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Göttlich! – "Aida" mit Anna Netrebko

Göttlich! – "Aida" mit Anna Netrebko  | Video verfügbar bis 06.08.2018

"Aida" von Verdi. Und es ist alles dabei, was Salzburg braucht. Künstlerin Shirin Neshat führt Regie, Riccardo Muti dirigiert und Anna Netrebko singt die Titelpartie. Was soll da schon schiefgehen? Nun, die Netrebko singt nicht in der Orchesterhauptprobe, schaut nur zu, und die Elefanten und Pyramiden sind gestrichen. Doch dann, bei der Generalprobe ist alles: göttlich.

Jeder kämpft mit jedem

Dirigent Riccardo Muti
Dirigent Riccardo Muti

"Es läuft ... gut", sagt Anna Netrebko. "Viel Gerangel. Jeder kämpft mit jedem. Jeden Tag passiert was und man sagt sich: 'Oh Gott'. Aber wir kommen schon zurecht. Ich halte mich zurück. Arbeite hart. Weil es eine neue Rolle ist. Eine große Rolle. Die Arbeit mit Maestro Muti ist wunderbar. Das Orchester klingt fantastisch."

Riccardo Muti. Er will unbedingten Blickkontakt zu den Sängern. Kontrolle! Kaum einer hat die "Aida" so oft und so fulminant dirigiert wie er. Legendär sein Furor, sein Anspruch.

Eine rassistische Oper?

Regisseurin Shirin Neshat
Regisseurin Shirin Neshat

Regie führt die im Iran geborene, in New York lebende Foto- und Videokünstlerin Shirin Neshat. In "Aida", der Geschichte der heimatlosen Prinzessin, spiegelt sich ihre eigene Biografie. Die Geschichte einer, die nicht zurückkehren kann. "Lange wurde 'Aida' von den Intellektuellen des nahen Ostens als orientalisierende Oper betrachtet. Als rassistische Oper", sagt Shirin Neshat. "Weil darin die Ägypter und Äthiopier wirklich als Barbaren und Wilde beschrieben werden. Und sie hinterfragten die ganze Logik dieser Oper, die vor allem geschrieben wurde, um damals die Europäer in Kairo zu unterhalten."

Angst vor religiöser Bedrohung

Neshat inszeniert statische Tableaus. Vorne: das starre Herrschaftsgefüge, hinten: die der Heimat Entrissenen. Es geht natürlich um Macht. Der Kampf zwischen denen, die sie haben und denen, die sie nie hatten oder verloren haben. Die Angst vor einer diffusen religiösen Bedrohung, mal nicht aus europäischer Perspektive. An orthodoxe Priester erinnernde Männer verschwinden in einem Kaaba-artigen Block. Die religiösen Insignien und Stile verschwimmen. Etwas wird kommen.

Aida sieht aus wie Aida

Bühnenbild in Salzburg
Die Bühne in Salzburg - puristisch

Bühne und Kostüme entsprechen der Ästhetik, die man von Shirin Neshat kennt. Puristisch. Der Schmuck ist vom Sponsor: Swarovski.

"Ich mag die Einfachheit", sagt Anna Netrebko. "Nichts stört. Alles ist auf die Sänger konzentriert. Ich glaube, das mag Maestro Muti sehr gerne. Die Bühne sieht cool aus. Ich denke, es ist interessant. Ich bin froh über den Look von Aida. Sie sieht wie Aida aus. Was sehr gut ist. Und der Rest: Sie werden sehen. Sie werden nicht viel Neues finden. Es ist sehr statisch. Traditionell. Es sieht nur anders aus."   

"Aida" mit Anna Netrebko
Anna Netrebko

Sie hat es wieder geschafft. Auch als Aida ist Anna Netrebko fantastisch. Und das war erst die Generalprobe.

Autor: Andreas Krieger

Stand: 06.08.2017 16:32 Uhr

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