SENDETERMIN So, 18.06.17 | 23:30 Uhr | Das Erste

Brücken bauen mit Musik

Die Pianistin Danae Dörken

PlayDanae Dörken im Porträt
Brücken bauen mit Musik | Video verfügbar bis 18.06.2018

Danae Dörken ist erst 26 Jahre alt und eine der vielversprechendsten jungen Konzertpianistinnen. Sie hat bisher drei CDs veröffentlicht und gewann mit ihrem ausdrucksstarken, lyrischen Spiel zahlreiche Preise.

Besonders am Herzen liegt es der jungen Deutsch-Griechin, Brücken zu bauen, Menschen, Kulturen, Musikrichtungen zu verbinden. 2015 gründete sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester, der Pianistin Kiveli Dörken, auf Lesbos das "Molyvos International Music Festival". Es findet in diesem Sommer zum dritten Mal statt und wurde gerade mit dem "Classical:NEXT 2017 Innovation Award" ausgezeichnet.

ttt hat Danae und Kiveli Dörken auf der griechischen Insel bei den Festivalvorbereitungen und ihrer Arbeit mit Flüchtlingskindern besucht.

Griechisch-deutsche Wurzeln

Danae Dörken wurde 1991 in Wuppertal geboren und wuchs in Düsseldorf in einer deutsch-griechischen Familie auf. Mit fünf Jahren begann sie Klavier zu lernen und gewann schon nach sechs Monaten ihren ersten Wettbewerb.

Als Zwölfjährige wurde sie Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling, dessen Meisterklasse sie bis zu seinem Tod im Jahr 2012 besuchte. Seither unterrichtet sie der Pianist Lars Vogt. Regelmäßig gastiert sie bei großen Musikfestspielen und tritt in Konzerthallen wie der Philharmonie Köln, der Essener Philharmonie, der Tonhalle Düsseldorfer, dem Münchner Gasteig oder der Alten Oper Frankfurt auf.

Ein Festival für Ost und West

Blick auf das Dorf Molyvos
Blick auf das Dorf Molyvos

Das "Molyvos International Music Festival" entstand im Sommer 2015, als Lesbos zu einem Hotspot der Flüchtlingskrise wurde. Besonders viele Flüchtlinge strandeten im kleinen Dorf Molyvos, das nur wenige Kilometer von der Türkei entfernt ist.

In Molyvos verbrachten Danae und Kiveli Dörken oft die Sommerferien. "Unsere Großmutter stammt von hier", sagen sie. "Das ist das Griechenland, das wir kennen und lieben."

Die beiden Schwestern wollten einen Kontrapunkt zu Finanzkrise und Flüchtlingsdrama setzen. "Obwohl es eigentlich Zufall war, dass es so getimt wurde, hat es sich dann doch immer mehr so entwickelt, dass das Festival ein Symbol der Hoffnung sein sollte für die Leute, dass man in ein Konzert gehen kann und vielleicht etwas daraus mitnimmt für sein Leben, vielleicht mehr Kraft, mehr Freude und Hoffnung und Stärke", sagt Danae. Und Kiveli ergänzt: "Wenn in einem Ort so viele verschiedene Kulturen und Traditionen aufeinandertreffen, dann muss man sich positiv mit dieser Lage auseinandersetzen."

Kindheitstraum

Kiveli Dörken, Dimitris Triyfon, Danae Dörken in Molyvos
Kiveli Dörken, Dimitris Triyfon, Danae Dörken (v.l.n.r.) in Molyvos

Zum Gründungsteam gehört auch Dimitris Triyfon. Der Erbe eines griechischen Pharmaunternehmens hat die Finanzierung des Festivals ermöglicht. Unterstützt werden sie von Lars Vogt, der Sopranistin Marlis Petersen sowie den Kulturmanagern Andreas Richter und Jochen Sandig.

Zentraler Spielort ist eine mittelalterliche Burg, die über der Siedlung aufragt. "Das war immer so ein totaler Kindheitstraum wie eine Vision, dass wir eines Tages auf dieser Burg spielen werden", erinnert sich Danae Dörken.

"Katharsis"

Gerade laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Festival, das vom 14. bis zum 19. August stattfinden wird. Es steht unter dem Motto "Katharsis". "Die Insel hat ja unglaublich schwere Zeiten durchgemacht und sehr viele schlimme Sachen gesehen", sagt Danae Dörken. "Da fanden wir Katharsis als Thema sehr passend, so etwas Reinigendes, etwas, was uns läutert durch den Prozess auf der Bühne. Durch die Stücke, die gespielt werden, hat man als Zuhörer und auch als Musiker die Chance, etwas nochmal neu zu erleben und sozusagen wiedergeboren zu werden."

Wie schon in den vergangenen beiden Jahren haben sich auch diesmal bekannte Kammermusiker angesagt: darunter der Violonist Linus Roth und der Cellist Alexander Buzlov. Ein Abend ist dem jungen Publikum gewidmet, das Danae Dörken für klassische Musik begeistern will.

Mit Kindern und Jugendlichen arbeitet sie besonders gern. Deshalb engagiert sie sich auch in einem Musikworkshop für Flüchtlinge. "Ich denke, dass Musik etwas sehr Verbindendes hat und jegliche Barrieren durchbrechen kann. Sie ist eigentlich das ideale Mittel, um Flüchtlingskinder und griechische Kinder zusammenzubringen, denn man muss nicht dieselbe Sprache sprechen, man muss nicht denselben Hintergrund haben, man muss überhaupt nicht aus denselben Verhältnissen kommen, sondern während man ein Musikstück hört, ist man genau gleich wie jeder andere."

Autorin des TV-Beitrags: Marion Ammicht

Stand: 18.06.2017 16:21 Uhr

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Produktion

Diese Sendung wurde vom
Westdeutschen Rundfunk produziert.