SENDETERMIN So, 03.12.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Pionierin der Farbfeldmalerei

Die 102-jährige Künstlerin Carmen Herrera in Düsseldorf

Carmen Herrera zeichnet
Die Künstlerin bei der Arbeit

Bei manchen Künstlern dauert es etwas länger, bis sie Ruhm und Anerkennung finden. Carmen Herrera musste mehr als acht Jahrzehnte darauf warten. In diesem Jahr hat sie ihren 102. Geburtstag gefeiert. Seit der Kunstmarkt ihre Werke entdeckte, hängen sie in weltberühmten Museen wie dem MoMa und dem Whitney Museum of American Art in New York oder der Tate Gallery in London.

Jetzt widmet ihr die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 in Düsseldorf eine Retrospektive. Gezeigt werden 70 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik und Skulptur, die zwischen 1948 und 2017 entstanden sind.  "Lines of Sight" ist bis zum 8. April 2018 zu sehen.

Gerade Linien

Carmen Herrera, Red with White Triangle, 1961
Carmen Herrera, Red with White Triangle, 1961

Sie liebt die gerade Linie, sagt die kubanisch-amerikanische Künstlerin. In den USA gilt sie als Wegbereiterin der Farbfeldmalerei und der geometrischen Abstraktion. Ihre Werke bestechen durch klare Formen, leuchtende Farben und die Konzentration auf das Wesentliche.

Carmen Herrera wurde am 31. Mai 1915 in Kuba als Tochter zweier Journalisten geboren. Schon als junges Mädchen bekam sie Zeichenunterricht. Sie studierte Architektur in Havanna und ab 1939 Malerei in New York. Dort lernte sie Künstler wie Wifredo Lam und Barnett Newman kennen und entdeckte für sich die abstrakte Malerei.

Intermezzo in Paris

1948 zog sie mit ihrem Mann Jesse Loewenthal für mehrere Jahre nach Paris und machte dort die Bekanntschaft von Yves Klein. An der Seine wurden ihre Werke neben Arbeiten von Josef Albers und Piet Mondrian ausgestellt. Doch als sie nach einem längeren Aufenthalt in Havanna 1963 nach New York zurückkehrte, fand sie keinen Galeristen, der sich für ihre Bilder interessierte.

Später Ruhm

Carmen Herrera, ARIES, 2016.  Courtesy Lisson Gallery
Carmen Herrera, ARIES, 2016 (Ausschnitt). Courtesy Lisson Gallery

1998 zeigte das Museo del Barrio in Manhattan erstmals ihre Arbeiten. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis auch der internationale Kunstmarkt auf sie aufmerksam wurde und sie im Jahr 2004 Werke an bedeutende und einflussreiche Sammler verkaufen konnte.

Die ersten Retrospektiven 2009 in Birmingham und 2010 in Kaiserlautern wurden von der Kunstkritik gefeiert und machten sie mit 94 Jahren zum Star. Es folgten Ausstellungen in der Londoner Lisson Gallery und deren New Yorker Dependance. Für Carmen Herrera war es der Durchbruch.

Das Whitney Museum of Modern Art konzipierte und organisierte im vergangenen Jahr die Schau "Lines of Sight", die jetzt in erweiterter Form in Düsseldorf gezeigt wird.

Carmen Herrera freut sich über den späten Ruhm. Ihr Leben hat er nur wenig verändert. Auch heute noch wohnt sie in New York und malt jeden Tag, so wie sie es in den vergangenen Jahrzehnten getan hat.

Buchtipp

Carmen Herrera: Lines of Sight.
Werke 1948-2017
Katalog zur Ausstellung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2017/2018
Wienand Verlag 2017

Autorin des TV-Beitrags: Brigitte Kleine

Stand: 04.12.2017 09:23 Uhr

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