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Arthrose ist nicht einfach Verschleiß

PlayÄltere Dame betrachtet ihre Fingergelenke
Arthrose ist nicht einfach Verschleiß | Video verfügbar bis 02.06.2023 | Bild: WDR

Jahrzehntelang arbeiten unsere Gelenke perfekt. Sie funktionieren reibungslos, ohne dass wir daran einen Gedanken verschwenden müssen. Doch irgendwann beginnen die Gelenke ihre Beweglichkeit zu verlieren und zu schmerzen. Lange Zeit sind Forscher davon ausgegangen, dass die Gelenkknorpel mit der Zeit einfach verschleißen. Aber das ist ein großer Irrtum. Arthrose ist keine unvermeidliche Alterserscheinung, sondern kann jeden beinahe jederzeit treffen. Bei manchen setzt sie früh ein, andere verschont sie gänzlich. Forscher verfolgen in zwischen einen ganz anderen Erklärungsansatz: Arthrose ist ein aktiver biologischer Vorgang, bei dem der Knorpel – im Prinzip irrtümlich – vom Körper selbst abgebaut wird.

Korrektur eines langjährigen Irrtums: Arthrose ist nicht einfach Verschleiß!

Der Grundstein für den Knorpelabbau wird bereits in unseren ersten Lebensmonaten gelegt. Was bei vielen Menschen am Ende ihres Lebens geschieht, hat seinen Ursprung somit eigentlich ganz am Anfang des Lebens, sogar noch vor unserer Geburt: im Embryo. Dort läuft eine Art Urprogramm des Körpers ab: In der Embryonalzeit besteht unser Skelett zunächst ausschließlich aus Knorpelgewebe. Erst nach und nach wird dieses Gewebe zu Knochen umgebaut. Dies ist ein normaler, gesunder Prozess, denn schließlich benötigen wir das stützende Gerüst der Knochen um bewegungs- und lebensfähig zu sein. Der Knorpel bleibt nur an ganz bestimmten Stellen bestehen – an den Gelenken. Hier stoppt das Programm, denn an dieser Stelle dient das Knorpelgewebe als Gleit- und Schutzschicht der Gelenke.

 Das Knorpelgewebe: Stabilität durch ständige Erneuerung

Die Kombination aus einem stabilen Knochengerüst und einer schmalen Knorpelschicht ermöglicht uns unglaubliche Leistungen: Der Knorpel ist außerordentlich stabil. Er hält Lasten von mehreren hundert Kilo und erlaubt dem Gelenk flexible Bewegungen – selbst in extremen Positionen. Das schafft er durch seinen besonderen Aufbau: Die Knorpelschicht ist eine elastische Masse aus Wasser, Zuckereiweißen und mehreren Schichten von Kollagenfasern, die eng miteinander verflochten sind. In drei verschiedenen Lagen sind die Fasern unterschiedlich geschichtet: In der obersten Schicht sind sie horizontal angeordnet, in der mittleren Schicht eher diagonal und "ungeordnet", in der untersten Schicht vertikal. Durch diesen speziellen Aufbau ist der Knorpel unter anderem in der Lage, starke Stoßbelastungen und größere Gewichte auszuhalten und abzufangen.

Doch damit dies dauerhaft funktioniert muss das Knorpelgewebe ständig in Stand gehalten werden. Das erledigen die Knorpelzellen: Sie sitzen – allein oder zu zweit – in Hohlräumen dieses Gewebes: Fortwährend erneuern sie es und ersetzen alte Fasern und Eiweißketten durch neue.

 Abbau des Knorpelgewebes – das Urprogramm wird reaktiviert

Oft geht das viele Jahre gut. Bis schließlich etwas Merkwürdiges geschieht. Auf einmal tut sich in den Gelenken wieder etwas: Die Knorpelzellen selbst beteiligen sich am Abbau der Knorpelsubstanz und beginnen, sie zu zerstören. Abhängig vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Verletzungen, Fehlhaltungen, Übergewicht oder genetischer Veranlagung, kann dieser Prozess bei verschiedenen Menschen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten einsetzen: Dabei starten die Knorpelzellen ihr Urprogramm wieder und bauen – wie damals als Embryo – Knorpel ab. Einige Knorpelzellen sterben dabei. Andere verwandeln sich in Knochenzellen. Sie bauen den Knorpel zu Knochen um. Seitlich am Gelenk entstehen knöcherne Ausläufer – sie schränken seine Beweglichkeit zusätzlich ein. Das Programm, das uns als Embryo fit fürs Leben gemacht hat, macht uns jetzt steif und unbeweglich.

Autorin: Scarlet Löhrke (WDR)

Stand: 30.05.2018 23:12 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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