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Science oder Fiction?

Leben im Zeitalter Künstlicher Intelligenz

Humanoider Roboter
Humanoide Roboter werden längst entwickelt. | Bild: dpa Picture-Alliance / Anthony Devlin

Der Blick in die Zukunft hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Phantasten und Philosophen haben sich daran gewagt, Künstler, Literaten und Wissenschaftler.

Einer von ihnen ist Max Tegmark, Physiker am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort arbeitet er mit den weltweit führenden Entwicklern Künstlicher Intelligenz zusammen.

Überlegenheit der Maschinen

Max Tegmark
Der Physiker Max Tegmark | Bild: WDR

Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben, was uns in der näheren und ferneren Zukunft erwartet. Es sind sehr unterschiedliche Szenarien, die alle einen gemeinsamen Ausgangspunkt haben: Maschinen sind den Menschen überlegen – ein Quantensprung, der unser Dasein von Grund auf verändert. ttt hat Max Tegmark getroffen und mit ihm über das Leben 3.0 gesprochen.

Die Entwicklung "Künstlicher Intelligenz"

Zunächst stellt er klar: Intelligenz ist für ihn als Physiker nicht an einen lebendigen Organismus gebunden. Was er darunter versteht, ist eine bestimmte Art der Informationsverarbeitung, die Maschinen ebenso gut wie Gehirne leisten können. Vermutlich können sie es sogar besser.

Bisher kennen wir nur die sogenannte "schwache" Künstliche Intelligenz, wie sie zum Beispiel bei Automatisierungsprozessen eingesetzt wird. Im Alltag greifen wir ganz selbstverständlich auf sie zurück, wenn wir Navigationssystemen oder Sprach- und Gesichtserkennung benutzen.

Max Tegmark aber zweifelt nicht daran, dass wir es schon in einigen Jahrzehnten mit "starker" Künstlicher Intelligenz zu tun haben werden: mit Computern und Maschinen, die zu ganz anderen intellektuellen Leistungen fähig sind, die planen, entscheiden und kommunizieren können.

Dienen oder herrschen?

Drohne der US-Army
Werden Drohnen im Kampfeinsatz in Zukunft selbst entscheiden? | Bild: imago stock&people

Was haben wir von ihnen zu erwarten? Werden sie die Menschheit unterjochen? Sie auslöschen? Oder ihr nützlich sein? Für welche Annahme auch immer Max Tegmark sich entscheidet, er kommt zum selben Ergebnis: Wir stehen am Beginn einer Revolution, die nicht aufzuhalten ist.

Nachdrücklich appelliert er an uns, jetzt darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft mit superintelligenten Systemen umgehen wollen. Denn sie werden alle unsere Lebensbereiche beeinflussen: Medizin und Politik, Justiz und Militär, Banken und Behörden, Wohlfahrt und Wirtschaft.

Plädoyer für mehr Sicherheit

An erster Stelle steht für Max Tegmark die Sorge um die Sicherheit. Wir müssen Wege finden, wie wir uns vor technischen Pannen oder Hackerangriffen schützen, deren Folgen wir uns nicht einmal im Traum vorstellen können.

Genauso dringend sei es, Ziele zu definieren und Strategien zu entwickeln, wie wir die Maschinen dazu bringen, genau diese und keine anderen Ziele zu verfolgen. Das heißt nichts anderes, als der Superintelligenz unsere Werte zu implantieren.

Und drittens müssen wir Modelle für eine Arbeits- und Lebenswelt entwerfen, in der die meisten Tätigkeiten von Robotern oder Computern erledigt werden.

Auch wenn wir vom Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch weit entfernt sind – für Max Tegmark hat die Zukunft schon begonnen. Jetzt ist es an uns, die Weichen zu stellen, wenn wir vom Wandel nicht überrollt werden wollen.

Buchtipp

Max Tegmark: Leben 3.0
Mensch sein im Zeitalter Künstlicher Intelligenz.
Ullstein Verlag 2017, Preis: 26 Euro

Autor des TV-Beitrags: Joachim Gaertner

Stand: 04.12.2017 09:22 Uhr

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