SENDETERMIN Sa, 13.01.18 | 16:00 Uhr | Das Erste

Antillen-Ochsenfrosch: Pilz bedroht nicht nur seltensten Frosch der Welt

Antillen-Ochsenfrosch: Pilz bedroht nicht nur seltensten Frosch der Welt | Video verfügbar bis 13.01.2022 | Bild: BR

Die karibische Insel Dominica hat eine reiche Tier- und Pflanzenwelt. Wenn es Nacht wird, taucht der vielleicht erstaunlichste Inselbewohner auf: der nachtaktive Antillen-Ochsenfrosch. Über 20 Zentimeter lang und bis zu ein Kilo schwer, ist er einer der größten Frösche der Welt. Molekularbiologische Erbgutuntersuchungen zeigen, dass sich der Antillen-Ochsenfrosch vor über 20 Millionen Jahren von seiner Verwandtschaft auf dem Festland abgespalten und in der Folge eigenständig weiterentwickelt hat

Antillen-Ochsenfrosch: Ungewöhnliche Lebensweise

Antillen-Ochsenfrosch
Der Antillen-Ochsenfrosch gilt als Delikatesse und heißt deswegen auch "Mountainchicken" oder "Berghuhn". | Bild: BR

So ist die Fortpflanzung beim Antillen-Ochsenfrosch nicht froschtypisch: Die Tiere legen ihren Laich nämlich nicht im Wasser ab, sondern an Land, und zwar in eine Schaummasse verpackt. Das Schaumnest verfestigt sich zu einer zähen Hülle und schützt die Eier vor Austrocknung. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Jungtiere und ernähren sich während der ersten paar Tage in ihrem Schaumnest vom Dottersack in ihrem Bauchbereich. Dann arbeiten sie sich aus dem Schaumnest heraus und werden vom Weibchen mit Nahrung versorgt, und zwar in Form von unbefruchteten Eiern. Der Antillen-Ochsenfrosch ist nachtaktiv und verspeist praktisch alle Kleintiere, die er überwältigen und verschlingen kann – zum Beispiel Insekten und sogar kleine Echsen.

Pilzkrankheit bedroht seltensten Frosch der Welt

Daniel Nicholson mit einem Antillen-Ochsenfrosch
Daniel Nicholson versucht ein krankes Moutainchicken zu retten. | Bild: BR

Der Ochsenfrosch auf Dominica wurde jahrhundertelang als geschmackvolle Delikatesse gejagt und landetet als "Mountainchicken" ("Berghuhn") in den Töpfen der Inselbewohner. In den 1990er-Jahren wurden auf Dominica schätzungsweise bis zu 35.000 Frösche im Jahr gefangen und verspeist. Heute leben geschätzt nur noch 150 Tiere auf der Insel. Zum Glück snd ihm nur noch Wissenschaftler auf der Spur, denn der Amphibienriese ist vom Aussterben bedroht. Zusammen mit den Rangern vom Nationalpark, hat der Biologe Daniel Nicholson die Bewohner Dominicas überzeugt, die Frösche nicht mehr zu essen. Doch die Forscher werden bei ihren nächtlichen Gängen immer seltener fündig. 2002 erreichte eine Pilzkrankheit, die weltweit bei Fröschen und anderen Amphibien grassiert, auch das abgelegene Dominika. In nur 18 Monaten nach dem Nachweis der ersten Infektion waren 80 Prozent der Frösche tot.

Mit Haut- und Speichelproben versuchen Daniel Nicholson und die Ranger herauszufinden, warum einige wenige Exemplare immun gegen den Pilz sind. Vielleicht helfen die Proben dabei, ein Gegenmittel zu finden. Jedes neu gefangene Tier, ob krank oder gesund, bekommt einen Chip zur Identifikation. Daniel braucht den genauen Überblick über die Population und ihre Wanderungen.  

Zuchtprogramm auf Eis gelegt

Ein Antillen-Ochsenfrosch wird in einer Antipilz-Lösung gebadet
Daniel Nicholson badet einen Antillen-Ochsenfrosch in einer Antipilz-Lösung.  | Bild: BR

Die letzte Hoffnung ist eine Art "Festung" neben Dominicas Hauptstadt Roseau. In strenger Quarantäne leben hier acht Frösche im Rahmen eines Zuchtprogramms. Doch 2016 wurde ein Tier krank, ein Desaster, denn Desinfektionsschleusen und andere Sicherheitsvorkehrungen sollten genau das verhindern: So werden nur Insekten aus eigener Zucht verfüttert. Nach der Infektion hat der Biologe Daniel Nicholson die Zuchtversuche eingestellt und die Tiere isoliert. Das Desinfektionsbad ist das einzige, was Daniel für seine Patienten tun kann. Zweimal die Woche wäscht und wiegt er seine Lieblinge und jede Woche schwindet seine Hoffnung. Denn kein infiziertes Tier hat ohne menschliche Hilfe überlebt. Das Zuchtprogramm ist auf Eis gelegt.

Und dann kam noch die Hurrican-Saison 2017.  Mitte September zerstörte der stärkste registrierte Sturm aller Zeiten, Maria, Häuser und Vegetation auf Dominica, es gab viele Tote zu beklagen.  Und auch das Froschhaus wurde völlig zerstört, das Projekt musste eingestellt werden. Ob der Ochsenfrosch auf Dominica überleben wird, ist fraglich.

Die Suche nach einem Mittel gegen Chytridiomycosis

Daniel Nicholson fotografiert einen Antillen-Ochsenfrosch
Amphibien reagieren besonders empfindlich auf den Pilz Chytridiomycosis. | Bild: BR

Die von der Weltnaturschutzunion und Wissenschaftlern aus aller Welt durchgeführte Studie "Global Amphibian Assessment" (Weltweite Amphibienerhebung) hat aufgezeigt, dass beinahe die Hälfte der rund 6.000 auf der Erde vorkommenden Amphibienarten rückläufige Bestände haben und ungefähr ein Drittel aller Arten in ihrem Fortbestand gefährdet ist. Aufgrund der Besonderheiten in ihrem Körperbau reagieren Amphibien besonders empfindlich auf den Pilz Chytridiomycosis, der die Haut der Tiere stark angreift. Die Experten suchen noch nach Mitteln, wie sie dem Pilz beikommen können.

Autor: Florian Guthknecht (BR)

Stand: 12.01.2018 22:23 Uhr

Sendetermin

Sa, 13.01.18 | 16:00 Uhr
Das Erste