SENDETERMIN So, 19.11.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Im Kampf gegen Aids

Eine filmische Hommage an die Aktivisten der ersten Stunde

Hommage an die Aktivisten im Kampf gegen Aids | Video verfügbar bis 18.12.2017

Aids – "Geißel der Menschheit": Noch immer ist die HIV-Infektion eine schwere Erkrankung. Doch anders als zur Zeit ihrer Entdeckung wird sie nicht mehr als "Schwulenseuche" geächtet und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Zu verdanken ist das den Aktivisten der ersten Stunde – allen voran dem 1987 in New York gegründeten Interessenverband "ACT UP".

Robin Campillo hat den französischen "ACT UP"-Kämpfern in seinem Film "120 BPM" ein Denkmal gesetzt. Das Drama wurde bei den Filmfestspielen in Cannes als Meisterwerk gefeiert und mit drei der wichtigsten Preise ausgezeichnet: dem Großen Preis der Jury, der Queer Palm und dem FIPRESCI-Preis. Am 30. November kommt "120 BPM" in die deutschen Kinos. ttt hat den Regisseur in Paris getroffen.

Kampf gegen die Gleichgültigkeit

Filmszene aus "120 BPM"
Aufklärungskampagne in einer Schulklasse

Paris Anfang der 90er-Jahre: Wie in vielen anderen Metropolen leidet die französische Schwulen- und Lesben-Community unter der seit mehr als zehn Jahren wütenden Aids-Epidemie. Die große Mehrheit der Gesellschaft schweigt. Auch Präsident Mitterrand schaut weg und tut fast nichts, um den Betroffenen zu helfen. Die Pharmaindustrie hält wirksame Medikamente zurück, spielt auf Zeit und hofft auf größeren Profit in der Zukunft.

Doch genau daran fehlt es den jungen Schwulen: an Zeit. Eine Gruppe der Pariser "ACT UP"-Aktivisten will die Stigmatisierung nicht länger hinnehmen. Unter Führung von Thibault (Antoine Reinartz) planen sie spektakuläre Aktionen: Sie werfen mit Kunstblut gefüllte Wasserbomben gegen die Wände von Forschungseinrichtungen und kapern Klassenzimmer für Aufklärungskampagnen. Mit dabei sind auch Sophie (Adèle Haenel), Sean (Nahuel Pérez Biscayart) sowie Neuling Nathan (Arnaud Valois). Zwischen Sean und Nathan entwickelt sich bald eine Liebesbeziehung, doch Sean ist bereits an Aids erkrankt.

ACT UP gegen Aids

Filmszene aus "120 BPM"
Drastische Methoden

"120 BPM" ist ein Film über das Kämpfen – gegen die Bigotterie der Gesellschaft, die Ignoranz der Politik, die Geldgier der Pharmaindustrie, gegen Krankheit und Tod.

Regisseur Robin Campillo war ab April 1992 selbst Mitglied von "ACT UP" Paris. "Schon beim ersten Treffen war ich tief beeindruckt vom überschäumenden Temperament der Gruppe", erinnert er sich. "Es ist ein Film über die Zeit von ACT UP, als wir aufhörten, die netten Schwulen zu sein. Wir wollten mehr sein als nur Opfer. Wir wurden durch unsere Aktionen zu fiesen Schwulen und dreckigen Lesben. Wir mussten die Vorstellung der Gesellschaft von dieser Epidemie verändern!"

Gemeinsame Front

Robin Campillo
Regisseur Robin Campillo

"Es war ein Prozess der kollektiven Selbstermächtigung", sagt Robin Campillo. "Wir waren abgestempelt als diejenigen, die sowieso sterben würden. Es gab auch seitens der Regierung keinerlei Kommunikation mit uns. Wir waren sichtbar als Opfer, aber unsichtbar als Menschen, für die man hätte Präventionsmaßnahmen finden müssen. Es war diese Unsichtbarkeit, die unerträglich war."

Trotz der autobiografischen Bezüge ist die Geschichte von "120 BPM" fiktiv. "Zwischen der Handlungszeit des Films und heute liegen 25 Jahre. Den Verlauf dieser Zeit zu erkunden, hat mich besonders gereizt", sagt Regisseur Robin Campillo.

Sein Film ist kein historischer Rückblick, sondern ein leidenschaftlicher Aufruf, für unsere Ideale zu kämpfen - gemeinsam, furchtlos und wenn nötig auch mit harten Bandagen.  "Ich habe den Eindruck, dass bis heute unsere Regierungen – trotz aller Fortschritte in der Aids-Therapie – nicht genug tun, um Neuinfizierte ausfindig zu machen und zu schützen. Man darf mit den Kampagnen nicht aufhören und muss die Aufklärung über die Krankheit nicht moralisch, sondern pragmatisch vorantreiben."

Autorin des TV-Beitrags: Brigitte Kleine

Stand: 22.11.2017 12:03 Uhr

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