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Der Sound von Hollywood

Die Geschichte der Filmmusik als Kinoereignis

Orchesteraufnahme im Abbey Road Studio
Orchesteraufnahme im Abbey Road Studio | Bild: NFP

"Titanic", "Doktor Schiwago", "Spiel mir das Lied vom Tod" – es gibt Filme, bei deren Nennung sich vor dem inneren Ohr sofort eine Klangwelt entfaltet. Untrennbar ist der Sound mit den Bildern verbunden.

Schon zur Zeit des Stummfilms spielte Musik eine wichtige Rolle – im Kinosaal live vor Publikum gespielt. Doch erst mit Beginn des Tonfilms 1929 beauftragten die großen Filmgesellschaften ganze Abteilungen mit der Realisierung des "Scores" (englisch für Filmmusik).

Fasziniert von der Macht der Musik erzählt der Regisseur und Drehbuchautor Matt Schrader in einer Doku die Geschichte der Filmmusik. Hollywoods bedeutendste Filmkomponisten, darunter Hans Zimmer, Ennio Morricone, John Williams, Quincy Jones, Rachel Portman, Howard Shore und Trent Reznor geben Einblick in ihre Arbeit. Seit dem 4. Januar ist "Score" in den deutschen Kinos zu sehen.

Gänsehautfeeling

Quincy Jones
Quincy Jones schrieb die Musik zu "Die Farbe Lila" | Bild: NFP

Wie machen es die großen Komponisten, wenn sie die Musik zu einem Film schreiben? Wenn sie mit Noten Spannung aufbauen, Gefühle erwecken und Charaktere beschreiben?  Wie führt der Weg vom Brainstorming über das Komponieren, Orchestrieren und Mischen bis zum Leinwandereignis? Diese Fragen hat sich Matt Schrader seit Jahren gestellt. 2014 gab er seinen Job als Nachrichtenproduzent bei CBS auf, um sich ganz seinem Dokumentarfilmprojekt zu widmen.

Gemeinsam mit seinem Team ist es ihm gelungen, über 40 Komponisten vor die Kamera zu holen. Bereitwillig geben sie Auskunft über ihre Erfahrungen und ihr Knowhow. Auch wenn jeder sein eigenes Rezept hat, so sind sich alle darin einig: Ein Soundtrack ist dann gut, wenn er bei den Zuschauern ein Gänsehautfeeling erzeugt.

Geburtsstunde des Hollywood-Sounds

"Score" schlägt einen großen Bogen von den Anfängen des Kinos bis in unsere Zeit. Einer der ersten Stars der Tonfilmära war Max Steiner. 1888 in Wien geboren, lernte er das Komponieren unter anderem bei Gustav Mahler und Richard Strauss. 1929 ging er nach Hollywood und wurde mit der Musik zu "King Kong und die weiße Frau" (1933) weltberühmt. Es war die Geburtsstunde des Hollywood-Sounds. 24 Mal wurde Max Steiner für den Oscar nominiert, unter anderem für "Vom Winde verweht" und "Casablanca". Dreimal erhielt er die begehrte Trophäe. 

Die Seele des Filmes

Alfred Hitchcock hat einmal gesagt, dass sein Thriller "Psycho" (1960) ein Drittel seines Gruseleffekts der genialen Musik von Bernard Herrmann verdankt. Vermutlich gilt das für die meisten erfolgreichen Filme. Der Soundtrack ist die Seele des Filmes - selbst dann, wenn er selbst keine hat.

Hans Zimmer, einer der bekanntesten Filmkomponisten
Hans Zimmer, einer der bekanntesten Filmkomponisten | Bild: NFP

Besonders viel über das Komponieren fürs Kino hat Matt Schrader von Hans Zimmer erfahren. Der 1957 in Frankfurt geborene Musiker ist einer der begehrtesten Komponisten in Hollywood. Im Laufe seiner Karriere hat er weit über 100 Scores geschrieben, darunter für Blockbuster wie "The Rain Man", "Illuminati" und "Der König der Löwen", der ihm einen Oscar einbrachte. Aktuell ist "Blade Runner 2049" im Kino zu sehen.

Anstrengung und Intuition

"Jedes Projekt fängt so an", erzählt er, "jemand vom Studio kommt rein und sagt: Ich hab 'ne tolle Idee, das wird ein Spaß! Doch das leere Notenblatt ist das leere Notenblatt. Am Anfang weiß ich nie, woher die Musik kommen soll. Es gibt immer diese Angst, dass sie dir den Hahn zudrehen."

Mischung in den Fox Studios
Mischung in den Fox Studios | Bild: NFP

Filmmusik schreiben für Hollywood – auch das macht Schraders Doku deutlich – ist ein raues Geschäft. Je teurer die Produktionen werden, desto größer ist der Druck der Studios. "Sie geben dir zu verstehen, dass alles von dir abhängt. Und dass du jetzt besser bald fertig wirst. Also mit Kreativität hat das nicht mehr viel zu tun. Sondern das macht dir Angst."

Und doch zeigt "Score" auch, dass zum Handwerklichen, zur musikalischen Meisterschaft noch etwas hinzukommen muss, damit aus Bildern und Sound ein Gesamtkunstwerk wird. Was genau, das bleibt wie in der Alchemie ein Geheimnis.

Konzerttipp

Im April 2018 startet die Deutschlandtournee der Show "The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration", eine Konzertreise mit Zimmers großen Kompositionen für Orchester und Chor.

Autor des TV-Beitrags: Andreas Lueg

Stand: 07.01.2018 18:24 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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