SENDETERMIN So, 19.03.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Kunst aus Fleisch und Brot

Jana Sterbak im Duisburger Lehmbruck Museum

PlayJana Sterbak und ihr Werk "Mask"
Kunst aus Fleisch und Brot | Video verfügbar bis 19.03.2018

Jana Sterbak hat eine Vorliebe für außergewöhnliche Arbeitsmaterialien: Aus Fleisch, Brot, Eis oder Kleidung schafft sie Skulpturen und Objekte. 1987 schockierte sie die Kunstwelt mit einem Kleid aus rohem Fleisch mit dem Titel "Vanitas. Flesh Dress for an Albino Anorectic" und provozierte in Kanada einen Skandal. Heute hängt das Original im Pariser Centre Georges Pompidou. International bekannt wurde das Motiv 2010, als die Popkünstlerin Lady Gaga – inspiriert von Jana Sterbak – in einer Adaption des Fleischkleides bei den MTV Video Music Awards auftrat. Doch anders als die Popikone ging es der tschechisch-kanadischen Künstlerin weniger um den Skandal, sondern darum, das Altern sichtbar zu machen.

"Vanitas ist mit der Freiheit der Frauen sowie mit Vegetarismus und Tierschutz verknüpft worden ... Ich nehme an, dass diese Aspekte Teil des 'Gesamtbildes' sein können, jedoch geht es für mich in dem Werk um den Schrecken des Alterns und das Ablaufdatum aller lebenden Dinge", schreibt die 62-jährige Künstlerin im Katalog zur aktuellen Retrospektive "Life-Size. Lebensgröße" im Duisburger Lehmbruck Museum.

Geisterhafter Auftritt mit eigenem Werk

Jana Sterbak und ihr Werk "Mask"
Die Künstlerin Jana Sterbak präsentiert ihr Werk "Mask".

Anlässlich der ersten großen Einzelausstellung seit 2002 im deutschsprachigen Raum stellte die Künstlerin gemeinsam mit Museums-Mitarbeitern aus fast 30 Kilogramm rohem Rindfleisch das Kleid erneut her. Zum Treffen mit ttt schlüpfte sie aber in ihr jüngstes Kunstwerk "Mask" – ein Ganzkörperstrickkleid, das an eine Burka mit Gasmaske erinnert.

Jana Sterbak wurde 1955 in Prag geboren und wuchs in einem intellektuellen Haushalt auf. Noch als Jugendliche emigrierten sie 1968 zu Zeiten des Prager Frühlings mit ihren Eltern nach Montreal in Kanada. Sie studierte Malerei und Kunstgeschichte, lebte unter anderem in New York, Barcelona, Paris und heute wieder in Montreal. Der künstlerische Durchbruch gelang ihr mit der Ausstellung auf der Biennale di Venezia 1990 und einer Einzelausstellung in der National Gallery of Canada ein Jahr später.

Liebe, Leben und Tod als Thema

Eine zentrale Rolle bei ihrer Arbeit spielt die Auseinandersetzung mit dem Körper und der Identität. Ihre Werke kreisen um die großen Themen wie Liebe, Leben und Tod. Die bedeutende Konzeptkünstlerin liebt die Täuschungen, spielt mit den Sinnen des Betrachters und lässt ihn rätselhafte Bilder entschlüsseln. So wie beim Sysiphos-Rucksack – einem Felsbrocken, der wie ein Rucksack getragen wird und so gar keine Erleichterung schafft. Oder ihr erstes Werk "Measuring Tape Cones" aus dem Jahr 1979, für das sie Maßbänder zu Kegeln formte und auf das Modell einer Hand steckte. Eine Arbeit, die an die Hände einer Märchenhexe erinnert.

Werke aus 30 Jahren

Die Duisburger Ausstellung setzt den Körper und sein Maß in den Mittelpunkt. Bis zum 11. Juni 2017 werden insgesamt rund 40 Arbeiten aus über 30 Jahren ihres Schaffens gezeigt, darunter auch das "Bread Bed" aus dem Jahr 1996 – ein Bett mit einer überdimensionalen Brotscheibe als Matratze, mit dem sie ebenfalls das Altern und die Zeitlichkeit des Lebens veranschaulicht.

Autorin des TV-Beitrags: Katja Lüber

Stand: 19.03.2017 17:28 Uhr

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So, 19.03.17 | 23:05 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Westdeutschen Rundfunk produziert.