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Was Bargeld kostet

PlayEine EC-Karte wird in einen Geldautomaten gesteckt
Was Bargeld kostet | Video verfügbar bis 22.04.2022 | Bild: NDR

Die Deutschen sind ein Volk von Barzahlern. Obwohl der Einzelhandel eine ganze Palette von Zahlungsmöglichkeiten anbietet, entscheiden sich die Verbraucher in vier von fünf Fällen für das Bezahlen mit Bargeld. Befragt zu den Gründen äußern die meisten, Bargeld sei halt praktisch und am kostengünstigsten. Doch stimmt das?

Unsichtbare Kosten durch Barzahlung

Während der reine Bezahlvorgang mit Bargeld für die Verbraucher tatsächlich kostenfrei ist, laufen durch den Einsatz von Barem in Wirklichkeit eine ganze Reihe von Kosten auf, die wir indirekt über Steuern, Gebühren und höhere Ladenpreise berappen. Forscher der Steinbeis-Hochschule in Berlin haben 2013 versucht, diese Kosten genauer zu beziffern: Einen verschwindenden Anteil spielen die Herstellungskosten: Eine Ein-Cent-Münze kostet zwar bekanntermaßen deutlich mehr als ein Cent (nämlich circa 1,65 Cent), aber Geldscheine sind vergleichsweise spottbillig zu produzieren: gerade einmal acht Cent pro Banknote. Alles in allem entstehen fürs Prägen und Drucken jährliche Kosten von etwa 72 Millionen Euro.

Bargeld: Kosten für den Einzelhandel

Kunden an der Kasse eines Supermarktes
Bargeld kostet den Einzelhandel 5,7 Mrd. Euro pro Jahr. | Bild: NDR

Der Großteil der Kosten fällt da an, wo das Bargeld ausgegeben wird: im Einzelhandel. Bargeld muss kassiert und Wechselgeld herausgegeben werden. Das Geld wird laufend eingesammelt, gezählt und bis zu seinem Abtransport gesichert. Allein für diese Vorgänge kalkulieren die Berliner Ökonomen einen Personalaufwand, der den Einzelhandel rund 5,7 Milliarden Euro pro Jahr kostet. Und das eingenommene Geld bleibt ja nicht in den Läden: Es muss zu einer Bank oder einem sogenannten Cash-Center transportiert werden. Dort wird es auf Echtheit überprüft, erneut gezählt und dann verbucht. Kosten für diesen Service: rund 660 Millionen Euro.

Wechselgeldmünzen verursachen hohe Zusatzkosten

Münzen aufeinander gestapelt
Wechselgeldmünzen verursachen hohe Zusatzkosten. | Bild: NDR

Überproportional teuer ist die Bereitstellung von vorsortiertem Wechselgeld in Münzform. Seit 2015 müssen auch Münzen vor der Wiederausgabe auf Echtheit überprüft werden. Ein Mehraufwand, den sich die Banken und Cash-Center natürlich bezahlen lassen. Die Folge: Gerade kleinere Händler, die nicht so vorteilhafte Konditionen aushandeln konnten, wie ihre größeren Konkurrenten, zahlen bis zu 60 Cent Zusatzgebühr pro Rolle Münzgeld. Im Extremfall kosten Ein-Cent-Münzen im Wert von 50 Cent den Händler also 1,10 Euro.

Nutzung von Bargeld kostet jeden Deutschen 130 Euro jährlich

Eine EC-Karte wird in einen Geldautomaten gesteckt
Wird immer teurer: das Abheben von Bargeld. | Bild: NDR

Und nicht nur von den Einzelhändlern kassieren die Banken erkleckliche Gebühren. Denn die Banken sind es, die unser Geld verwalten und verteilen. Das lassen sie sich großzügig entlohnen – durch Kontoführungs-, Aus- und Einzahlungsgebühren. Die Kosten für das Managen des Bargeldstroms durch die Banken veranschlagen die Ökonomen mit etwa 3,9 Milliarden Euro pro Jahr. Alles in allem kostet die Nutzung von Bargeld uns Deutsche jährlich rund 10,8 Milliarden Euro oder 130 Euro pro Kopf.

Autor: Thomas Wagner (NDR)

Stand: 22.04.2017 15:51 Uhr

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