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Ein viel diskutierter Film: "U– July 22"

Schauspielerin Andrea Berntzen
Schauspielerin Andrea Berntzen | Bild: Agnete Brun

Kann man das Unfassbare verfilmen? Darf man es? Ole Martin Slyngstadli hat das Massaker von Utoya überlebt – und zweifelt anfangs daran, dass es Stoff für einen Film sein kann. "Der schlimmste Tag meines Lebens sollte nachgestellt werden – natürlich hatte ich Zweifel. Aber als ich mit dem Filmteam sprach, hatten sie gute Antworten auf meine Fragen. Ich fragte, welchen Sinn hat der Film? Sie sagten: wir werden nicht über den Terroristen sprechen, wir wollen von denen erzählen, die dort waren, von denen die überlebt haben und von denen die nicht mehr leben...", so Ole Martin Slyngstadli,

Ole Martin Slyngstadli
Ole Martin Slyngstadli

Vor 7 Jahren ist Ole Martin Slyngstadtli 18 Jahre alt – und einer von 500 Jugendlichen, die auf der Insel Utoya in einem Sommercamp der norwegischen Arbeiterpartei zusammenkommen. Ein rechtsextremer Attentäter richtet hier ein Blutbad an, feuert wahllos auf die jungen Menschen. Einige versuchen sich zu verstecken, andere davon zu schwimmen. 69 sterben. Ole Martin Slyngstadli versteckt sich am Wasser und kümmert sich um ein schwerverletztes Mädchen.

72 ewige Minuten

72 ewige Minuten dauert es, bis Hilfe für die Jugendlichen kommt. Erik Poppe lässt die Zuschauer das in seinem Film nachspüren: 72 Minuten, ohne einen Schnitt. Die Geschichte: erfunden, doch angelehnt an das was Überlebende erzählt haben. Viel wird auf der Berlinale über den Film diskutiert: Zu reißerisch? Zu kitschig? Er wolle keine Wunden aufreißen, sagt Erik Poppe, sondern zur Heilung beitragen. "Wenn es nicht um Heilen geht, dann doch zumindest darum es durchzustehen, damit umzugehen. Es gab verschiedene Bücher, aber es scheint, Worte können nicht beschreiben, was die Jugendlichen in dieser Stunde erlebt haben. Aber Film hat die Kraft das zu tun.", so der Regisseur.  

Der Terror auf Utoya hat Norwegen schwer traumatisiert. Der Attentäter ist mittlerweile verurteilt, das Land hat sich noch nicht erholt. Ist es zu früh für diesen Film? Nein, sagt der Journalist Kjetil Lismoen –  für ihn ist es ein wichtiger Film. "Ich bin froh, dass der erste Film über das Attentat ein norwegischer Film eines norwegischen Regisseurs ist. Das ist wichtig, die Gesellschaft ist nach der Tat enger zusammengerückt und immer noch verwundbar wenn es zu diesem Thema kommt."

Der Film über das Massaker auf Utoya: für viele verstörend. Für Ole Martin Slyngstadli aber hat er auch etwas Befreiendes. "Seht euch diesen Film an", kann er jetzt sagen,"und ihr könnt fühlen, wie wir uns gefühlt haben."

Schlussapplaus
Schlussapplaus

Autorin: Anna Bilger

Stand: 22.02.2018 15:07 Uhr

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Rundfunk Berlin-Brandenburg
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