SENDETERMIN So, 30.10.16 | 23:05 Uhr | Das Erste

Was verraten Hände? – Ein faszinierendes Fotobuch

Fotograf: Walter Schels
Fotograf: Walter Schels

Was erzählen Hände über einen Menschen? Für den Fotografen Walter Schels sind sie die ausdrucksvollste Partie des Körpers. Walter Schels ist ein leidenschaftlicher Erforscher der menschlichen Physiognomie. Nun legt er mit seiner Frau Beate Lakotta einen neuen, beeindruckenden Fotoband vor: "Hände".

Zahlreiche Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur – wie Yehudi Menuhin, Campino, Angela Merkel. Entstanden sind eindringliche Schwarz-Weiß-Fotos von Gesichtern und Händen.

Walter Schels Fotoband "Hände"

Fotograf: Walter Schels
Fotograf: Walter Schels

Da ist sie wieder – die Frage: Wer sind wir am Anfang. Nur ein weißes Blatt, das erst mit der Geburt beschrieben wird. Die Linien einer Hand sind bereits im vierten pränatalen Monat ausgeprägt. Dieses Grundmuster bleibt ein Leben lang erhalten. Der international renommierte Fotograf Walter Schels ist ein rigoroser Erforscher der menschlichen Physiognomie. Warum sind wir wie wir sind? Woher kommt die Individualität des Menschen? Und wie bildet sie sich ab? Das sind die Fragen, wenn er durch seine Kamera auf einen Menschen schaut. Er hat die Porträts fotografiert, um den Menschen vom Wesentlichen her näher kennenzulernen und dazu gehören für ihn die Hände.

Was können Hände über einen Menschen erzählen?

Angela Merkel fotografiert von Walter Schels
Angela Merkel fotografiert von Walter Schels

Zukunfts- und Schicksalsdeutereien haben nach Schels das Handlesen in Verruf gebracht. Der Kernphysiker Carl Friedrich von Weizsäcker war ein Freund der Handlinien und ihrer Lesbarkeit, auch wenn er das lieber für sich behielt. Er betrieb sogar private Studien. Von Walter Schels nach einem schlüssigem Prinzip befragt, erklärte er: "Ich weiß nur, dass es funktioniert. Aber ich weiß nicht, warum." In früheren Zeiten war es selbstverständlich, von Personen der Zeitgeschichte nicht nur ein Porträt des Gesichts anzufertigen. Goethe, Strawinsky, Stalin – von allen gibt es neben Gipsmasken auch Handabdrücke oder -zeichnungen. Viele der Porträtierten waren jedoch überrascht, als Walter Schels sie auch darum bat, die Hände zu fotografieren. Der Dalei Lama war beispielsweise sehr interessiert und meinte, dass noch kein Mensch seine Hände fotografiert hat. Er wollte gleich von Walter Schels wissen, was er sehen kann. Sobald Walter Schels diese Frage gestellt wird, kann auf einen knappen Fototermin ein langes Gespräch folgen. Selbst abgeklärte Menschen, die Handlinien für bedeutungslos halten und die Beschäftigung damit für esoterischen Mumpitz, reagieren neugierig.

Hände als Ausdruck unseres Wesens

Günter Grass fotgrafiert von Walter Schels
Günter Grass fotgrafiert von Walter Schels

Unsere Hände sprechen, wenn wir gestikulieren. Und wenn wir einen anderen Menschen berühren, werden bis zu 17 000 Tastzellen aktiv. Die Hand ist also ein unfassbar komplexes Sinnesorgan. Erst durch die Hand wurde das Tier zum Menschen, erst mit ihr entwickelten sich Gehirn und Geist. Darüber schreibt Publizistin Beate Lakotta, die Frau von Walter Schels in ihrem spannenden Begleit-Essay. Menschen haben sich ja schon immer mit Händen beschäftig. Sie sind vor allem der Frage nachgegangen, ob sich in unseren Händen eine Art Skript befindet oder ein bestimmtes System, das in ein Rechenschema passen könnte. Dass was wir Intuition nennen, wird von der Wissenschaft praktisch erforscht. Laut Walter Schels gibt es wirklich ein Wissen, das man aus der Hand lesen kann, und es gibt viel Unfug. Hände verraten nichts über einen Menschen, sagt Walter Schels. Aber sie machen etwas von uns sichtbar, wie das Gesicht, ein Bluttest oder ein Genanalyse. Sie sind ein Ausdruck unseres Wesens. Und dies zeigt der Bildband, der so unspektakulär, schlicht und eindrucksvoll ist, wie sein Titel: Hände.

Autor: Lutz Pehnert

Stand: 31.10.2016 16:25 Uhr

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