SENDETERMIN So, 20.11.16 | 23:20 Uhr | Das Erste

Chronik der Grausamkeit

Ein Kino-Drama über sexuellen Missbrauch in der Familie

Filmszene auf einem Boot mit Vater Markus, Mutter Monika und Sohn Adam
Bedrohte Familie: Vater Markus, Mutter Monika und Sohn Adam

Es ist ein leiser und doch sehr aufwühlender Film. "Die Hände meiner Mutter" entfaltet ein Drama, das den Atem stocken lässt. Es geht um ein Tabuthema: den sexuellen Missbrauch einer Mutter an ihrem Sohn.

Nach "Bergfest" und "Nordstrand" schließt Florian Eichinger seine Trilogie über Familienverstrickungen und häusliche Gewalt ab. Das hochkarätig besetzte Drama wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und kommt am 1. Dezember in die Kinos. ttt hat den Regisseur getroffen.

Brüchige Idylle

Am Anfang ist alles gut: Familienidylle auf einem Schiff. Der 39-jährige Markus (Andreas Döhler) ist mit seiner Frau Monika (Jessica Schwarz) und dem vierjährigen Sohn Adam gekommen, um den Geburtstag seines Vaters zu feiern.

Als Adam mit einer kleinen Schnittwunde vom gemeinsamen Toilettengang mit Großmutter Renate (Katrin Pollitt) zurückkehrt, erinnert sich Markus zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm als Kind angetan hat, eine Grenzüberschreitung, die man einer Mutter nicht zutraut. Noch bewahrt er nach außen die Fassung. Doch die Erkenntnis trifft ihn wie ein Schlag.

Er beschließt, seine Frau in das Geheimnis einzuweihen und seine Mutter mit der Wahrheit zu konfrontieren. Ein schmerzhafter Prozess beginnt, der Markus fast in den Abgrund reißt und auch seine Beziehung mit Monika zu zerstören droht.

Innere Wunden

Filmszene aus "Die Hände meiner Mutter" mit Katrin Pollitt als Großmutter Renate
Großmutter Renate (Katrin Pollitt)

"Eltern haben eine ungeheure Macht und Verantwortung gegenüber ihrem Kind", sagt Florian Eichinger. Das soll auch der Filmtitel vermitteln: Mütterliche Hände können liebevoll sein, beschützen und trösten. Sie können aber auch – und das ist der oft verdrängte Skandal – tief und nachhaltig verletzen.

In seiner Trilogie hat der Regisseur auf eindringliche Art und Weise unterschiedliche Facetten häuslicher Gewalt thematisiert. Dabei geht es ihm weniger um eine Schilderung des Geschehens als um die Beschreibung der Folgen für das weitere Leben. "Ich glaube, dass es von universellem Interesse ist, wie wir mit unseren inneren Wunden umgehen", sagt er und betont, dass auch sein jüngster Film trotz des drastischen Kerns eine universelle Familiengeschichte erzählt – von Liebe, Gewalt und vielleicht auch von Hoffnung.

Sexueller Missbrauch durch Frauen

Regisseur Florian Eichinger
Regisseur Florian Eichinger

"Bei den Recherchen zu 'Nordstrand' bin ich im Internet zufällig auf einen anonymen Erfahrungsbericht gestoßen", erinnert sich Florian Eichinger. "Ein paar Klicks später wusste ich, dass der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs die Zahl der Frauen unter den Tätern auf immerhin zehn bis 20 Prozent beziffert, bei angeblich enorm hoher Dunkelziffer. Meine erste Reaktion war: Warum hab' ich davon noch nie gehört?"

Weil, so sagen Fachleute, Mütter als Täterinnen ein gesellschaftliches Tabu sind, das sowohl im individuellen Erleben als auch auf gesellschaftlicher Ebene weitgehend verdrängt wird. Mit weitreichenden Folgen für alle Familienmitglieder und oft über Generationen hinweg.

Umso wichtiger sind Aufklärung und Sensibilisierung. Dazu will auch der Film "Die Hände meiner Mutter" beitragen, ohne zu skandalisieren und immerhin mit der Perspektive, dass es doch einen Weg aus der Ausweglosigkeit gibt.

Stand: 21.11.2016 10:00 Uhr

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