SENDETERMIN Sa, 02.06.18 | 16:00 Uhr | Das Erste

Wie essen bei Arthrose?

PlayGemüse
Wie Essen bei Arthrose?  | Video verfügbar bis 02.06.2023 | Bild: WDR

Klar ist: Körpergewicht und Ernährung haben einen Einfluss auf Schmerzen und Beweglichkeit unserer Gelenke. Doch wirklich eindeutige Ernährungsempfehlungen sind schwierig, solange noch nicht bis ins Detail geklärt ist, wie und warum genau Arthrose entsteht und voranschreitet. Ernährungsumstellung als isolierte Maßnahme zur Arthrosetherapie empfehlen deshalb weder naturheilkundliche noch konventionelle Mediziner. Beide geben Ernährungsratschläge meist in Kombination mit gelenkschonender Bewegung und anderen therapeutischen Maßnahmen. Denn eine spezielle Arthrose-Diät gibt es bislang nicht. In Studien wurden aber zumindest einige ernährungsmedizinische Ansätze untersucht. Zum Beispiel Gewürze wie Ingwer. In Asien gilt er als eine Art Wunderknolle und wird gegen die unterschiedlichsten Leiden eingesetzt – bei Erkältungen, Übelkeit und als Schmerzmittel. Aber taugt er auch gegen Arthrose?

Ingwer und andere Gewürze

Ingwerknollen im Vordergrund, Ingwer wird gemahlen im Hintergrund
Ingwer – eine Wunderwaffe gegen Arthrose? | Bild: WDR

Tatsächlich haben Wissenschaftler festgestellt, dass Ingwer die Bildung von Entzündungsstoffen unterdrückt, die normalerweise Schmerzen auslösen. Die Wirkstoffe aus dem Ingwer arbeiten also ganz ähnlich wie die klassischen Schmerzmittel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac. Ob das auch bei Arthrose funktioniert, haben die Forscher in einer Studie an 250 Patienten untersucht:  Die Probanden bekamen entweder zweimal täglich Ingwerkapseln, oder sie bekamen Kapseln ohne Ingwer – also ein Placebo. Das Ergebnis: Die Probanden in der Ingwergruppe brauchten weniger Schmerzmittel als Probanden, denen man ein Placebo gab. Und dabei ging es ihnen sogar noch besser, denn sie hatten weniger Nebenwirkungen. Allerdings nahmen die Probanden Kapseln mit Ingwerextrakt ein. Ob auch frischer Ingwer so stark wirkt, ist genauso unklar, wie die Frage, wie sich die Wirkung durch die Zubereitung verändert. Auch wenn nur eine kleine Zahl von Patienten untersucht wurde, gibt es erste Hinweise auf die Wirksamkeit von Ingwer. Abschließend untersucht ist seine Wirkung jedoch nicht.

Im Rahmen von Ernährungsansätzen aus dem Ayurveda bieten zum Beispiel die naturheilkundlichen Abteilungen der Kliniken Essen Mitte und des Berliner Immanuel-Krankenhauses den Einsatz von Ingwer und anderen Gewürzen an und begleiten dies wissenschaftlich. Bei der Arthrosebehandlung verweisen sie auf erste vielversprechende Daten, räumen jedoch selbst ein, dass noch nicht ausreichend klinische Studien vorliegen.

Denn alle Gewürzstudien haben dieselben Probleme: Oft werden verschiedene Substanzen in einer Studie geprüft, so dass unklar bleibt, wie sie einzeln wirken.

Das gilt auch für die beliebte Kurkuma. Für einen wissenschaftlichen Beweis reichen die wenigen Studien mit kleinen Fallzahlen bislang nicht aus. Wer aber gern mit Gewürzen kocht, macht mit Ingwer und Co zumindest nichts falsch.

Fleischlose Kost

Steaks in Nahaufnahme
Rotes Fleisch steht Im Verdacht, Arthrose zu fördern.  | Bild: WDR

Auf Fleisch zu verzichten ist eine weitere beliebte Empfehlung, die unter anderem der Arbeitskreis für Ernährungsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie ausgibt. Seine Empfehlungen zur entzündungshemmenden Ernährung unterscheiden sich kaum von denen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders rotes Fleisch ist im Verruf, verschiedenste Erkrankungen zu begünstigen. Die Forschungsergebnisse zur negativen, insbesondere entzündungsfördernden, Wirkung von tierischen Fetten stammen zwar meist aus der Rheumaforschung, doch dass tierische Fette auch Arthrose fördern können, erscheint logisch: Denn Fleisch enthält viel Arachidonsäure. Aus Arachidonsäure bildet der Körper Stoffe, die zu Entzündungen und Schmerzen am Gelenk führen können – soweit die Theorie.

Wer eine Zeit lang auf Fleisch verzichtet, soll demnach weniger stark geschwollene Gelenke und weniger Schmerzen haben. Einige Studien belegen diesen Zusammenhang für Rheumatoide Arthritis. Ob sich daraus 1:1 ableiten lässt, dass Fleischverzicht auch gegen Arthrose hilft, bleibt jedoch strenggenommen unklar. Und auch hier fehlen Studien mit größeren Fallzahlen.

Übergewicht reduzieren!

Gemüse
Gesünder essen und Übergewicht reduzieren – bei Arthrose immer ein Pluspunkt. | Bild: WDR

Unumstritten ist letztlich nur eine Empfehlung: Weniger und gesünder essen und dadurch abnehmen. Denn Übergewicht begünstigt die Arthrose. Der Grund dafür ist klar: Der Druck des Körpergewichts belastet die Gelenke – insbesondere in Knie und Hüfte. Und je weniger Gewicht sie zu tragen haben, desto mehr lässt dieser Druck nach. Dadurch nehmen die Schmerzen ab und die Bewegungsfähigkeit zu. Letztlich gilt daher für alle Arthrose-Ernährungsempfehlungen: Wenn die Ratschläge dazu führen, dass man sich bewusster ernährt und dadurch abspeckt, dann funktionieren sie. Abnehmen gilt deshalb auch als gute Vorbeugung gegen Arthrose. Es reduziert das Risiko des Knorpelabbaus, gibt allerdings keine hundertprozentige Gewähr für gesunde Gelenke. Denn oft sind noch weitere Faktoren wie Verletzungen, Fehlbelastungen und genetische Veranlagung am Entstehen der Arthrose beteiligt. Wer seine Gelenke da nicht noch zusätzlich durch Übergewicht belastet, tut ihnen aber in jedem Fall etwas Gutes.

Autorinnen: Katrin Krieft/Scarlet Löhrke (WDR)

Stand: 01.06.2018 14:22 Uhr

Sendetermin

Sa, 02.06.18 | 16:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste