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Menschenrecht auf Migration

Die bewegende Doku "Als Paul über das Meer kam"

Die bewegende Doku "Als Paul über das Meer kam" | Video verfügbar bis 27.08.2018

Der Dokumentarfilm "Als Paul über das Meer kam " ist ein sehr persönlicher, unter die Haut gehender Beitrag zur Migrationsdebatte. Regisseur Jakob Preuss hat den Kameruner Paul Nkamani bei seiner Flucht aus Afrika nach Europa begleitet: von der marokkanischen Küste bis zur Abschiebehaft im spanischen Tarifa. Von dort ist er ihm nach Paris gefolgt, ins Erstaufnahmelager nach Eisenhüttenstadt und nach Berlin. Seine Doku ist mehrfach ausgezeichnet worden und kommt am 31. August in die Kinos. ttt hat Jakob Preuss und Paul Nkamani in Berlin getroffen.

Begegnung in Marokko

Es war eine dieser Begegnungen, die das Leben verändern. 2014 lernte der Filmemacher Jakob Preuss auf einer Recherchereise entlang der europäischen Außengrenzen Paul kennen.

Paul hatte seine Heimat Kamerun verlassen, weil er dort für sich keine Perspektive sah. Durch die Sahara war er bis an die Küste Marokkos gelangt. Dort lebte er nahe der spanischen Exklave Melilla in einem Wald und wartete auf seine Chance, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen.

Jakob Preuss wollte zunächst einen Film über das europäische Grenzregime machen. Doch die Begegnung mit Paul "wirbelte mein Konzept durcheinander", sagt er. "Wer den Film sieht, wird verstehen warum."

Reise durch Europa

Tatsächlich gelingt es Paul, einen Platz in einem Schlauchboot zu ergattern und nach Spanien überzusetzen. Die Überfahrt endet tragisch. Paul hat Glück und überlebt, anders als viele seiner Mitreisenden, die bei der zweitägigen Odyssee ums Leben kommen. Als Jakob die Bilder in den Nachrichten sieht, ist er schockiert. 

In Tarifa, der südlichsten Stadt auf dem europäischen Festland, kommt Paul für zwei Monate in Abschiebehaft. Nach seiner Entlassung trifft Jakob ihn in einer Flüchtlingsunterkunft wieder.

Solidarität und Verantwortung

Paul und Jakob bei den Dreharbeiten
Paul und Jakob bei den Dreharbeiten

Weil die Bedingungen für Flüchtlinge in Spanien schlecht sind, beschließt Paul, nach Deutschland weiterzureisen. Jakob muss sich entscheiden: Soll er Paul aktiv unterstützen oder der distanziert-beobachtende Filmemacher bleiben? "Das war für mich die intensivste Zeit, wo ich beschlossen habe, ich helfe ihm jetzt, ich suche ihm eine Unterkunft in Paris, ich ändere jetzt meine Rolle, ich bin nicht mehr der Außenstehende, der das nur beobachtet." Ein Rollenwechsel, den der Regisseur in seinem Film immer wieder reflektiert. "Man sieht es im Film, ich greife ein, ich bin dauernd im Konflikt mit mir selbst – da hatte ich keine großen politischen Leitlinien. Diesem Dilemma muss man sich stellen, so ist es nun mal."

Pauls Geschichte

Szene am Kaffeetisch bei Jakobs Familie
Bei Jakobs Eltern in Berlin

"Ich war am Anfang ein bisschen vorsichtig, da ich nicht genau wusste warum er diesen Film machen will oder was er damit beabsichtigt", erinnert sich Paul an die Begegnung mit Jakob. "Aber mit der Zeit hat er uns gut erklärt, warum er diesen Film macht und warum er mich begleiten will. Seitdem haben wir zusammen weitergemacht – bis heute."

Pauls Weg führt über Paris quer durch Europa in ein Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt, wo er im Mai 2015 Asyl beantragt, und von dort bis nach Berlin. Viereinhalb Jahre nach Beginn seiner Flucht zieht er bei Jakobs Eltern ins ehemalige Kinderzimmer des Regisseurs ein.

Menschenrecht auf Migration?

Seine Bereitschaft, Jakob an seiner Geschichte teilhaben zu lassen, war ein Glücksfall für den Film. Sie ermöglicht es den Zuschauern, die Flüchtlingsdebatte mit anderen Augen zu sehen. "Viele wissen nicht, warum Menschen aus Afrika nach Europa kommen und welche Gründe sie antreiben", sagt Paul.

Deutlich wird aber auch, wie schwierig es für die Flüchtlinge ist, Fuß zu fassen. "Bei uns ist es so, die Leute die schon in Europa angekommen sind, erzählen nicht die Wahrheit. Sie verstecken immer die schlechte Seite und zeigen nur die schönen Bilder auf Facebook." Er selbst arbeitet mittlerweile als Pflegeassistent in einem Altenheim, weiß aber nicht, ob er bleiben darf oder nicht. "Seit zwei Jahren bin ich jetzt schon hier und meine Situation ist noch immer unklar – man muss kämpfen, um zu leben. Irreguläre Migration kann ich keinem empfehlen."

 Was aber ist dann möglich und machbar? "Im Kern", so Jakob Preuss, "bleibt für mich die Frage, die ich mit Zitaten am Anfang des Films aufwerfe und die für mich weit über die derzeitige Asyldebatte hinausgeht: Sollte es ein Recht auf Migration geben?"

Autorin des TV-Beitrags: Hilka Sinning

Stand: 28.08.2017 09:09 Uhr

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