SENDETERMIN So, 07.01.18 | 23:35 Uhr | Das Erste

Malerei als Abenteuer

Sebastian Schraders Bilder des Widerstands

PlayDer Berliner Künstler Sebastian Schrader
Sebastian Schraders Bilder des Widerstands | Video verfügbar bis 07.01.2019 | Bild: WDR

Sebastian Schrader malt und staunt. Staunt über das, was er malt. Als sei er selbst überrascht von dem, was er sieht: "Die Malerei soll als Malerei stehen, ich habe kein Konzept und keine Message. Ich denk mir nicht irgendwas aus und folge dem dann, sondern ich gebe einen Teil vor, und dann versuche ich, dass ein gewisser Teil kommt, von alleine, den ich gar nicht berechnen kann, also gebe dem Zufall auch Möglichkeiten – und hoffe insgeheim, dass die Bilder schlauer sind als ich. Dass etwas reinkommt, was ich gar nicht bedenke."

Übergänge und Schwellen

Es ist Zeit, den Berliner Künstler zu entdecken, der gegen alle Moden malt. 1978 in Berlin geboren, studierte Sebastian Schrader an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und war Meisterschüler von Werner Liebmann.

Seine Werke sind seltsam entrückt, aus der Zeit gefallen und doch aktuell. Sie halten Übergangszustände fest, bilden Schwellensituationen ab, ohne sie zu konservieren. Wie das geht? Sebastian Schrader packt das Dazwischen beim Schopf: Figuren und Formen changieren zwischen Abstraktem und Gegenständlichen.

Positive Verweigerung

Im Atelier
Im Atelier | Bild: WDR

Manche Bilder wirken wie Stillleben. Sie zeigen Menschen in zwecklosem Tun, barock ausgeleuchtet, wie auf einer Bühne. Virtuos gemalt, drücken sie das Nachdenken über die Zeit aus, das Verharren. Es sind Gegenbilder zum aktiven, geschäftigen Leben.

"Für mich war das mal wichtig, dass da so eine Verweigerung mitklingt! Dieses Hinterfragen. Warum ist man immer aktiv und warum ist immer alles alternativlos. Dass man einfach mal innehält und nicht ständig alles mitmacht. Dass man bei dem bleibt, was einem wichtig ist."

Und doch betont er, dass es ihm nicht um Abschottung gegenüber dem Leben geht. Ganz im Gegenteil: Ihn interessiert, was seine Generation unter Begriffen wie Glück und Freiheit versteht, wie sich die Parameter im Zusammenleben verschieben. Es sind Beobachtungen, die Innehalten und Muße voraussetzen.

Seine Bilder kommen gut an. Felix Robyns, vermögender Unternehmer und Kunstsammler aus London: "Es gibt eine Verbindung zwischen all dem, was wir sammeln, zwischen alten und neuen Werken. Unseren alten Meistern stellen wir gerne Zeitgenossen gegenüber, weil sie unsere Gegenwart reflektieren. Sebastian tut genau das, passt perfekt in unsere Sammlung." 

Chronist einer unsicheren Zeit

Bei der Arbeit
Bei der Arbeit | Bild: WDR

In letzter Zeit haben Sebastian Schraders Bilder an Farbigkeit verloren. Es dominieren Grau-, Braun- und Ockertöne. Figuren lösen sich auf. Abstraktion statt Ilustration. "In einer Zeit, wo man das Gefühl hat, dass die Gegenwart sich auflöst, fand ich das auch passend. Wohin geht es eigentlich? Man hat nicht das Gefühl, Halt zu bekommen. Die Frage nach Orientierung. Eine Zukunft, die nach vorne stürzt, ohne dass das Ziel klar ist. Das sind alles Assoziationen, die mir so vorschweben. Dann meine ich doch eher so eine metaphysische Obdachlosigkeit.“

Autor des TV-Beitrags: Tim Lienhard

Stand: 08.01.2018 09:14 Uhr

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