SENDETERMIN So, 31.05.15 | 23:05 Uhr

Endspiel am Amazonas

Ein Aufruf zur Rettung tropischer Regenwälder

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Endspiel am Amazonas: Aufruf zur Rettung der Regenwälder | Video verfügbar bis 31.05.2016

Palmöl aus Asien, Rindfleisch und Soja aus Brasilien: Die Nachfrage nach Fleisch, Futtermitteln und Biokraftstoffen steigt in den Industrie- und Schwellenländer stetig. Immer mehr muss deshalb produziert werden. Doch das hat katastrophale Konsequenzen, vor allem für die tropischen Regenwälder.

Für den Anbau werden riesige Flächen abgeholzt. Das nimmt nicht nur Tieren und Pflanzen ihren Lebensraum, sondern befeuert auch den Klimawandel. Eine gefährliche Mischung, auf die der Schweizer Umweltschützer Claude Martin in seinem soeben erschienenen Bericht an den Club of Rome aufmerksam macht. "Das Zusammentreffen von Agrarindustrie, Klimawandel und Zerstückelung der Flächen durch Straßen ist ein tödlicher Giftcocktail", kritisiert der langjährige Generaldirektor des WWF International, der sich seit vielen Jahren für den Schutz der Regenwälder engagiert.

Der Club of Rome wurde 1968 gegründet. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Bereits das erste 1972 erschienene Papier "Grenzen des Wachstums" sorgte weltweit für Aufsehen. Bericht Nr. 34 liefert unter dem Titel "Endspiel - Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können" einen Zustandsbericht der Regenwälder und wagt eine Prognose für die Zukunft.

Regenwälder werden "aufgefressen"

Die Lage sei nicht hoffnungslos und das Schicksal der Tropenwälder nicht besiegelt, glaubt Claude Martin. Dennoch warnt der 69-jährige Biologe davor, erste Erfolge der Schutzprogramme wieder zu gefährden: "Wir sind im Begriff, den Regenwald aufzuessen, und zwar auf sehr unnachhaltige Weise." Fast die Hälfte der Tropenwälder sei in den letzten 30 Jahren verschwunden.

Palmöl – ein lukrativer und gefragter Rohstoff

Besonders rücksichtslos wird der Regenwald in Indonesien vernichtet. Dort sind nach Angaben der Zeitschrift "Nature Climate Change" zwischen 2000 und 2012 mehr als sechs Millionen Hektar Primärwald abgeholzt worden. Gerodet werden die riesigen Flächen vor allem für die Produktion von Palmöl, das für die Herstellung von Margarine, Schokocreme, Shampoo oder Zahnpasta verwendet wird und hierzulande regelmäßig im Einkaufskorb der Verbraucher landet.

Produktion dehnt sich nach Afrika aus

Dies hat, so Claude Martin, "zu einigen der höchsten Entwaldungsraten geführt, die jemals registriert wurden". Mitverantwortlich macht der Autor dafür auch die Politik. Das Geschäft mit dem Palmöl ist lukrativ und fördert die Korruption im Land. Umweltschützer kritisieren schon lange Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Genehmigungen. Hinzu kommt der illegale Holzeinschlag, der ebenfalls zur Entwaldung beiträgt. "Solange die Korruption nicht drastisch eingedämmt werden kann, wird das Problem des illegalen Holzeinschlags nicht gelöst werden", heißt es in Martins Bericht an den Club of Rome. Mit Sorge blickt er auch nach Afrika, wo immer mehr Palmöl-Giganten aus Indonesien, Malaysia und Singapur nach neuen Anbauflächen suchen.

Brasilien setzt sein Erfolgsmodell aufs Spiel

Dagegen galt Brasilien lange als Vorreiter beim Schutz des Regenwaldes und als Erfolgsmodell. Doch das steht auf dem Spiel. Das Land ist reich an Bodenschätzen und die Industrie übt Druck auf die Regierung aus. Ein neues Bergbaurahmengesetzt sieht vor, dass bestehende Naturschutzgebiete aufgelöst und wirtschaftlich genutzt werden können. Umweltaktivisten kritisieren auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Die beiden Länder wollen beim Ausbau von Häfen, Flughäfen, Straßen, Eisenbahnlinien und der Landwirtschaft enger kooperieren und vereinbarten Investitionen in Milliardenhöhe. Die Straßen- und Schienenprojekte gelten als Einfallstore für illegale Holzfäller und Kleinbauern auf der Suche nach Ackerflächen.

Klimawandel setzt dem Regenwald zu

Doch nicht nur die Nachfrage nach Rohstoffen und der steigende Konsum setzen den Wäldern zu, sondern auch die globale Erwärmung. Dürren und Waldbrände könnten in Zukunft die Regenwälder weiter schrumpfen lassen und damit ihre Funktion als Treibhausgasspeicher beschränken.

Für Claude Martin steht fest: Es ist noch nicht zu spät, um die Zerstörung der Regenwälder aufzuhalten. Aber es ist allerhöchste Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. "Ich bin kein Fatalist und missbillige die Resignation jener, die behaupten, die Regenwälder der Erde seien schon längst verloren. Aber es ist auch klar, dass wir ohne entschlossenes gemeinsames Handeln alles verlieren könnten", schließt er seinen Bericht.

Claude Martin: Endspiel.
Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können
Oekom Verlag 2015, 352 Seiten, 22,95 Euro.

Stand: 01.06.2015 08:56 Uhr

Sendetermin

So, 31.05.15 | 23:05 Uhr

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