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Noch nie dagewesene Wucht: Hurrikan "Irma" zerstört Barbuda

PlayWarren Deazle in den Trümmern seines Hauses.
Noch nie dagewesene Wucht: Hurrikan "Irma" zerstört Barbuda | Video verfügbar bis 13.01.2022 | Bild: Florian Melzer

Die Menschen auf den Karibikinseln sind Hurrikans gewohnt. Die Stürme gehören schon immer zum Leben auf den Tropeninseln dazu – die Insulaner haben sich eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit ihnen angewöhnt. Doch durch den Klimawandel ändert sich das. Denn die Stürme werden immer zerstörerischer und bedrohlicher – für die Inseln und ihre Einwohner.

Barbuda – der Geheimtipp in der Karibik.

Strand von Barbuda
Unberührtes Paradies: Barbuda ist eine der wenigen Karibikinseln ohne Luxus und Jetset. | Bild: Florian Melzer

Auf Barbuda leben gerade einmal 1.800 Menschen. Anders als auf den meisten anderen Karibikinseln sind die kilometerlangen Sandstrände unberührt. Es gibt keine Luxushotels, keine Yachthäfen und auf dem kleinen Flughafen landen so gut wie nie Privatjets der Superreichen. Genau darauf sind die Einwohner von Barbuda stolz. Sie haben der Kommerzialisierung ihrer Insel bislang widerstanden. Die Grundstücke, auf denen ihre Häuser stehen, haben sie nie gekauft. Auf Barbuda darf jeder sein Haus da bauen, wo er möchte. Auch die Natur der Insel ist noch weitgehend intakt und unberührt. Eine besondere Attraktion ist die Fregattvogel-Kolonie. Mehr als 10.000 der Seevögel leben in den Mangroven vor Barbuda.

Über Nacht alles verloren

Warren Deazle in den Trümmern seines Hauses.
Warren Deazle in den Trümmern seines Hauses. Zwei Stunden lang wütete "Irma" auf Barbuda. | Bild: Florian Melzer

Als Warren Deazle hörte, dass mal wieder ein Hurrikan aufzieht, da ahnte er nicht, dass sich diesmal sein Leben verändern sollte. Wie immer, wenn sich einer der tropischen Stürme ankündigte, versammelte er die Familie bei sich zuhause. In seinem Steinhaus wähnten sich immer alle in Sicherheit. Doch diesmal kam es anders. Hurrikan "Irma" riss erst die Fenster raus, dann das Dach herunter. Schließlich stürzte eine Seitenwand ein, Trümmer flogen umher wie Geschosse. Wie durch ein Wunder blieb seine Familie unversehrt. Aber das Haus ist eine Ruine. Warren hat auf einen Schlag alles verloren – so wie viele Menschen auf Barbuda.

Hurrikan "Irma" zerstört Barbuda

Palmen von Hurrikan "Irma" zerstört
Auch die Vegetation wurde schwer getroffen. Doch die Natur wird sich fast vollständig regenerieren. | Bild: Florian Melzer

Am 6. September 2017 war Barbuda das erste Stück Land, auf das Hurrikan "Irma" traf. Mitten in der Nacht zog das Auge des Sturms direkt über die Insel. Erst zwölf Stunden später nahm die Welt Notiz von der Katastrophe. Auf der Hauptinsel Antigua, mit der Barbuda einen gemeinsamen Staat bildet, hatte der Premierminister nach dem Hurrikan nichts mehr von der kleinen Schwesterinsel gehört – er ging davon aus, dass lediglich die Telefonleitungen beschädigt seien und vielleicht ein paar Dächer abgedeckt wurden. Schließlich war Antigua glimpflich davongekommen. Doch als er sich mit dem Hubschrauber Barbuda näherte, wurde klar: "Irma" war der schlimmste Sturm, den Barbuda jemals erlebt hatte. 90 Prozent der Häuser waren beschädigt, fast ein Fünftel komplett zerstört.

Hurrikan "Irma" war ein Mega-Sturm

Container
Dieser Container liegt nach dem Hurrikan fast sechs Kilometer von dem Ort entfernt, an dem er vorher stand.  | Bild: Florian Melzer

Die Hurrikan-Saison im Atlantik dauert von Juni bis November. Hurrikans bilden sich ausschließlich über dem offenen Meer. Sobald das Wasser eine Temperatur von über 26,5 Grad erreicht, können die tropischen Wirbelstürme entstehen. Ihre Zerstörungskraft ist immens: ein Hurrikan der Kategorie 5 erreicht Windgeschwindigkeiten von über 252 Kilometer pro Stunde. Dann kann der Sturm sogar massiv gebaute Häuser zum Einsturz  bringen. Es drohen bis zu 5 Meter hohe Flutwellen. Hurrikan "Irma" war der erste Sturm, der eine konstante Windgeschwindigkeit von 297 km/h über 37 Stunden erreichte. Mit dieser Geschwindigkeit traf "Irma" auch Barbuda.

Klimawandel bedroht karibische Inseln     

Häuser und Tiere auf Barbuda
Vielleicht bald eine Insel ohne Menschen? Barbuda ist eine der am stärksten bedrohten Karibikinseln. | Bild: Florian Melzer

Der Klimawandel sorgt im Atlantik für steigende Wassertemperaturen. Deshalb ist es gängige Meinung unter Wissenschaftlern, dass die Anzahl und Stärke der Hurrikans zunehmen wird. Gleichzeitig sorgt die Klimaerwärmung für längere Trockenphasen auf den Inseln. Die Vegetation wird während dieser Dürreperioden geschwächt – und kann dann während eines Hurrikans den starken Winden weniger standhalten. Ein Teufelskreis, der nach Meinung der meisten Experten kaum noch zu stoppen ist. Vielen Karibikinseln droht daher in naher Zukunft das gleiche Schicksal, das bereits jetzt einige Südseeinseln ereilt: Sie werden unbewohnbar. Manche Karibikinseln liegen nur knapp über dem Meeresspiegel und sind zusätzlich durch dessen Anstieg bedroht. Dazu zählt auch Barbuda.

Autor: Steven Galling (NDR)

Stand: 12.01.2018 22:18 Uhr