SENDETERMIN So, 14.05.17 | 23:25 Uhr | Das Erste

Anne Imhof – Deutscher Pavillon

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Anne Imhof - Deutscher Pavillon | Video verfügbar bis 14.05.2018

Germania. Panzerglas, Dobermänner, Gefängniszaun. Vor dem Deutschen Pavillon: ein Zwinger. Vorne: abgeriegelt. Die Schlange ums Gebäude: hunderte Meter lang. Alle wollen sie sehen: die vollendete deutsche Ernsthaftigkeit.

Rausgeputzt in faschistoider Härte

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Der deutsche Pavillon als Zwinger

Die echten Türsteherinnen sind vom Offenbacher Techno-Club Robert Johnson. Wer reinwill, muss lange warten. Innen: ein Meta-Deutschland. Das Trigema-Shirt: 100 Prozent made in Germany, die weißen Tennissocken, die fränkische Jogginghose, das Basecap vom Edeldesigner. Die Insignien: halb posh, halb Antifa. Der Pavillon: rausgeputzt in seiner ganzen faschistoiden Härte. „Ich denke, dass eine Brutalität spürbar ist im Gebäude. Und das Gebäude mit seiner Härte wollte ich, dass es offengelegt bleibt und dass es transparent bleibt. Dass es zum einen sichtbar in der Materialität des Glases zum anderen passiert dadurch ein Einschluss“, sagt Künstlerin Anne Imhof.

Die Faust des Protests

"Faust" heißt die fünfstündige Performance. Die Faust des Protests. Und: der faustische Pakt mit dem Warenfetisch. Es geht um Machtverschiebungen. Wie reagieren Körper auf Gewalt? "Das stellt natürlich die Frage, inwieweit wir selbstbestimmt handeln und uns bewegen", sagt Kuratorin Susanne Pfeffer. "Und unsere Körper noch unser Eigentum sind. Oder vielleicht sind es auch schon Objekte. Vielleicht sind wir auch schon selbst zur Ware geworden."

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Anne Imhofs Performance-Künstler

Anne Imhof dirgiert die Performance per Smartphone. Sie arbeitet mit einem eingeschworenen Team. Eine an eine Sekte erinnernde Gemeinschaft mit offenbar strengem Bodymass-Index. Die Warenlogik wird bloßgestellt. Monatelang haben sie an den Abläufen gearbeitet. Die Performer dürfen auch improvisieren.

Musik für den Weltuntergang

Imhof schafft Tableaus der Gefahr. Die Kompositionen: inspiriert von Olivier Messiaens Quartett für das Ende der Zeit. "Wir waren fasziniert von dem Gedanken, Musik zu schaffen, die man aufführt, wenn das Ende kommt. Aber wenn der Weltuntergang näher rückt, dann hat man dafür keine Zeit mehr", sagt ein Musiker.

Bilder, die man nicht vergisst

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Will gute Bilder schaffen: Anne Imhof

Imhof beginnt mit starken Bildern. Die Übergänge, sagt sie, ergeben sich dann von allein. Sie hat die alten Meister studiert. Giotto und die Zeichnungen von Michelangelo. "Natürlich geht es in einer Szene, wo zwei Leute miteinander ringen, um Verschiebung von oben und unten. Und um Kontakt und um Körper, aber ich würde nicht sagen, das ist, was mich interessiert. Mich interessiert es, ein gutes Bild zu machen. Ein Bild zu schaffen, was nicht in Vergessenheit gerät."

Eine zarte und böse Kraft

Hans Haacke hat 1993 den Boden des Deutschen Pavillons aufgerissen. Ebenso radikal und ebenso gelungen setzt sich jetzt Anne Imhof mit der Monumentalität des Gebäudes auseinander. Mitten im Publikum entsteht aus kleinen Zeichen und zunächst unauffälligen Bewegungen langsam ein brutales Muster. Das könnte die Oberflächlichkeit eines Popsongs haben, das Pathos könnte kippen. Tut es aber nicht. Nie. Die Performance entwickelt eine unglaubliche, zarte und böse Kraft.

Autor: Andreas Krieger

Stand: 15.05.2017 12:07 Uhr

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