SENDETERMIN So, 01.10.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv

Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv | Video verfügbar bis 01.10.2018

Dirigieren ist Männersache. Dachte Oskana Lyniv, als sie ein Kind war. Heute ist die 39-Jährige eine der erfolgreichsten Frauen am Pult. Seit wenigen Wochen ist sie Chefdirigentin der Grazer Oper und des Grazer Philharmonischen Orchesters. ttt hat Oksana Lyniv in ihre ukrainische Heimat begleitet und sie beim Beethovenfest in Bonn und in Graz getroffen. 

Auf dem Weg an die Spitze

Aufgewachsen ist sie in Brody in einer Musikerfamilie. Die Eltern sahen ihre Zukunft als Klavierlehrerin. Doch Oskana Lyniv interessierte sich mehr für den Weg ihres Großvaters, der Chorleiter war. Als sie erfuhr, dass am Konservatorium in Lemberg (Lviv) auch Frauen zum Dirigierstudium zugelassen sind, stand ihr Entschluss fest. Ihr Lehrer Bogdan Dashak, Chef der Lemberger Oper, machte sie noch während des Studiums zu seiner Assistentin.

Es folgten internationale Wettbewerbe, Auslandsreisen und Stipendien. Sie wurde Assistentin bei den Bamberger Symphonikern, zog 2005 nach Dresden, um ein Aufbaustudium zu absolvieren. Gefördert vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates, besuchte sie Meisterkurse unter anderem bei Hartmut Haenchen, Kurt Masur und Peter Gülke. Fünf Jahre lang war sie stellvertretende Chefdirigentin an der Nationaloper Odessa.

Ohne Worte

Oksana Lyniv
Seit September 2017 Chefdirigentin der Grazer Oper

2013 machte sie Kirill Petrenko zu seiner Assistentin an der Bayerische Staatsoper in München. Schon bald dirigierte sie auch die Vorstellungen am Abend und begeisterte Musiker und Publikum gleichermaßen mit ihrer ausdrucksstarken Körpersprache. "Ich glaube, jeder Dirigent hat eine eigene Körpersprache", sagt sie. "Und Körpersprache ist eben auch der Versuch, das auszudrücken, was man von innen fühlt. Die Dirigiertechnik ist natürlich auch noch ein Mittel, sich ohne Worte mit den Musikern zu verstehen, weil nicht immer hat man eine Probe. Oft muss man einspringen, sogar ohne Probe, und dann muss man eben mit Händen alles übermitteln, was man gerne sagen würde."

Lemberger Musikfestival

Einen Namen gemacht hat sie sich auch mit ihrem innovativen Repertoire. Auf der Suche nach neuen Stücken entdeckte sie Mozarts jüngsten Sohn Franz Xaver, der viele Jahre als Komponist in Lemberg lebte und das dortige Musikleben prägte. Ihm zu Ehren gründete sie das internationale Festival "LvivMozArt".

Brückenschlag mit Musik

Aus der Festivalarbeit ging die Gründung des ersten gesamtukrainischen Jugendorchesters hervor – ein Herzensprojekt der Dirigentin. Es vereint junge Musiker aus dem ganzen Land, das auch 26 Jahre nach seiner Unabhängigkeitserklärung tief gespalten ist. Im Jugendorchester spielen Musiker aus der Westukraine gemeinsam mit Flüchtlingen aus dem besetzten Donezk in der Ostukraine. Im September gastierte es auf dem Bonner Beethoven-Festival, das Pate stand bei seiner Gründung.

 "Sie haben alle Freunde gefunden", sagt Oskana Lyniv über die ambitionierte Friedensinitiative. "Ich wünsche, dass unsere Politiker, Minister, Präsidenten endlich mal erkennen, dass Kultur die größte strategische Bedeutung für eine spätere Entwicklung hat, dass die jungen Leute mehr Chancen bekommen können und dass überhaupt die Ukraine sich als europäisches Land weiter erfolgreich entwickeln kann."

Autorin des TV-Beitrags: Marion Ammicht

Stand: 02.10.2017 08:57 Uhr

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