SENDETERMIN So, 16.07.17 | 23:35 Uhr | Das Erste

Banksy in Bethlehem

Eine Ausstellung zum Nahostkonflikt im Walled Off-Hotel

PlayDas Walled Off-Hotel
Banksy in Bethlehem | Video verfügbar bis 17.07.2018

Bethlehem im Westjordanland, 30.000 Einwohner, rund zwei Millionen Touristen pro Jahr. Seit März 2017 hat die Stadt eine Attraktion mehr: das Walled Off-Hotel, das mit der "schlechtesten Aussicht der Welt" wirbt. Es steht direkt vor der meterhohen Sperrmauer, die Israel an der Grenze zur Westbank errichtet hat.

Der Blumenwerfer in Ramallah
Der Blumenwerfer in Ramallah

Der britische Streetart-Künstler Banksy hat das Hotel initiiert und finanziert. Schon lange engagiert er sich gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete. Seine Stencils, die er auf die Mauer sprühte, sind ein Touristenmagnet. Wie die Friedenstaube, die eine schusssichere Weste mit Fadenkreuz trägt. Oder das Mädchen, das an einer Luftballontraube in die Freiheit entschwebt. Weltberühmt ist sein Bild eines Palästinensers, der statt Steine einen Blumenstrauß wirft.

"Gewaltloser Widerstand"

Mittlerweile hat sich Banksy aus dem Hotelgeschäft zurückgezogen. Seine Kunst ist geblieben. "Das hier ist eine neue Art des gewaltlosen Widerstands", sagt Hotelmanager Wisam T. Salsaa, "es ist eine Möglichkeit, den Leuten Hoffnung zu geben, die Lage zu verändern."

Fast 15 Jahre lang stand das Gebäude leer – so wie viele Häuser an der Mauer. Nun soll die Gegend wiederbelebt werden. Neben extravaganter Unterkunft bietet das Hotel auch künstlerisch-politische Statements. 

Seine Ausstattung kopiert den britischen Kolonialstil, ironisch gebrochen durch Banksys Arrangements. In der Pianobar hat er über dem Flügel Engel mit Sauerstoffmasken platziert. In der Wand hängen Überwachungskameras wie Jagdtrophäen. Und die Präsidentensuite wird auf der Homepage besonders angepriesen als mit "allem ausgestattet, was ein "korruptes Staatsoberhaupt braucht".

Kunst und Information

Geöffnet ist das Hotel auch für Tagesgäste und Touristen, die sich nur umschauen wollen. Ein Museum im Erdgeschoss beschreibt die Geschichte Palästinas – die Krisen, die Kriege und den Alltag in den besetzten Gebieten. Die Fotos und Filme gehen unter die Haut. Sie dokumentieren ein ungleiches Machtverhältnis.

Khaled Hourani
Khaled Hourani

In der Galerie im Stockwerk darüber sind Werke palästinensischer Künstler zu sehen. Einer von ihnen ist Khaled Hourani. 1965 in Hebron geboren, lebt und arbeitet der international renommierte Maler in Ramallah. Neben zahlreichen Ausstellungen in Nahost, in Europa und den USA war er 2012 auch auf der 13. Documenta vertreten.

"Mich interessiert nicht, ob wir Künstler hier bekannter werden oder nicht, weil das Leben wichtiger ist als die Kunst oder die Künstler", sagt er. "Ich frage mich eher, ob wir helfen können, dass diese verrückte Situation endet."

Wandbild in Bethlehem
Banksys "Taube" in Bethlehem

Die Hoffnung will in Bethlehem niemand aufgeben. Banksy selbst hat versprochen, seiner Taube die Schutzweste abzunehmen, wenn es wirklich einmal Frieden geben sollte. "Wir leben hier, weil wir daran glauben, dass sich die Situation mal verändert", sagt Hotelmanager Wisam T. Salsaa. "Natürlich muss man hoffen, und man muss vielleicht auch ein Idiot sein, um hier zu bleiben."

Autorin des TV-Beitrags: Petra Dorrmann

Stand: 17.07.2017 09:13 Uhr

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