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This is Congo

This is Congo
This is Congo

Ein Tag wie jeder andere. In der sogenannten Demokratischen Republik Kongo. Niemand hier, der nicht Familie und Freunde verloren hat. Das Chaos, der Hass, die Gier: tief verwurzelt. Krieg: seit Jahrzehnten. "Aus Sicherheitsgründen werde ich mich selbst Colonel 'Kasongo' nennen", sagt ein anonymer Informant. "Was ich Ihnen verraten kann, ist, dass ich ein hochrangiger Offizier in der kongolesischen Armee bin. Unsere Hoffnung war immer Stabilität in den Kongo zu bringen. Aber die Kämpfe gehen weiter."

Filmszene aus "This is Congo"
Filmszene aus "This is Congo"

Der Kongo. An Bodenschätzen überreich. Fruchtbar. Eigentlich gesegnet. 450 Stämme, über 100 bewaffnete Gruppen. Und eine Nationalarmee. "Die Nationalarmee ist in keinster Weise eine positive Streitkraft", sagt Regisseur Daniel McCabe. "Wir waren auch mit fünf oder sechs Rebellengruppen unterwegs. Wir haben überall recherchiert. Als wir anfingen, konnte man zur Nationalarmee keinen Zugang bekommen. Und sie gilt als die mit Abstand gefährlichste, bewaffnete Gruppe: die Nationalarmee. Es gab also viele Hürden zu überwinden. Und während sich die Medien ganz auf die Rebellen der M-23 konzentrierten, weil die M-23 zugänglich war und Berichterstattung ermöglichte, dachte ich mir: Ich sollte mich mit den Streitkräften der Regierung beschäftigen."

Ganz nah dran

This is Congo
Daniel McCabe

Vor neun Jahren ging der New Yorker Daniel McCabe erstmals in den Kongo. Fotografierte Kriegsopfer und die Auswirkungen der Öl-Ausbeutung ... Sechs Jahre arbeitete er an diesem Film, in dem er vor allem die Nationalarmee begleitet, was ihm eine bislang nie gesehene Nähe ermöglichte. Vom Training bis zum Kampf von Block zu Block ist er mit dabei, auch wie Protagonisten um ihn herum sterben. Begleitet wurde er vom kongolesischen Field Producer Horeb Bulambo Shindano, der heute in Amerika lebt. Gemeinsam reisten sie durch den Osten Kongos. An diesen Fronten haben auch Kindersoldaten gekämpft, ein Schlachthaus.

Das Chaos regiert im Kongo

Filmszene aus "This is Congo"
Horeb Bulambo Shindano

"Ich habe meine Brüder verloren. Ich habe viele Leute verloren", sagt Horeb Bulambo Shindano. "Hast du mein Bein gesehen? Eine Schussverletzung. Das Land ist in einer chaotischen Situation. Und die Regierung versagt dabei, die Bevölkerung zu schützen." Der zeigt die Militärs als verblendet, korrupt, gewalttätig. Der anonyme Insider, Colonel Kasongo, ist schon dreimal zu den Rebellen übergelaufen und jedes Mal wieder zurück zur Armee. "Unser Land hat keine wirkliche Führung. Unsere Nationalarmee ist planlos und schlecht bezahlt. Deshalb verlassen Soldaten die Armee, um sich den Rebellen anzuschließen. Die Regierung verhandelt mit diesen Rebellen und dann kehren diese zur Nationalarmee zurück. Oft mit in höheren Positionen als früher."

Die Schätze sind sein Fluch

"Die Regierung nutzt diese Armee aus", sagt Horeb Bulambo Shindano. "Es gibt Soldaten, wie die in unserem Film, die für die Bevölkerung kämpfen wollen. Sie fühlen sich wie Patrioten. Sowohl die politischen Führer als auch die Rebellen profitieren von der chaotischen Situation im Kongo." Sechs Millionen Menschen sind bis heute in diesem Krieg oder an Kriegsfolgen gestorben. Das Land sitzt auf noch unerschlossenen Bodenschätzen im Wert von geschätzten 24.000 Milliarden Dollar! Seine Schätze sind sein Fluch – die Gier wird nicht enden.

Autor: Andreas Krieger

Stand: 11.09.2017 08:24 Uhr

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