SENDETERMIN So, 06.08.17 | 23:35 Uhr | Das Erste

Die veränderliche Welt

Wiliam Kentridge im Porträt

PlayInstallation von William Kentridge
Die veränderliche Welt | Video verfügbar bis 06.08.2018

Hier musizieren die Geister, tanzen die Schatten. Ein Totentanz. Als 44 Meter langer Fries im Museum der Moderne. Die Schatten, die an Platons Höhle vorbeiziehen. Verletzte, Bedürftige. Solange der Tanz nicht aufhört, ist das Ende noch nicht gekommen. Gleichzeitig sagt dieser Tanz genau das: Der Tod ist auch hier.

Das Absurde in seinem Werk

Das Werk, die Kindheit des William Kentridge, ist geprägt vom Grauen der Apartheid. "Mit sechs Jahren habe ich Fotos vom Sharpeville Massaker gesehen. Das war ein Schock. Meine Eltern waren wütend wegen der Zustände in unserem Land. Anders als viele meiner Klassenkameraden, die die Apartheid als gegeben nahmen, war mir klar, dass ich in einem System lebte, das unnatürlich war. Das brachte das Paradoxe, den Widerspruch, das Absurde in meine Arbeit."

William Kentridge
William Kentridge

Apartheid, die Auswirkung auf das Leben einzelner, verarbeitete Kentridge zunächst in Trickfilmen. Sein Vater war Anwalt von Nelson Mandela und half zu beweisen, dass der Aktivist Steve Biko nach Folter durch die Polizei gestorben war. Seine Mutter war Bürgerrechtlerin. Ungerechtigkeit mit Wissen bekämpfen, das ist seine Überzeugung.

Nur ein Moment utopischer Hoffnung

"In den Sechziger und Siebziger Jahren ging man davon aus, dass die rationale Welt der Aufklärung den Lauf der Dinge bestimmt", sagt William Kentridge. "Liberale und demokratische Werte – die Herrschaft des Gesetzes und die Teilung der Gewalten – all das wurde als selbstverständlich erachtet. Manche Länder waren noch nicht so weit, aber das war nur eine Frage der Zeit und dann gäbe es ein Königreich der Vernunft. Heute sehen wir: Das war nur ein Moment utopischer Hoffnung. Sogar in Europa, in Großbritannien und Nordamerika können Dinge, um die Jahrhunderte gerungen wurde, die als selbstverständlich galten, vor allem der Schutz des Individuums, schnell ausgelöscht werden."

Die Verweigerung der Zeit

Alles wird vergehen. Der mahlende Strom. Für die "documenta 13" baute Kentridge diesen Raum. "The Refusal of Time". Die Verweigerung der Zeit. In der Mitte: ein webstuhlartiges Herz, einer dieser "melancholischen Elefanten", wie Charles Dickens die Fabrikmaschinen nannte. Auf Dickens Roman "Hard Times" bezieht sich diese Installation.

Zeichnung von William Kentridge
Zeichnung von William Kentridge

"Meine Mutter hat immer gesagt, ich sei schon mit drei ein Künstler gewesen. Die Wahrheit ist: Alle Kinder zeichnen. Nur ich habe vergessen aufzuhören."

Bis fast zur Abstraktion zerlegt er den Menschen ins Fratzenhafte. Seit 12 Jahren inszeniert er auch Opern. In der Zauberflöte lässt er ein Nashorn einen Purzelbaum schlagen. Das Schwere ganz leicht.

Die Welt ist veränderlich

Installation von William Kentridge
Installation von William Kentridge

"Die Welt ist gespalten. Es gibt Leute, die sich nur auf Fakten stützen, auf Sicherheiten", sagt William Kentrdige. "Da ist der Tisch. Er hat diese Größe, diese Höhe, er ist aus dieser Eiche gemacht. Er steht stabil auf vier Füßen. Und es gibt andere Menschen, zu denen ich mich zähle, die weniger sicher sind. Die sagen: Ich weiß, es ist ein Tisch. Aber man kann es auch als einen vorübergehenden Zustand sehen. Baum, Säge, Brett, Tisch, Feuer, Asche, Rauch. Der Tisch ist nur ein Moment. Ich möchte nicht nur den Prozess verstehen, sondern das Provisorische. Die Wahrnehmung von der Welt als veränderlich, nicht als gegeben."

Nun inszeniert er den "Wozzeck". Der Einzelne, ausgeliefert einer ungerechten Macht. Das ist sein Lebensthema.

Autor: Andreas Krieger

Stand: 06.08.2017 16:54 Uhr

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