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Caroline Peters bei der Ruhrtriennale

"Kein Licht" über den atomaren Super-GAU

Caroline Peters bei der Ruhrtriennale | Video verfügbar bis 27.08.2018

Als "eine Art apokalyptische Endzeitparty" hat Regisseur Nicolas Stemann seine Inszenierung von Elfriede Jelineks "Kein Licht" angekündigt.

Die Literaturnobelpreisträgerin hat ihren 2011 entstandenen und 2012 erstmals überarbeiteten Text zur Atomkatastrophe von Fukushima für die Ruhrtriennale aktualisiert. Philippe Manoury, bekannt für seine experimentellen Kompositionen, hat die Musik dazu geschrieben. Die Uraufführung ist am 25. August in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord. ttt war bei den Proben dabei und hat mit der Schauspielerin Caroline Peters und Regisseur Nicolas Stemann gesprochen.

Unsichtbare Strahlung

Elfriede Jelinek
Literaturnobelpreisträger Elfriede Jelinek

Er lässt einem das Blut in den Adern gefrieren: Elfriede Jelineks Text "Kein Licht". Ohne dass auch nur einmal das Wort Fukushima fiele, handelt er von den katastrophalen Folgen des atomaren Super-GAUs. Wie eine "Verdüsterung, die nie mehr verschwindet" umkreisen ihre Worte ein Phänomen, das uns alle bedroht: die unsichtbare Strahlung, die Kontaminierung von Körper, Geist und Seele, die allmähliche Zerstörung von Individuum und Gesellschaft.

Gnadenlose Abrechnung

2012 – nach Angela Merkels Ankündigung der Energiewende – hat die Schriftstellerin den Text fortgeführt. Und nun 2017 hat sie unter dem Eindruck von Donald Trumps Umwelt- und Atompolitik das Stück erneut aktualisiert und zugespitzt. Das Update trägt den Titel "Der Einzige, sein Eigentum (Hello darkness, my old friend)". Es ist eine wütende, gnadenlose Abrechnung mit dem US-Präsidenten, der dabei ist, unser aller Zukunft zu verspielen.

Nicholas Stemann
Regisseur Nicholas Stemann

"Der neue Text ist erst vor wenigen Wochen entstanden, konnte aber noch in die Komposition von Philippe Manoury einfließen", sagt Regisseur Nicolas Stemann, der schon oft mit Elfriede Jelinek zusammengearbeitet hat. "Sie führt darin die Diskrepanz zwischen technischem Potenzial und der Beschränktheit menschlicher Vernunft beunruhigend vor Augen."

Work in progress

Wie immer hat sie kein abgeschlossenes Drama vorgelegt, sondern einen ausufernden Text. "Es ist wie ein Berg, durch den wir uns hindurcharbeiten", sagt Caroline Peters. "Die Hauptherausforderung bei den Proben ist, dass wir stündlich den Text ändern".

Bekannt geworden ist sie mit Kino- und TV-Produktionen ("Mord mit Aussicht"). Für ihre Arbeit auf der Bühne – seit über zehn Jahren ist sie Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters – wurde sie 2016 zur "Schauspielerin des Jahres" gekürt. In "Kein Licht" spielt sie neben ihrem Kollegen Niels Bormann ein Elementarteilchen, das durch den Raum irrt. Mit dabei außerdem: 16 Musiker, vier Solisten, vier Chorsänger und ein Hund.

Thinkspiel statt Singspiel

Das Besondere, so Regisseur Nicolas Stemann, ist der "Work-in-progress"-Charakter. Es gibt keine fertige Partitur, sondern Module, die erst wie ein Puzzle zusammengesetzt werden müssen. "Sie werden verwoben mit Szenen ohne Musik und Sequenzen, die mit Live-Elektronik arbeiten, die teils direkt von der gesprochenen Sprache angesteuert wird", erklärt der Regisseur. "Teile der Musik entstehen also erst während der Vorstellungen. Andere sind natürlich vorkomponiert."

Szenenfoto aus "Kein Licht" mit Caroline Peters
Szenenfoto mit Caroline Peters

Ein Stück, das auf der Bühne weiterdenkt: "Philippe Manoury hat es Thinkspiel statt Singspiel genannt", erläutert Caroline Peters. "Das ist für mich eine vollkommen neue Erfahrung." Wie sich die "apokalyptische Endzeitparty" in Echtzeit entwickelt, ist nach der Uraufführung am 25. August noch am 26. und 27. August sowie am 1., 2. und 3. September zu sehen.

Autor des TV-Beitrags: Eric Brinkmann

Stand: 28.08.2017 09:10 Uhr

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