SENDETERMIN So, 16.07.17 | 23:35 Uhr | Das Erste

Sally Potters "Party"

Eine Abrechnung mit der britischen Upper-Class als böser Kinospaß

PlayDie Partygesellschaft: Timothy Spall als Bill, Cillian Murphy als Tom, Emily Mortimer als Jinny und Patricia Clarkson als April
Sally Potters "Party" | Video verfügbar bis 16.07.2018

Wer England sagt, meint Brexit. Seit Monaten dominieren die EU-Austrittspläne die Berichterstattung über Großbritannien. Da kommt Sally Potters boulevardeske Tragikomödie "The Party" gerade recht. In cool-elegantem Schwarz-Weiß und mit sarkastischem Humor nimmt die britische Regisseurin die Lebenslügen der erfolgreichen Londoner Linksliberalen aufs Korn. Der Film feierte auf der Berlinale Premiere und kommt am 27. Juli in die Kinos. ttt hat Sally Potter besucht und mit zwei der Hauptdarsteller des Films gesprochen.

In Feierlaune

Gastgeberin Janet (Kristin Scott Thomas)
Gastgeberin Janet (Kristin Scott Thomas)

Im Mittelpunkt der Party steht Gastgeberin Janet (Kristin Scott Thomas). Die ehrgeizige Politikerin hat es im Kampf um die Macht nach ganz oben geschafft. Ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett der Oppositionspartei will sie mit ihren engsten Freunden und Mitstreitern in ihrem Londoner Stadthaus feiern.

Mit dabei sind ihr Ehemann Bill (Timothy Spall), ihre beste Freundin April (Patricia Clarkson) und deren deutscher Gatte Gottfried (Bruno Ganz), ihre lesbische Freundin Martha (Cherry Jones) mit ihrer schwangeren Lebensgefährtin Jinny (Emily Mortimer) sowie der Banker Tom (Cillian Murphy), der mit Janets zukünftiger Büroleiterin verheiratet ist. 

Die Stunde der Wahrheit

Doch die Atmosphäre ist von Anfang an gespannt. Tom ist ohne seine Frau gekommen und hoch nervös. April kontert jede Bemerkung ihres philosophisch abgeklärten Mannes Gottfried mit brillantem Zynismus. Und die 60-jährige Martha scheint sich vor Jinnys aufkeimenden Mutterinstinkten zu fürchten.

Da platzt Bill mit zwei explosiven Geständnissen heraus, die sowohl die Vergangenheit als auch die gemeinsame Zukunft mit Janet von Grund auf in Frage stellen.

Die Stimmung kippt. Auch die anderen Gäste fühlen sich bemüßigt, lang gehütete Geheimnisse zu enthüllen. "Dinge, die bisher verborgen waren, kommen in einer Folge von Offenbarungen in ziemlich katastrophaler Weise ans Licht", sagt Sally Potter.

Frustration und Enttäuschung

Bruno Ganz als Gottfried
Bruno Ganz als Gottfried

Während die einen alten Illusionen nachhängen oder von neuen Chancen träumen, schwören die anderen Rache. Die kultivierte Wohnung verwandelt sich binnen kürzester Zeit in ein Schlachtfeld, auf dem buchstäblich die Fetzen fliegen.

Am Schluss steht die Erkenntnis, dass es auch unter vermeintlichen Freunden und Weggefährten unmöglich ist, eine gemeinsame Haltung zu der Frage zu finden, was moralisch richtig und politisch korrekt ist.  

Wahr und unwahr

Die Regisseurin Sally Potter
Die Regisseurin Sally Potter

Sally Potter hat "The Party" innerhalb von 14 Tagen im Juni 2016 gedreht, genau zu der Zeit, als die Mehrheit der britischen Wähler für den Brexit stimmte. Und so wurde ihre Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen, politische Überzeugungen und wankende Ideologien mit unerwarteter Aktualität aufgeladen.

"Ein politisches Statement" hat die Regisseurin ihren Film genannt, ein "Porträt des zerbrochenen Englands". Die Menschen, so Potter, haben die Fähigkeit verloren, zwischen wahr und unwahr zu unterscheiden. Das gelte für das Brexit-Referendum ebenso wie für die fiktive Party-Gesellschaft in ihrem Kammerspiel. Der Film vermittelt eine Ahnung davon, was passiert, wenn Menschen ihre Grundüberzeugungen verlieren. Nicht mehr und nicht weniger.    

Autor des TV-Beitrags: Norbert Kron

Stand: 16.07.2017 16:51 Uhr

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