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Der Bilderjäger

Wie der Fotograf Stefan Draschan Beute im Museum macht

Der Bilderjäger

Seine Beute sind einzigartige Begegnungen, flüchtige Momente: Wenn Mensch und Kunstwerk erstmals aufeinandertreffen und daraus etwas Besonderes entsteht. Wenn Mensch und Kunst plötzlich eins werden. Wenn zusammenkommt, was zusammengehört. Und man sich unversehens im Anderen erkennt. Dann ist das der perfekte Moment für Stefan Draschan. Dieser Mann ist auf der Jagd. Mitten in Berlin pirscht er durchs Museum, auf Fotobeutefeldzug in der Alten Nationalgalerie. Er will ihn erwischen, den Augenblick, wenn zwischen Kunst und Mensch etwas entsteht.

Skurrile Zufallsmomente

Stefan Draschan erklärt, was er in solchen Momenten wahrnimmt: "Wenn ich etwas Spannendes sehe, dann reagiere ich darauf, dann verlangsame ich mein Tempo und passe mich in dem Sinne der Beute an." Beute ist hier liebevoll gemeint. Es geht um skurrile Zufallsmomente. Aber auch Gegensätze ziehen ihn an.

"People matching Artworks" – Menschen, die zu Kunstwerken passen – heißt seine Serie, die er auf Foto-Blogs und in Ausstellungen präsentiert. Draschan ist Kunst-Enthusiast, er kennt alle großen Museen in Europa und hat jedes Bild im Kopf. Er weiß sofort, welcher Mensch zu welchem Werk passt – dann muss er schnell sein. "Für mich ist das schon poetisch, ich will berührt werden von dem Ergebnis, ich will innehalten können, den Stress, den ich beim Arbeiten habe, der ist ja dann gleich vorbei", sagt Draschan.

Künstler, Radfahrer und Neu-Berliner

Aber wer ist eigentlich dieser Mann, der auf so eine Idee kommt? Stefan Draschan wurde im Salzkammergut in Österreich geboren, ist 38 Jahre alt und  Foto-Autodidakt. Ein leidenschaftlicher Radfahrer und Neu-Berliner. Früher war er Journalist, DJ, Betreiber einer Wiener In-Bar. Heute ist Draschan hauptberuflich Künstler, der sich gerne auch selbst inszeniert.

Er fotografiert dauernd und überall. Berlin ist für ihn wie ein offenes Atelier. Hier entstehen die meisten seiner Bilder, die er zuerst im Netz veröffentlicht. Der Zufall ist seine Muse. Wie bei der Reihe "People sleeping in Museums". Menschen am Rande der Kunsterschöpfung. Ein bisschen verspielt, ein bisschen verrückt, ist auch das, was Stefan Draschan gleich vorhat. Er will seiner Fahrrad-Serie ein neues Foto hinzufügen.

Fotos – weil Aggression nicht hilft

"Bicycle Culture" – Fahrradkultur heißt sie – in der er sich und sein Rad in groteske Situationen bringt – und aus Unfallautos Kunst macht. Diesmal ein ernsthaftes Anliegen, er will gar ein politisches Statement setzen. Und das hat Gründe: "Ich bin zwei Mal mit Fahrerflucht auf dem Radweg angefahren worden, von Autos." So überlegt Draschan, was er dagegen tun könne. Daher begann er Fotos zu machen, weil Aggression nicht helfe. In den Fotos kehrt er das ungleiche Machtverhältnis zwischen Auto- und Fahrradfahrer einfach um. Den sonst Schwachen zum Starken macht, der nicht zur Beute wird, sondern am Ende triumphiert. Im Netz hat er damit großen Erfolg.

Bericht: Nora Binder

Ausstellungen:
bis 17.09.2017 Bicycles, Schloss Hollenburg / Krems a.Donau (Gruppenausstellung)
bis 10.10.2017 Galerie Ursula Stross, Graz (Einzelausstellung)
09.09.- 01.10. 2017 Kunstverein Ada, Wien (Einzelausstellung)
14.09.- 27.09.2017 Berlin-Kondyke, Soeht 7 (ehem. Frauengefängnis Lichterfelde), (Gruppenausstellung, allerdings mit 16 People matching artworks von Draschan)
ab 10.10.2017 gemeinsam mit Franziska Maderthaner: "Wertpapiere" - Galerie Wolfrum Wien
ab 26.10.2017 OPERE SCELTE – Contemporary Art Gallery, Torino/Italy (Gruppenausstellung)

Stand: 07.09.2017 10:17 Uhr

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