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Guadeloupe: Gespenstheuschrecken und Herkuleskäfer

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Guadeloupe: Gespenstheuschrecken und Herkuleskäfer | Video verfügbar bis 13.01.2022 | Bild: BR

Die zu Frankreich gehörende Insel Guadeloupe wächst Tausende Meter aus der Tiefe des Ozeans empor. Vulkane formten tiefe Täler – Lavaströme isolierten langsame Tiere und Pflanzen auf kleinstem Raum. Bei kurzlebigen Arten, wie Insekten, entwickeln sich in der Isolation schnell neue Arten. Am besten kennt diese Dominique Gitton. Ohne den Autodidakten, der seine Lebensaufgabe im Zoo von Guadeloupe gefunden hat, wären einige dieser Arten schon lange ausgestorben. Er züchtet die bis zu 15 Zentimeter langen Gespenstheuschrecken. In seinem Labor hat der 51-Jährige sehr viel über die Anpassungsfähigkeiten von Insekten gelernt.

Gespenstheuschrecken haben eine perfekt Tarnung

Gespenstheuschrecke an einem Ast
Gespenstschrecken sind perfekt getarnt. | Bild: BR

Gespenstschrecken habe lange und dünne Körper und werden deswegen auch Stabheuschrecken genannt. Manchen haben auch blattartig verbreiterte Körper. So ahmen sie fast immer Pflanzenteile, wie Rinde, Zweige oder Blätter in ihrer Umgebung nach – ein Verhalten das als Phytomimese bekannt ist. Durch diese Tarnung sind sie insbesondere für ihre Fressfeinde nur schwer zu entdecken. Die Beine sind im Gegensatz zu denen der Heuschrecken nicht zu Sprungbeinen umgebildet, werden aber häufig in die Tarnung einbezogen. Der Körper ist oft mit Dornen oder Stacheln bedeckt.

Weil die meisten "Schrecken" auf Guadeloupe die Blätter von nur ein oder zwei Pflanzenarten fressen, gibt es in manchen Tälern nur eine Art – und im nächsten Tal die nächste. Eine lokale Naturkatastrophe genügt und schon ist eine Spezies vom Aussterben bedroht. Deswegen ist Dominique lange auf der Suche nach dem richtigen Ort, denn ohne "ihren" Baum verhungern die Tiere.  Für den Insektenliebhaber ist die Auswilderung immer wieder ein Höhepunkt seiner Arbeit.

Auch Herkuleskäfer werden ausgewildert

Zwei Herkuleskäfer kämpfen miteinander
Ein Herkuleskäfer kann das 800-fache seines eigenen Gewichtes heben – da ist ein Rivale beim Kampf um ein Weibchen eine leichte Übung | Bild: BR

Dominique Gitton wildert auch den endemischen Herkuleskäfer aus. Das Männchen trägt am vorderen Ende seines Körpers ein Paar großer, zangenartiger Hörner, die dem Weibchen fehlen. Mit einer Länge von bis zu 17 Zentimetern ist er einer der größten Käfer der Welt. Interessanterweise entspringen die beiden Hörner des Herkuleskäfer-Männchens nicht beide am Kopf, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern nur das untere, kürzere Horn. Das obere, längere Horn ist dagegen ein Fortsatz des sogenannten Halsschilds. Aufgrund dieser Anordnung stellen die beiden Hörner nicht nur eine Zierde dar, sondern bilden die beweglichen Teile einer funktionstüchtigen Zange: Senkt das Männchen seinen Kopf, öffnet sich die Zange; hebt es ihn, schließt sie sich.

Wenn Drohgebärden die rivalisierenden Männchen nicht verscheuchen, bleibt nur der Kampf. Diese Kämpfe um die Weibchen können tödlich enden. Doch eigentlich soll der Rivale nur vertrieben werden - und deswegen kann "Herkules" mehr als das 800-fache seines eigenen Gewichtes heben. Dank der Arbeit von Dominique Gitton liefern sich die Männchen während der Paarungszeit wieder im Dschungel ihre kraftraubenden Kämpfe.

Ein neues Projekt: Eine fast verlorene Schildkröte

Köhlerschildkröte im Unterholz
Die Köhlerschildkröte von Guadeloupe wird von Dominique Gitton gezüchtet. | Bild: BR

Die Regierung des Departements Guadeloupe hat Dominique Gitton mit einem weiteren Spezialauftrag betraut: Er soll die Köhlerschildkröte retten. Vor Tausenden von Jahren hatten die karibischen Ureinwohner, vom südamerikanischen Festland kommend, die großen Landschildkröten als lebenden Proviant dabei. Einige setzten sie für spätere Besuche aus. In der Isolation konnte sich eine eigene Unterart entwickeln, die inzwischen fast verschwunden ist. Immer wieder ist Dominique Gitton züchtet die Tiere im Zoo und wird bald die ersten Jungtiere in den Wälder Guadeloupes aussetzen können. Mit etwas Glück wird sich auch diese Art wieder erholen.

Autor: Florian Guthknecht (BR)

Stand: 12.01.2018 22:23 Uhr

Sendetermin

Sa, 13.01.18 | 16:00 Uhr
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