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Yavuz Ekinci: "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam"

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Yavuz Ekinci und der Krieg gegen die Kurden | Video verfügbar bis 27.03.2018

Eigentlich ist seine Heimat Kurdistan, im Südosten des Landes, doch dort führt die türkische Regierung Krieg. In Form von so genannten Antiterror-Einsätze, bei denen Siedlungen vernichtet und Menschen getötet werden.

Ekinci lebt heute in Istanul.
Ekinci lebt heute in Istanul.

Ekinci schreibt darüber, in Istanbul.

"Ich bin nicht nach Istanbul geflüchtet, sondern hier habe ich einen zweiten Wohnsitz. Ich pendele zwischen der kurdischen Stadt Batman und Istanbul. So kann ich als Schriftsteller Abstand zwischen mich und die Geschichten bringen und aus der Entfernung darüber schreiben, was mich bewegt."

"Ich zensiere mich beim Schreiben nicht"

Für Ekinci ist es nicht einfach, in einem Land wie der Türkei als Schriftsteller zu überleben. Noch schwieriger ist es für einen Schriftsteller hier, frei zu schreiben. Denn immer wieder werden Autoren wegen ihrer Werke oder wegen ihrer politischen Einstellungen verhaftet und kommen ins Gefängnis. Doch Selbstzensur aus Vorsicht ist für ihn keine Option:

Bildstark und packend geschrieben
"Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam" ist bildstark und packend geschrieben

"Ich zensiere mich beim Schreiben nicht. Auch nicht wegen eines möglichen Verhaftungsrisikos. Denn heutzutage wird man bereits wegen Kleinigkeiten für Jahre ins Gefängnis gesteckt oder sogar umgebracht. Ich komme aus einer Gegend, in der das Leben und der Tod immer in den überlieferten Geschichten anwesend waren."

Zwiesprache mit dem Tod in anmutiger Landschaft

Bislang hat Ekinci sieben Romane verfasst. Sein Buch "Der Tag an dem eine Mann vom Berg Amar kam" erschien nun zur Leipziger Buchmesse. Es ist eine so poetisch-bildstarke wie erschütternde Schilderung des Lebens in einem kurdischen Dorf, dessen Bewohner auf ihre Vernichtung warten. Die Kinder verstecken ihr Spielzeug und die Erwachsenen halten Zwiesprache mit dem Tod, umgeben von einer anmutigen Landschaft.  

4.000 kurdische Dörfer sollen in den letzten Jahrzehnten zerstört worden sein, ganze Städte sind inzwischen Ruinenlandschaften.
4.000 kurdische Dörfer sollen in den letzten Jahrzehnten zerstört worden sein, ganze Städte sind inzwischen Ruinenlandschaften.

Ekincis Buch spiegelt die Wirklichkeit. Seit fast zwei Jahren tobt in den Kurdengebieten der Türkei ein erbitterter Krieg: Die Armee ist im Einsatz gegen Kurden, die Selbstverwaltung verlangen. 4.000 kurdische Dörfer sollen in den letzten Jahrzehnten zerstört worden sein, ganze Städte sind inzwischen Ruinenlandschaften. Yavuz Ekinci bringt das alles um den Schlaf:

"In den letzten zwei Jahren ist der Krieg schlimmer geworden. Das macht mich traurig, es tut weh. Ich lebe ständig mit Schuldgefühlen. Denn plötzlich kriege ich mit, dass ein Freund von mir getötet wurde, oder spurlos verschwunden ist. Städte, die ich kenne, sind inzwischen dem Erdboden gleichgemacht worden. Das alles verursacht mir schlaflose Nächte, es macht mich zutiefst unglücklich."

Festhalten an der eigenen Identität

Inzwischen haben Hunderttausende Kurden ihre Heimat verlassen und leben in Metropolen wie Diyarbakir. An ihrer Identität halten sie fest. Trotz Verbots wurde das kurdische Neujahrsfest Newroz vor wenigen Tagen  gefeiert. 

Selbstzensur ist keine Option für Ekinci.
Ekinci sorgt sich um das Überleben der kurdischen Kultur.

In Istanbul hat Ekinci eine Ersatzheimat gefunden. Hier lebt und arbeitet er als Gymnasiallehrer. Auch wenn er davon nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, sei das Schreiben sein eigentlicher  Beruf, sagt er.

Doch in diesen Zeiten in der Türkei sei man einfach besorgt, so Ekinci, ob im Osten oder im Westen der Türkei, ob Kurde oder Türke.

Autor: Halil Gülbeyaz

Buchtipp
Yavuz Ekinci: "Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam"
Kunstmann, 192 Seiten, Preis: 18,00 Euro

Stand: 28.03.2017 13:54 Uhr

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