SENDETERMIN So, 14.05.17 | 23:25 Uhr | Das Erste

Tracey Moffatt – Australischer Pavillon

Tracey Moffatt - Australischer Pavillon | Video verfügbar bis 14.05.2018

Australien ist diesmal Moffatt-Land. In der Fotoserie "Body Remembers" ist Tracey Moffatt selbst das Hausmädchen, das zu einer Ruine zurückkehrt. Die Herrschaften: lange weg. Aber sie kann die Dienerin in sich nicht ablegen.

Tracey Moffatt Bild Dienerin
Aus der Fotoserie "Body Remembers"

"Meine Urgroßmutter, die eine Aborigine war, arbeitete auf einer großen Rinderfarm im hintersten Australien", erzählt Tracey Moffatt. "Sie war Köchin. Meine Mutter arbeitete in den 50er Jahren für Ärzte und rannte weg. Sie wollte diese Arbeit nicht tun. Diese Serie hier basiert auf meiner Familiengeschichte."

Wollte immer der Cowboy sein: Tracey Moffatt

Tracey Moffatt
Kann Gedanken lesen: Tracey Moffatt

Aus dem Schatten eines Menschen, sagt Moffat, kann sie Gedanken lesen. Ihr Einfluss bei dieser Serie: Fresken aus Pompeji und die frühen Filme der Surrealisten. Aus nur zehn Fotografien entsteht ein Melodram, "vom Winde verweht" ... Melancholie – ein unglaublicher Sog. "Das Geisterhaus sieht aus wie in einem Western. Als Kind habe ich Cowboyfilme geliebt", sagt sie. "Auch wenn die politische Botschaft im Western entsetzlich war. Das Töten der Indianer. Aber wenn wir als Kinder Cowboy und Indianer spielten, wollte ich immer der Cowboy sein. Ich war der Typ mit der Knarre. (Hot! Ja, sehr heiß.)"

Ein Mash up aus Historie und Fiktion

Tracey Moffatt Bild Polizist
"Drama"

"Als die weißen Geister kamen". Ein Filmschnipsel vom 26. Januar 1788. Dem Tag, an dem die ersten englischen Kolonisten Australien betraten. "Dieses Stück Zelluloid habe ich ein einer alten Büchse gefunden", sagt Moffatt. "Es wurde von Aborigenes gemacht. Vor 200 Jahren. Mit einer sehr primitiven Kamera, die Captain Cook zurückgelassen hatte. Sie haben den Eingang des Hafens von Sydney gefilmt. Man sieht hinaus und plötzlich bricht die Hölle los. Es ist das Chaos, das die erste britische Flotte verbreitet." Der letzte Augenblick vor der Invasion. Moffats Kunst ist traurig und komisch zugleich. Kitsch, Härte, Relevanz – bei Moffat geht das alles gleichzeitig: "Dieses Foto hat zwei Lesarten: Raubt er das Baby? Oder rettet er es? Ist er ein Dieb? Oder ein Retter? Ich nenne das Foto 'Drama'."

"Es geht um Voyerismus"

"Vigil". Nachtwache. In zwei Minuten Video verschneidet Moffatt die Gesichter weißer, klassischer Hollywoodstars mit Fotos von leidenen und toten Flüchtlingen. "Es geht um Voyeurismus", sagt sie. "Dass wir nur zuschauen, uns in der Sicherheit unserer Häuser zurücklehnen, hinter dem Fenster. Man könnte auch sagen, dass es um Rassismus geht. Hier sind ein paar Leute, die braunen Menschen auf Booten zuschauen. Wenn schwedische Mädchen in Bikinis wären auf den Booten, dann, sorry, würde die Geschichte der Immigration ganz anders verlaufen."

"Du bist wütend? Gut!"

Tracey Moffatt 3
Ihre Kunst soll provozieren

Das Video: quietschbunt. Montage und Musik: comicartig. Exploitation. Bisschen zynisch, oder? "Zynisch? In dem Sinne, dass wir uns das Desaster aus der Entfernung ansehen? Tun wir das nicht? Was hast du denn in dieser Flüchtlingssituation gemacht? Dieses Video bekommt die ganze Aufmerksamkeit. Es läuft draußen am Pavillon. Und das hat einen Grund. Wir kennen die Geschichter. Es hat dich provoziert? Du bist wütend? Gut!"

Autor: Andreas Krieger

Stand: 15.05.2017 12:11 Uhr

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