieder als Werke des Meistermalers Hieronymus Bosch selbst. Wie dem auch sei, die Ideen für die Bilder jedenfalls sind einzigartig – und offenbar weiter schwer zu erklären: Wie zum Beispiel kommt es bald nach 1500 zu dieser geradezu 'modernen' Vision vom Jenseits?

Matthijs Ilsink, Kurator: "Wenn wir spekulieren sollen, könnte man sich es vielleicht so vorstellen: Das kleine s’-Hertogertogenbosch ist eine etwas abgelegene Stadt und Bosch konnte hier in einer produktiven Isolation arbeiten. Es könnte sein, dass ihn das von Beschränkungen befreit hat, denen man unterliegt, wenn man in einer Metropole arbeitet, hier musste er nicht immer modern sein – aber noch einmal: Das ist reine Spekulation."

Umzug in Den Bosch
Umzug in Den Bosch

Es ist das Ereignis für s’-Hertogenbosch und die Kunstwelt geworden: So viel Bosch wird nie wieder zurückkehren oder anderswo zusammenkommen. Die Stadt feiert sich und König Willem-Alexander. Wenn das kein Impuls ist. Höchste Zeit also, mit Bosch in den Spiegel zu schauen. Sorgen sollten Sie sich machen, wenn sie darin einen Teufel sehen.

Autor: Meinhard Michael

Ausstellungstipp:
Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies
Het Noordbrabants Museum in s’-Hertogenbosch, Holland
Verwersstraat 41
Den Bosch

Bis 08.05.2016  

Buchtipp:
Matthijs Ilsink, Jos Koldeweij, Ron Spronk (Hg.)
Hieronymus Bosch. Visionen eines Genies
Belser Verlag
ISBN 978-3-7630-2743-9

Stand: 23.02.2016 21:29 Uhr

Sendetermin

So, 14.02.16 | 23:05 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Mitteldeutschen Rundfunk produziert.