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Das Wasserstoffauto hat verloren

PlayBrennstoffzelle im Labor
Das Wasserstoffauto hat verloren | Video verfügbar bis 28.04.2023 | Bild[1]: Istock photo

Das Brennstoffzellenauto wird mittlerweile in Großserie produziert. Das heißt, es gibt Wasserstoffautos beim Autohändler. Doch es ist unwahrscheinlich, dass sich die Technologie als Standard in Zukunft durchsetzen wird. Dabei hat die Technik viele Vorteile:

Tankvorgang dauert nur drei Minuten

Brennstoffzelle im Labor
Das Prinzip der Brennstoffzelle wurde bereits in den 1830er-Jahren entdeckt.  | Bild: Istock photo

Der Brennstoffzellenmotor ist ein einfaches und sauberes System. An eine Membran kommt von der einen Seite Wasserstoff aus einem Tank, von der anderen Seite Sauerstoff aus der Luft. Die Moleküle verbinden sich zu Wasser, dabei fließt Strom. Viele solcher Membranen übereinander geschichtet treiben einen Elektromotor an. Das Prinzip der Brennstoffzelle wurde bereits in den 1830er-Jahren entdeckt. In der Raumfahrt spielt die Technik schon lange eine Rolle. Für die Apollo-Mondmissionen lieferten Brennstoffzellen den Strom in den Raumfähren.

Ein Brennstoffzellenauto bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Reichweite ist fast genauso hoch wie bei heutigen Autos mit Verbrennungsmotor. Der Tankvorgang dauert nur drei Minuten. Wasserstoff kann aus Überschüssen von regenerativer Energie hergestellt werden. Das Brennstoffzellenauto kann also CO2-neutral fahren.

Langer Weg bis zum Wasserstoffauto 

Der NeCar1
Mercedes-Benz präsentiert 1994 sein erstes Brennstoffzellenauto | Bild: SWR

Bereits in den 1960er-Jahren forschte General Motors an einem Brennstoffzellenauto. 1994 präsentierte Mercedes-Benz den NeCar. Bis zur Serienreife sollten aber noch etliche Jahre vergehen. Die Gründe dafür: Die Einzelteile waren sehr teuer und die Energie aus dem Wasserstoff konnte lange nicht effizient genug genutzt werden. Kurz: Das Brennstoffzellenauto war einfach nicht wirtschaftlich. Später scheiterte die Markteinführung an den fehlenden Wasserstofftankstellen. Denn wer kauft schon ein Auto, das er nicht tanken kann?

Mittlerweile haben Toyota, Hyundai Honda und Mercedes-Benz Serien-Brennstoffzellenautos im Angebot. In Deutschland soll es bis 2019 zunächst 100 Wasserstofftankstellen geben. Dafür sorgt eine Firma, hinter der Autobauer, Mineralölfirmen und Industriegashersteller stehen. Das ist noch viel zu wenig. Experten gehen davon aus, dass man ungefähr 1.000 Wasserstofftankstellen bräuchte, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

Batterie überholt Brennstoffzelle

Mittlerweile sieht es so aus, als würde sich im Pkw-Bereich der batterieelektrische Antrieb gegen die Brennstoffzelle durchsetzen. Er ist billiger, kann Strom effizienter speichern und der Wirkungsgrad ist höher. Das heißt, Batterien können die gespeicherte Menge an Energie besser als Antriebsenergie auf die Straße bringen. Autos mit Batterien haben zwar eine geringere Reichweite als Brennstoffzellenautos. Eine hohe Reichweite spielt beim Pkw aber keine große Rolle. Deshalb findet die Brennstoffzelle in Zukunft wahrscheinlich seine Nische im Öffentlichen Nahverkehr, im Schwerlastverkehr und vielleicht im Luxussegment – große Autos mit hoher Reichweite, bei denen der Preis keine Rolle spielt.

Autor: Manuel Gerber (SWR)

Stand: 28.04.2018 15:15 Uhr

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