SENDETERMIN So, 16.07.17 | 23:35 Uhr | Das Erste

TV-Doku "Glaubenskrieger"

Junge Muslime im Kampf gegen Radikalisierung und Terror

TV-Doku "Glaubenskrieger" | Video verfügbar bis 16.07.2018

Kann es einen modernen, friedliebenden Islam geben? Nicht, wenn es nach den Extremisten des "Islamischen Staates" geht. Mit menschenverachtenden Methoden versucht der IS, junge Menschen zu radikalisieren und sie zum Dschihad zu bewegen.

Auch andere fundamentalistische Gruppen werben um junge Muslime. Vor allem die Salafisten schüren den Konflikt zwischen "Gläubigen und Ungläubigen". Wer in die Fänge religiöser Fanatiker gerät, kann sich nur schwer daraus befreien. In den vergangenen Jahren ist die Zahl derjenigen, die bereit sind, in den Krieg zu ziehen, deutlich gestiegen.

Gegen radikales Religionsverständnis

Der Düsseldorfer Student Hassan Geuad will dem nicht länger tatenlos zusehen. "Der Terror hat mit dem Islam nichts zu tun", sagt er. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern hat er die Gruppe "12thMemoRise" gegründet.

Mit provokanten Kunstaktionen wollen sie junge Muslime wachrütteln, aber auch die breite Öffentlichkeit sensibilisieren. Ihr Ziel: "Islam mit deutscher Identität schaffen. Konform mit Gesellschaft, Norm und Grundgesetz". So steht es auf ihrer Facebook-Seite.

Dokumentarfilmer Till Schauder
Till Schauder

Der Dokumentarfilmer Till Schauder hat ihn und seine Mitstreiter für die Doku "Glaubenskrieger" porträtiert. Der Film war im vergangenen Jahr Gewinner des ARD-"Top of the Docs"-Wettbewerbs und beim diesjährigen Dokumentarfilmfestival DOK.fest in München zu sehen. Das Erste zeigt ihn am 19. Juli um 22.45 Uhr. ttt hat mit Till Schauder und Hassan Geuad gesprochen.

Als Flüchtling nach Deutschland

Hassan Geuad war zehn Jahre alt, als er mit seiner Familie als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland kam. Heute studiert der 26-Jährige Germanistik und Medienwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

Unterstützerinnen aus Hassans Umfeld
Unterstützerinnen aus Hassans Umfeld

Die Radikalisierung junger Muslime empört ihn schon lange. Als extremistische Salafisten vor zwei Jahren in den Fußgängerzonen besonders aggressiv um junge Menschen warben, gründete er mit einigen Mitstreitern die Initiative "12thMemoRise". Der Name ist als Aufruf zu verstehen, sich gegen ein radikales Religionsverständnis zu erheben. "Die Zwölf steht für die zwölf Stämme Israels, die zwölf Apostel und die zwölf Imame", erläutert Hassan Geuad.

Drastische Aktionen

Mit ungewöhnlichen Aktionen bieten sie den Fundamentalisten Paroli. "Wir wollen einen Islam, der den Menschen keine Angst vor der Hölle macht", sagt Hassan Geuad.

Nachgestellte Hinrichtung in einer Fußgängerzone
Nachgestellte Hinrichtung in einer Fußgängerzone

Ihre Mittel sind drastisch: Sie treiben in schwarzer Vermummung zwei gefesselte Männer in orangefarbener Häftlingskleidung durch die Essener Innenstadt und stellen eine Hinrichtung nach, um die Brutalität des IS und den Schaden, den der IS ihrem muslimischen Glauben zufügt, anschaulich zu machen. Mit einem Trauermarsch tragen sie den "toten Islam" zu Grabe. Auf dem Sarg steht "Der Islam wurde ermordet".

Kampf gegen Islamfeindlichkeit

Vor allem in den letzten Jahren hat der tiefgläubige Muslim die steigende Islamfeindlichkeit in Europa zu spüren bekommen. Zusammen mit seinem Bruder Muhammed und seinen Freunden setzt er sich für einen friedfertigen, reformierten Islam in Deutschland ein.

Doch er stößt auch auf Widerstand. Als die Gruppe lautstark die islamischen Dachverbände in Deutschland für ihr Schweigen zum Terror im Namen des Islam kritisiert, werden die jungen Aktivisten in Shitstorms als Verräter geschmäht und sogar mit dem Tode bedroht. An den Konflikten droht "12thMemoRise" zu zerbrechen. Aufgeben aber ist für Hassan Geuad und seine Freunde keine Option.

Fernsehtipp

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Stand: 18.07.2017 15:07 Uhr

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