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Warum sterben die Bienen?

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Warum sterben die Bienen? | Video verfügbar bis 12.09.2020
Imker untersucht seine Bienenstöcke
Imker Christoph Koch kämpft gegen das Bienenstreben.

1,2 Millionen Bienenvölker gab es 1990 in Deutschland. Heute sind es nur noch 700.000 – rund 40 Prozent weniger! Das hat Folgen: Immerhin bestäuben Honigbienen einen Großteil unserer Obst- und Gemüsepflanzen. Der Kampf gegen das Bienensterben ist deshalb in vollem Gange.

Rätselraten über die Ursachen            

Tote Honigbienen
Tote Honigbienen – woran sind sie gestorben?

Sie haben Eiszeiten getrotzt. Ihre Ausdauer ist überwältigend. Und ein Drittel von dem, was wir essen, gäbe es nicht ohne die Bienen. Ihre Bestäubung ist viele Milliarden Euro wert. Ihr Nutzen für das Leben auf dieser Erde - unschätzbar.

Christoph Koch hegt und pflegt 200 Bienenvölker. Doch der erfahrene Berufsimker aus Oppenau im Nordschwarzwald ist alarmiert. Was ist nur los mit seinen Freundinnen? Warum gehen sie millionenfach zugrunde? Seit Jahren, überall auf der Welt, still und leise. Die Wächterbienen in seinen Stöcken kommen kaum nach mit dem Abtransport der toten Artgenossen. Die Todesursache bleibt zunächst rätselhaft.

Monokulturen sind ein Problem

Rapsfeld
Problem Monokultur: Ist der Raps verblüht, hungern die Bienen.

Ist etwa die intensive Landwirtschaft Schuld am Tod der Bienen? Mit ihren riesigen Monokulturen? Ist in gigantischen Feldern der Raps erst mal verblüht, gibt es für Bienen nichts mehr zu holen. Sie hungern. Oft müssen Imker die Bienen deshalb schon im Juli füttern. Die Insekten finden einfach nichts Blühendes mehr in der ausgeräumten Landschaft. Hecken und Wiesen verschwinden, oder werden viel zu oft gemäht. Viele sprechen von einer "Vermaisung" der Kulturlandschaft. Diese Felder sind für Bienen wie eine Wüste.

Magerwiesen dagegen sind das Paradies. Sie werden nicht gedüngt. Wenig Nährstoffe führen zu großer Artenvielfalt: Mehr als 100 Pflanzenarten gedeihen hier, die unzählige, sehr spezielle Insekten anziehen. Ein Paradies für Hummeln und Wildbienen. Doch jährlich verschwinden mehr als sieben Prozent der Naturwiesen. Mit ihnen viele Insektenarten – und auch die Tiere, die sich von ihnen ernähren: Feldvögel wie Rebhuhn oder Feldlerche nehmen dramatisch ab.

Bienenfeind Varroa-Milbe

Varroa-Milbe
Die Varroamilbe gilt als Hauptfeind der Bienen.

Imker Christoph Koch muss noch ein weiteres Problem im Blick behalten: die Varroa-Milbe. Sie setzt den Bienenvölkern der Welt schon seit Jahrzehnten zu. Die aus Asien eingeschleppte Milbe ist mit dem Auge kaum erkennbar. Der Parasit befällt vor allem die Brut. Bettina Ziegelmann forscht an befallenen Bienenvölkern, in der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim in Stuttgart. Die braunen Milben sind nur etwa 1,5 Millimeter groß – aber unter Imkern gefürchtet. Sie saugen das Blut der Larven und übertragen dabei Krankheiten und Viren. Kann dieses winzige Tier für das massenhafte Sterben der Bienen verantwortlich sein? Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde ist sich sicher, dass die Varroa-Milbe unter allen Ursachen für das Bienensterben das größte Problem ist.

Ist das wirklich so? Imker Christoph Koch hat Zweifel. Er habe die Varroa-Milbe im Griff, sagt er. Sie sei jedenfalls nicht die alleinige Ursache des Übels.

Der Verdacht fällt auf Pestizide

Verstellt die Milbe tatsächlich den Blick auf ein weiteres, viel größeres Problem im Hintergrund? Christoph Koch hat einen konkreten Verdacht: Pestizide in der industriellen Landwirtschaft. Anfang der 1990er-Jahre kommt eine neue Gruppe von Pestiziden auf den Markt. Diese Substanzen werden als besonders schonende Schädlingsbekämpfungsmittel gefeiert. Ein Irrtum? Sind sie mitverantwortlich für das große Bienensterben?

Autor: Christoph Würzburger (SWR)

Stand: 11.09.2015 11:05 Uhr

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