SENDETERMIN So, 03.09.17 | 23:10 Uhr | Das Erste

"The End of Meat"

Ein aufrüttelnder Dokumentarfilm über die Folgen des Fleischkonsums

Mastschwein
Ein Mastschwein steht in einem Mastbetrieb in Lindern im Stall.

Jedes Jahr züchten, mästen und töten wir 56 Milliarden Nutztiere. Dieses System ist für 18 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Es verbraucht ein Drittel des Trinkwassers, belegt 45 Prozent der gesamten Erdoberfläche, hat 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört und ist zur größten Bedrohung der Artenvielfalt geworden.

Und während elf Prozent der Erdbevölkerung unter Mangelernährung leiden, verfüttern wir die Hälfte des weltweiten Getreides an Tiere, die wir später essen. Schockierende Zahlen, die den Dokumentarfilmer Marc Pierschel nicht in Ruhe lassen. Er lebt vegan, verzichtet vollständig auf tierische Produkte – weil er sich verantwortlich fühlt: "Wenn wir so weiter machen wie bisher, wenn wir unsere Ernährungsweisen, unsere Lebensweise nicht ändern, dann wird es ein enormes Problem geben, auf das wir zusteuern."

Im Film "The End of Meat" wird auch Schwein Esther aus Toronto vorgestellt. Als Mini-Schwein gekauft, bringt sie mittlerweile 500 Pfund auf die Waage. Der Dokumentarfilm betrachtet unser Verhältnis zu den Tieren, manche lieben, andere schlachten wir- die, die wir zu Nutztieren gemacht haben. Der Film erzählt von den Folgen des weltweiten Fleischkonsums. Esther hat sich ihren Platz in der Familie erobert – und als "Wunderschwein" in den sozialen Medien eine riesige Fangemeinde. Vom Nutz- zum Haustier – daraus folgte die Konsequenz.

Fleischlos leben kommt in Mode

Kein Fleisch mehr. Aus Liebe zum Tier, dafür entscheiden sich immer mehr Menschen. Auf die leckeren Schweinereien verzichten – dafür gibt es auch andere Gründe, zeigt der Dokumentarfilm. Würden wir gesünder leben, wenn wir aufhörten, Fleisch zu essen? Dazu Mediziner: Michael Klaper: "Oh, ich habe oft darüber nachgedacht, was geschieht, wenn Amerikaner und Menschen auf der ganzen Welt sich pflanzlich ernähren würden. Die gewaltige Zahl kranker Menschen in unserem Land würde rasch schrumpfen."

Fleischlos leben kommt in Mode. Die Verbraucher – besonders in Westeuropa – legen immer mehr Wert auf eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung. 40 Prozent der Deutschen greifen mittlerweile auch nach vegetarischen Alternativen. Ein riesen Markt, jetzt auch entdeckt von der Fleischindustrie. Vor zwei Jahren stieg beispielsweise "Rügenwalder" in das vegetarische Geschäft ein.

Kulturfleisch – eine radikale Alterntive?

Dokumentarfilmer Marc Pierschel dazu: "Die Forschung im Bereich für vegetarische und vegane Alternativen ist gigantisch. Es gibt immer neue Firmen, die Produkte entwickeln, die dem Fleisch oder Fleischprodukten näher kommen." Bald soll es eine radikale Alternative geben: Kulturfleisch genannt. Gezüchtet aus der Zelle – ohne Tiere. Kulturfleisch wird nicht aus dem Labor, sondern aus einer Art Brauerei kommen – aus einem gigantischen Edelstahltank. Liegt hier die Lösung? Kann man so die Probleme, die das System der Welternährung mit sich bringt, in den Griff kriegen? Wie viel Energie es brauchen würde, Milch, Fleisch, Eier so zu erzeugen, beantwortet der Film jedoch nicht. Aber, er verweist auf die Möglichkeit einer radikalen kulturellen Wende.

Liegt hier die Lösung? Kann man so die Probleme, die das System der Welternährung mit sich bringt, in den Griff kriegen? 56 Milliarden Tiere im Jahr, die nicht mehr geschlachtet werden müssen. Das Tier – kein gequältes Objekt mehr, das als Kotelett auf dem Teller landet, sondern ein Gefährte des Menschen. Was für eine Utopie!

Bericht: Anke Schnackenberg

Stand: 04.09.2017 09:21 Uhr

42 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird sobald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

So, 03.09.17 | 23:10 Uhr
Das Erste