SENDETERMIN So, 14.05.17 | 23:25 Uhr | Das Erste

Hauptausstellung von Christine Macel

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Hauptausstellung von Christine Macel | Video verfügbar bis 14.05.2018

Sie wollte alles anders machen. Endlich mal die elende Politisierung der Kunst hinter sich lassen. Die Macht des Marktes brechen. Die kosmische Dimension der Kunst wiederherstellen. Kuratorin Christine Macel wollte uns endlich mal erklären, was Kunst eigentlich ist.

Christine Macel Hauptausstellung 2
Soll die Welt gar nicht retten: Christine Macels Kunst

Der Weg vom Künstler bis zur Unendlichkeit führt durch neun Trans-Pavillons, durch die Freuden und Ängste, über dionysische Fantasien und magische Heilungen, die Farben und die Zeit, bis zur Ewigkeit. Die Geburt der Kunst aus dem Geist des Schamanismus. "Ich bin mehr denn je zuvor überzeugt, dass Kunst notwendig ist", sagt Christine Macel. "Kunst ist Widerstand gegen den Zustand der Welt. Widerstand an sich."

Eine Hippie-Vorstellung

Christine Macel Hauptausstellung 4
Es wird gestickt und gestrickt und genäht ...

Widerstand auf der Biennale sieht so aus: Es wird viel gestickt und gestrickt und genäht, Wollgewebe und Filzbahnen und Teppiche hängen an den Wänden, es wird getanzt für Regen und für den Frieden. Es ist schon Widerstand, wenn man sich an den Händen fasst und eins fühlt mit den Planeten. Eine Hippie-Vorstellung. Das soll die Zukunft der Kunst sein? Sie selbst sagt: "Ich möchte Kunst nicht mit einem politischen Diskurs in Beschlag nehmen, so wie es die letzten zwanzig Jahre der Fall war. Warum sollte Kunst die Welt retten?"

Sweatshop für Migranten

Christine Macel Flüchtlingsworkshop 2
Die Presse ist dabei

Und dann kommt man zu einer Performance, die dezidiert politisch ist, ja sogar ein bisschen die Welt retten will. Olafur Eliasson lässt Flüchtlinge in einem Workshop Lampen herstellen. Man traut seinen Augen nicht: Eine Art Sweatshop, in dem Migranten arbeiten, damit sich ein internationaler Großkünstler profilieren kann. Kunst als zynische Vermarktungsidee zur Belustigung europäischer Kunstliebhaber, beobachtet von internationalen Kamerateams.

Gut gemeint, schlecht gemacht

Christine Macel Flüchtlingsworkshop 1
Christine Macels Flüchtlingsworkshop

"Sie sind lieber hier als in ihren Unterkünften auf dem Festland, denn erstens nehmen sie an einem Projekt teil, das Geld für ihre Flüchtlingsorganisationen einbringt, von denen sie Hilfe bekommen, und zweitens lernen sie Italienisch. Außerdem haben sie dadurch ein soziales Leben", sagt Christine Macel. Genau das ist das Problem dieser Biennale-Ausstellung: Eine gut gemeinte Idee führt zu einem katastrophalen Ergebnis, weil hier die hehre Kunst losgelöst von allem sozialen und politischen Bezug präsentiert wird.

Das Arsenale – ein so wunderbarer Ort für die Kunst – Christine Macel ist es gelungen, diese Chance zu vergeben.

Autor: Joachim Gaertner

Stand: 15.05.2017 12:15 Uhr

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